Bettina Schinko, Schauspielerin-Kommunikations und Sprechtrainerin (Quelle:
Audio: Inforadio | 22.05.2020 | Juliane Kowollik | Bild: rbb/Juliane Kowollik

Interview | Kommunikationstrainerin - "Es kommt zu vielen Missverständnissen mit Maske"

Aus "Ich war in der Aftenhoffenstraße" wird "Ich lag tot auf der Straße". Mit Mundschutz müssen wir anders sprechen, sonst kann es zu Missverständnissen kommen. Wie eine gute Artikulation trotz Maskenpflicht gelingt, erklärt Kommunikationstrainerin Bettina Schinko.

rbb: Frau Schinko, momentan tragen wir alle eine Maske und klingen, als ob wir mit einer Hand vor dem Mund sprechen. Worin besteht beim Kommunizieren jetzt die Herausforderung?

Bettina Schinko: Die ganze Mimik geht verloren. Man kann an den Augen ablesen, ob jemand lacht, lächelt oder ernst schaut. Aber unser Hauptausdruck kommt über den Mund, und das fällt jetzt weg. Deswegen ist es auch gut nachzufragen: "Wie hast du das gemeint?", um zu vermeiden, dass Leute beleidigt sind. Neulich war zum Beispiel meine Mutter sauer und da musste ich ihr erstmal erklären, dass ich das nicht so gemeint habe, wie sie es verstanden hat.

Es ist anstrengender geworden zu kommunizieren, das ist wie mit einem Korken im Mund zu sprechen. Das Atmen fällt schwer. Ein Personal Trainer sagte kürzlich zu mir: "Wenn du Kopfschmerzen bekommen willst, dann mach mal mit Maske Sport!". Aber es ist auch eine gute Chance, jetzt besser zu sprechen und zu kommunizieren.

Wie kann das aussehen?

Wir müssen uns ganz klar besser artikulieren und mit Gesten unterstützen. Ein positiver Effekt durch die Einschränkungen: Man überlegt sich besser, was man sagt. Das ist ja gut, ich bin auch sehr für eine "Redediät", weil wir viel zu viele Füllworte verwenden. Wir werden also durch die Maske präziser im Sprechen. Hier in meinem Kiez tragen die Menschen Maske. Ich schätze es auch sehr, wenn die Wirtin oder der Verkäufer Maske trägt.

In welche Fallen können wir beim Sprechen mit Maske geraten?

Vor allem Verneinungen werden schlechter verstanden. Wenn ich sage "Das ist nicht gut." und nuschle das "nicht" ein bisschen weg, dann kommt beim Anderen "Das ist gut." an. Dann lieber andere Worte benutzen und sagen "Das ist schlecht". Das ist zwar etwas härter gesagt, wird aber wenigstens verstanden. Und wenn ich merke, da gibt's eine Irritation in den Augen des anderen, dann lieber nachfragen. Auch Zahlen werden schnell falsch verstanden und das kann dann ja auch mal den Auftrag kosten: Zwei und drei oder zwei-und dreihundert.

Es kommt zu vielen Missverständnissen mit Maske. Ein Freund hat mir erzählt, er war auf einer Radtour und ist vorrausgefahren und sein Freund rief von hinten "Ich lag tot auf der Straße" und beim nächsten Halt hat er gefragt: "Was hast du gesagt?". Der Freund sagte: "Ich war in der Aftenhofferstraße", "Achso, da bin ich aber froh". Oder "Hier geht's zur Kasse"- wird zu "Hier gibt's 'ne Tasse", das kann witzig werden.

Das kleine Wort "und" ist auch ganz wichtig. Wenn ich das nicht gut ausspreche, dann wird aus "und gut- ungut", aus "und freundlich“- "unfreundlich" und aus "und natürlich“- "unnatürlich"- sehr gefährlich.

Das Interview mit Bettina Schinko führte Juliane Kowollik, Inforadio.

"Da ist eine Sache im Gesicht, die fremd ist"

Sendung: Inforadio, 22.05.2020, 06:30 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Nicht nur die Nuschler sind betroffen, auch die schlecht hörenden, die keine Lippen mehr lesen/sehen können, keine Mimik. Übringens fand ich es schon immer widerlich, Stoff im Mund zu haben - Stoffservietten.... knirschigen Stoff... mich schauderts gerade... oder beim Zahnarzt auf diese Röllchen beißen... uuuaaah! So ähnlich fühle ich mich mit dem trotz Baumwolle leicht fusseligen Stoff vorm Mund. Aber ok, was macht man nicht alles auf den wenigen Ausritten in die Konsumwelt. Man nimmt sogar für einen Harzer Käse einen ganzen Einkaufswagen mit...

    Letztlich ist das nur ein Notbehelf - Abstand, vereinzeln, Kontakte minimieren ist weitaus wichtiger. Macht halt nur keiner mehr...

  2. 14.

    Von wegen Blödsinn. Bitte nicht einfach nur an sich selbst denken. Es gibt auch Personen welche grundsätzlich leise reden, oder nuscheln beim Sprechen. Es gibt sowohl introvertierte wie extrovertierte Menschen. All dies soll wie im Artikel schon richtig beschrieben, Missverständnisse beim richtigen Artikulieren vorbeugen. Ich z.B. rede für manche Zeitgenossen zu laut, da ich einen leichten Hörschaden habe und somit zuerst gar nicht wahrnehme dass ich laut spreche. Beim Fahrradfahren allerdings hat sich mein lautes Organ oft schon als positiv bewährt.

  3. 13.

