Symbolbild: Menschen laufen im Regen am 10. Dezember 2013 am Reichstag vorbei. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Video: Super.Markt | 11.10.2020 | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Risikopatienten könnten leer ausgehen - Ärzte und Apotheker erwarten Engpässe beim Grippe-Impfstoff

Wegen der Corona-Pandemie wollen sich mehr Menschen als sonst gegen die Grippe impfen lassen. Auch das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt das. Doch der Impfstoff könnte schnell knapp werden - und nicht alle Risikopatienten könnten geimpft werden.

Ärzte und Apotheker verzeichnen in den vergangenen Tagen eine erhöhte Nachfrage nach Grippeschutz-Impfungen. Angesichts der gegenwärtigen Corona-Pandemie entschließen sich immer mehr Menschen, der Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu folgen und den kostenlosen Impfschutz in Anspruch zu nehmen.

Doch die bereitgestellten rund 26 Millionen Dosen reichen rein rechnerisch nicht einmal aus, um alle Risikopatienten in Deutschland zu versorgen. Zu dieser Gruppe zählen alle Über-60-Jährigen, chronisch Kranke, Mitarbeiter im Gesundheitswesen und alle, die beruflich viele Kontakte haben.

RKI-Vertreter: Risikogruppe sollte Vorrang haben

Deshalb sieht Dr. Martin Terhardt von der ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) dringenden Handlungsbedarf. Er sieht die Gefahr eines Engpasses und äußert sich gegenüber dem rbb-Verbrauchermagazin Super.Markt besorgt: "Mein Wunsch wäre tatsächlich eine abgestufte Empfehlung, dass man jetzt erst mal bis Mitte Dezember wirklich den Vorrang denjenigen gibt, die zu den Risikogruppen gehören. Und wenn dann die Situation so ist, dass der Rest der Risikogruppe sich wirklich nicht impfen lassen möchte und es noch genug Impfstoff gibt, dann könnte man das von mir aus auch gerne freigeben."

Apotheken schlagen Alarm

Auch eine repräsentative aktuelle Umfrage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände besagt, dass sich 38 Prozent der Erwachsenen impfen lassen wollen. Das wären 26,6 Millionen Menschen - und somit mehr als es Impfdosen gibt.

Apotheker, die die Impfdosen an Ärzte verteilen, spüren bereits jetzt die erhöhte Nachfrage. Monika Bock aus der Quartierapotheke in Berlin-Schöneberg bilanziert gegenüber Super.Markt: "Tatsächlich kann man den Impfstoff nicht einfach nachproduzieren, und mit einiger Sicherheit wird es zu einem Engpass kommen." Sie habe schon einigen Ärzten, die weitere Impfungen nachbestellen wollten, absagen müssen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hingegen hält weiterhin an ihrer allgemeinen, freiwilligen Impfempfehlung für alle fest. Burkhard Ruppert, stellvertretender Vorsitzender der KV Berlin, sagte zu Super.Markt: "Ich glaube, wenn wir es schaffen, 26 Millionen mal gegen Influenza zu impfen, dann ist das ein Irrsinnserfolg, der in der Vergangenheit noch nie erreicht wurde."

Sendung: Super.Markt, 12.10.2020, 20:15 Uhr

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20 Kommentare

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  1. 20.

    Also ich (60+) versuche auch seit 2 Wochen und bislang vergeblich - in Köln Grippeimpfstoff zu bekommen. Wenn man Glück hat, wird man auf einer Warteliste akzeptiert und wartet dann eben. Erfolg offen.
    Pneumokokkenprophylaxe war vor einigen Wochen gleiches Spiel, war aber zu meiner und der des Arztes größten Überraschung möglich als eine sehr hilfsbereite Apotheke zu einer Vereinzelung der plötzlich vorhandenen Dosen bereit war.

    Ich wusste gar nicht, dass Herr Spahn zur Risikogruppe gehört - na es gibt ja nächstes Jahr Bundestagswahl.... vielleicht verrät er aber auch noch, wie er an Impfstoff gekommen ist.

  2. 19.

    Bei uns im Kreis Soest gibt es keinen Grippeimpfstof mehr.Mein Mann gehört zur Risikogruppe und bekam trotz vorbestellung keine Grippeimpfung.

  3. 18.

    Ich kenne im Kreis Reutlingen und im Kreis Tübingen mehrere Praxen, die KEINEN Impfstoff mehr haben, nur 50 Impffosen je Oraxis erhalten haben und auf absehbare Zeit keinen mehr bekommen ... und dann sehe ich Jens Spahn heute vor laufenden Kameras, der die Menschen in die Praxen zum impfen schickt und behauptet es gäbe Impfstoff im Überschuss. Als Minister kriegt er klar ne Impfung auch wenn es für Normalbürger keine mehr gibt!

  4. 17.

    Im Grunde genommen haben sie eigentlich Recht. Ich würde trotzdem die Teilnahme an der Grippeschutzimpfung empfehlen, insbesondere unter den Bedingungen der aktuellen Pandemie und der Tatsache, dass sich viel Symptome ähneln. Das dürfte übrigens auch der Grund für die erhöhte Nachfrage in diesem Jahr sein. Also Mut, es ist nur ein kleiner Piks (so wie jedes Jahr?).