    Selten so einen Blödsinn gelesen. Ich spreche ohne Maske nicht wie Til Schweiger und auch nicht mit. Bisher konnte ich mich überall verständlich machen.
    Wenn ich einem vorausfahrenden (nicht vorrausfahrenden)Radfahrer etwas zurufe, ist das unabhängig von einer Maske nicht bzw. kaum zu verstehen.

    Wo die Mimik fehlt, benutze ich halt Worte, damit Gesagtes eingeordnet werden kann. Da muss ich die Kassiererin beim Nennen der Summe nicht fragen, wie sie das gemeint hat.
    Diese Kommunikationstrainerin ist einfach nur Slapstick.

  4. 11.

    Tuch hab ich auch gehabt, wurde dann bei der Wärme im Nacken zu unangenehm. Nun diese Maske. Aber nur da wo es sein muss und die Zeit halte ich so kurz wie möglich. Neulich war ein Stau an der Kasse im Drogeriemarkt. Ich hab mein Zeug einfach hingestellt und bin raus. Ich halte es max 10min aus mit etwas vor der Nase, dann bekomme ich Beklemmungen

  5. 10.

    Wenn Sie in Ihrem Nickname auf die alten "Frontstadt"-Zeiten Bezug nehmen, müsste Ihnen das doch eigentlich gefallen: Ein diffuses Bedrohungsgefühl wie damals, als in allen vier Himmelsrichtungen Osten war. Ham wir uns da vielleicht unterkriegen lassen?

  6. 8.

    Richtig, Feindesgebiet-Gefühl! Oder wie nach Tschernobyl. Unsichtbare Gefahr, gerüstet mit nix. Oder Blödsinn. Solange das so wischiwaschi ist, bleibe ich daheim, bis auf Büro...

  7. 6.

    Ich trage keinen Fratzenschlüppa, sondern nur ein leichtes Tuch. Ist auch nicht so prickelnd aber irgentwie nicht ganz so belastend. Einkaufen nur wenn es sein muss. Ansonsten online. Im allgemeinen hat man stets das Gefühl in ein Feindesgebiet zu ziehen, wenn man doch mal raus.

  8. 5.

    Mir nicht. Ich kann alle taeglichen Besorgungen in Innenraeumen auch mit Maske erledigen. Hinkommen tue ich zu Fuss, mit dem Rad, mit Oeffis. Man muss sich eben ggf ein bisschen mehr Muehe beim Artikulieren geben. Na und? Was ist daran so schwer? Offenbar reduziert die Maske das Risiko der Uebertragung bei knappen Abstaenden. Mir scheint das plausibel, denn man riecht ja auch weniger vom Gegenueber. Also wo ist hier ein Problem, das diesen Namen verdient??

  9. 4.

    so mache ich es auch - kurz in den Supermarkt springen, wenn wenig andere da sind, was ich da nicht bekomme, gibt es halt nicht. Sonst mache ich nichts, wo ich viel Kontakt hätte. Mir hat das Abstandsgebot zuvor auch gereicht. Aber leider haben sich die wenigsten daran gehalten. Sonst hätte es prima funktioniert. Mit Maske habe ich echte Probleme beim Luft holen, ich trage die ja nicht wie diese Ignoranten, rechts und links Luftlöcher oder ohne Nase! Und mit dem Teil gehe ich nicht shoppen, da halten Hosen und Schuhe halt noch ein Jahr oder zwei. Am meisten hat mich bei der Maskenpflicht geärgert, dass die VerkäuferInnen keine Maske trugen.

    Insofern behindert die Maske nicht mein Sprechen - ich spreche im Supermarkt nicht. Einmal war ich nun seit Anfang Februar beim Friseur mit Maske. Nun sind die Haare so kurz, dass ich nicht so bald wieder hin muss.

    Wenn es tatsächlich noch 1-2 Jahre dauert mit Maske, wie die Dame auf dem vorletzten Foto sagt, dann wird die Pleitewelle heftig!

  10. 3.

    Leider keine Satire. Schikane an den Bürgern, nicht mehr, nicht weniger. Einkaufszentren, ÖPNV, Restaurants oder nun auch Freibäder. Bei diesen Bedingungen werden diese Geschäfte nicht lange überleben. Ich sehe es ganz genau so und meide alles. Nicht aus Angst, so ist es einfach nicht menschlich und bevor jetzt wieder alle losjammern; es ist meine Meinung und es gab eine Zeit wo jeder seine Meinung kund tun konnte. Und ich kenne sehr viele Menschen die es mir gleichtun.

  11. 1.

    Echt jetzt? Der Artikel ist Satire, oder?
    An dieser extremen Art der verminderten Kommunikationmöglichkeit ist überhaupt nichts, was irgendwie sinnvoll wäre oder zukünftig etwas verbessern kann.
    Und genau deshalb fahre ich derzeit nicht ÖPNV, sondern mit dem Auto (ja, auch kurze Strecken in der Stadt), und kaufe, wenn irgend möglich, online ein. Alle zwei Wochen für Lebensmittel in den großen Supermarkt, damit man mit niemandem reden muss, der einen dann doch nicht versteht oder den ich nicht verstehe. In allen anderen Situationen, auch im Büro, brauche ich die Maske zum Glück nicht, zum Arzt muss ich hoffentlich nicht so bald.
    Ich finde das ausgesprochen furchtbar, zumal ich offenbar nicht die einzige bin, die das so handhabt. Und das ist angesichts der bloßen nicht validierten Vermutung, dass diese Maske (bzw. bei mir dieses Tuch) Infektionen behindern soll, und der großen Uneinigkeit der Ärzte und der Fachwelt selbst zu diesem Thema, eher bedenklich als eine Chance.

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