  5. 16.

    1. Impfungen müssen frühzeitig vorbestellt werden - viele Arztpraxen "vergessen" das.
    2. Apotheken können nicht auf gut Glück vorbestellen, da sie das wirtschaftliche Risiko tragen, wenn die Impfstoffe nicht weggehen. Zudem Lagerkapazität (muss alles gekühlt werden).
    3. der Großteil der Grippeimpfstoffe wird auf speziell produzierten Hühnereiern gezüchtet, dann extrahiert und gereinigt. Ein aufwendiges und langwieriges Verfahren mit Kapazitätsgrenzen, da die Hühner nicht unendlich Eier legen. Nachproduktion ca. 6 Wochen- eine zusätzliche Freigabe durch das RKI ist notwendig für jede Charge.
    4. Alle Hersteller warten auf die WHO, die die entsprechenden Grippestämme benennt (meist 4), die dann im Impfstoff verarbeitet werden. Auch hier limitiert die sterile Herstellung die Menge und Geschwindigkeit.

  6. 15.

    Wo genau soll man sich wie genau anstecken, wenn man, vor allem aus der Risikogruppe, sich an alle derzeit geltenden Regeln hält? Maske auf außerhalb des eigenen Haushaltes, Hände waschen, keene Versammlungen, die nicht nötig sind, mal in Zurückhaltung üben, auch beim Shoppen, also Grippeimpfung?
    Don't panic! Natürlich nur, wenn man es schafft, vernünftig zu sein.

    Ich hatte ungeimpft noch nie Grippe. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Sogar ohne Maske, nur mit Vernunft.

  7. 14.

    Wir brauchen ca. 2800 Grippe -Impfdosen in unserer Apotheke für die Praxen in unserer Gegend, bekommen haben wir bisher nur 200 (!). Vielen Impfstoffhersteller gehen schon gar nicht mehr ans Telefon, z.B. Fa. Mylan (Grippeimpfstoff ist INFLUVAC von denen). Für Privatpatienten gab es dieses Jahr gar nichts. Es fehlt ja nicht nur an Grippeimpfstoffen, es fehlt massenhaft an Arzneimitteln. Der Großhandel sagt "unter der Hand", es würden an ca. 4000 -5000 Arzneimitteln fehlen, doch das darf nicht öffentlich gemacht werden. Pst , nicht weitersagen, manche gibt es schon mehr als ACHT Jahre nicht!!!!.
    Die von Spahn angekündigte Grippeimpfstoffreserve läßt auch auf sich warten. So geht es echt nicht weiter.
    Sollen die Risikopatienten denn alle verrecken?? Herr Spahn bekommt den Laden einfach nicht in den Griff.
    Bin gespannt, ob dieser Post gezeigt wird.
    Wir in den Apotheken haben jeden Tag den Ärger, und können nichts dafür.

  8. 13.

    Alle niedergelassenen Ärzte mussten bis Ende März schriftlich eine Anzahl von Grippeschutzimpfungen bestellen, die sie vermutlich im Herbst in der Praxis verimpfen wollen.
    Und auch wie Ärzre wussten im März nicht, wie sich Corona entwickelt, wie evt. die Nachfrage nach der Impfungen im Herbst sein wird. Bestellt man zuviel, verimpft dier Dosen nicht, besteht die Gefahr der Nachfrage durch die Kassen bzw. Regress.
    Ich hatte so 50 Impfdosen für meiner Kidnerarztpraxis bestellt.
    Diese 50 Dosen habe ich Ende September bekommen. Wenige Tage zuvor hatte Bundesminister Spahn zur Impfung aller Interessierten aufgerufen.
    Über gute Apothekenverbindungen habe ich jetzt insgesamt 200 Impfdosen erhalten.
    Aber GESUNDE Kinder sind nicht in der Impfempfehlung der STIKO enthalten, gleichfalls ist es keine garantierte Kassenleistung. Also Paradoxum: Sphan empfiehlt Grippeimpfung, diese muss von Gesunden Menschen korrekterweise bezahlt werden.
    DAs ist nicht leicht in der Praxis zu erklären.


  9. 12.

    Na was ein Glück, daß ich mich nicht impfen lasse.

  10. 11.

    Hatte ich schon vor Wochen so geschrieben und gewarnt.
    Das Ergebnis waren Beschimpfungen und Beleidigungen von den bekannten Schreiberlingen, die hier beim RBB gern gesehen ihr Unwesen treiben.

  11. 10.

    Soweit mich mein Gedächtnis trägt, kann ich mich dran erinnern dass ich vernommen hatte, dass das RKI für Deutschland 25 Millionen Grippeschutz Impfungen geordert hat. Ausgehend von einer statistischen Zahl, wie viele Menschen sich in den vergangenen Jahren - haben impfen lassen.

    Etwas anderes, was bisher nicht im Blickwinkel der Presse steht, ist die die Vorsorge Impfung gegen Pneumokokken. Lt. meiner Anfrage ist dieser Impfstoff nämlich derzeit gar nicht verfügbar, auch wenn sich die Arztpraxen dafür auf einer langen Warteliste angemeldet haben.
    Herr Spahn, sie lagern irgendwo Millionen von Masken, von denen die Bevölkerung nicht weiß wann und für wem diese verfügbar sind.
    Kommt jetzt als nächstes der Engpass für Grippeschutz und gegen Pneumokokken Impfung ? ? ?

  12. 9.

    Wie immer wird wieder (ohne Sinn und Verstand?) gemeckert.
    Wer wollte denn schon geimpft werden und wurde wegen Mangel an Impfstoffen nach Hause geschickt?
    Wie in den vergangenen Jahren können wir schon mal die Impfgegner und Verweigerer bei der Planung nicht berücksichtigen. Die Impfquote bei Grippe liegt bei 35%. Also die Basis ist schon mal eine andere. Weiterhin wurden schon mehr Impfdosen bestellt als in den letzten Jahren. Und wenn sich in dieser Woche diejenigen impfen lassen die hier Angst um ihr Wohlergehen äußern, dann sollte es wohl reichen.
    Wenn dann Impfstoff übrig bleibt, der dann vernichtet wird, kann wieder über Verschwendung von Steuergeldern gemeckert werden .

  13. 8.

    Das verstehe ich nicht. Herr Spahn und viele andere "Experten" haben doch fleißig zur Impfung aufgerufen. Möglichst jeder solle sich impfen lassen, es sei genug für alle da.... .

  14. 7.

    Für mich ein Witz da wird aufgerufen sich impfen zu lassen und dann sind noch nicht mal genügend Impfdosen verhandeln da beißt sich die Katze in den Schwanz. Daran sieht man wieder wie unser Gesundheitssystem arbeitet. Sehrgehrter Gesundheitsmister Herr Spahn dieses liegt in Ihrer Verantwortung und somit haben Sie in meinen Augen versagt.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  15. 6.

    Man sollte vielleicht vorerst den Begriff der Risikogruppen etwas näher verständlich machen, bevor hier noch mehr zweifelhafte Meinungen erscheinen, die ein völlig falsches Bild von der Problematik zeichnen. Schon der Plural macht klar, dass es verschiedene Stufen gibt, die vom fortgeschrittenen Alter (mit Einschränkungen des Immunsystems) bis zu schwersten Erkrankungen reichen, bei denen eine Covid-19-Infektion mit höchster Sicherheit letale Folgen hat.
    So eine Infizierung muss bei diesen Patientengruppen sofort und zweifelsfrei erkannt werden, sonst kommt jede Hilfe zu spät. Es gibt also irgendwann einen Punkt, wo der einzelne Betroffene das nicht mehr alleine geregelt bekommt, dass er diese schwierige Zeit überlebt. Insofern ist es schon richtig, dass hier der Staat handelt und diese Personen schützt. Das ist seine Aufgabe. Eine Schutzmöglichkeit ist die rechtzeitige Grippeschutzimpfung.

  16. 5.

    Ihre Aussage ist korrekturbedürftig, Grippeschutzimpfstoff hat jedes Jahr eine andere Zusammensetzung und ist auf die aktuelle Lage abgestimmt, die erst kurz vor Beginn ermittelt werden kann. Aber ich denke mal, dass es trotzdem klappenwird, so wie jeds Jahr.

  17. 4.

    Dieses Land spart sich kaputt. Es ist fast alles in privater Hand und der Staat meint, damit ist er die Verantwortung los. Es gibt aber eine Daseinsfürsorge und die kann nicht der gewinnorientierten Wirtschaft überlassen werden.
    Die produzieren nur soviel, wie Gewinn zu machen ist. Bloß nicht zu viel. Es könnte ja was über bleiben. Das schmälert den Gewinn. Wenn es nich reicht. Pech gehabt.

  18. 3.

    Erstmal sollte der Risikopatient an sich richtig klassifiziert werden, denn das ist mitnichten jeder über 60 jährige, sondern da gibt es ziemlich enge Grenzen.
    Wenn man die heranzieht dann ist beim bei maximal 10% an wirklichen Risikopatienten in Deutschland.
    Wenn z.b. Asthma, Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas und so weiter, alles potenzielle Gefahrenquellen für Corona Infektionen, gut eingestellt sind, zählen diese Leute nicht zum Risikobereich.
    Auch bei Krebserkrankungen gilt das nur für aktuelle akute Fälle.

  19. 2.

    Meines Wissens ist selbst ein halbes Jahr in diesem Falle nicht sooo viel Zeit. Genauere Informationen diesbezüglich wären hilfreich, liebe Redaktion.

    Und: Wird der Impfstoff nicht mithilfe von Hühnereiern produziert? Das mal bitte deutlicher sagen, dann erledigt sich schon mal die Nachfrage von "Veganern" u,ä, Zeitgenossen, die ja sicher lieber Grippe kriegen als wehrlose Tierchen zu gebrauchen.

  20. 1.

    Man hatte über ein halbes Jahr Zeit, genügend Dosen zu produzieren. Sehe ich da was falsch, oder hat man geschlafen?

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