Mutter hält Hand ihres Babys (Quelle: Werner Bernstädt)
Bild: Werner Bernstädt

#Wiegehtesuns? | Corona mit Baby - "Die Rückbildung mache ich alleine zu Hause"

Bettina ist Mutter einer zwei Monate alten Tochter. Mama-Kind-Kurse sind passé, Babys beim Pekip nackt zusammen krabbeln lassen – undenkbar! Schön ist die Zeit trotzdem. Das Protokoll einer Mutter aus Berlin-Köpenick.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als jedes andere Ereignis zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Bettina, 39 Jahre, Redakteurin (in Elternzeit), wohnt mit ihrem Partner und zwei Kindern in Treptow-Köpenick. Ihre Tochter ist im Januar 2020 zur Welt gekommen. 
"Es sind einfach andere Zeiten",
sagt unsere Kinderärztin. In diesen Wochen weicht sie von ihren sonstigen Empfehlungen ab und rät mir dringend, meiner zehn Wochen alten Tochter nicht nur die anstehende Grundimmunisierung, sondern die Pneumokokken-Impfung gleich mit zu geben. Das bedeutet eine Spritze mit Sechsfach-Impfstoff in den einen kleinen Oberschenkel, eine weitere in den anderen. Häufiger in die Praxis als unbedingt nötig will ich in diesen Zeiten nicht. Ich höre also auf den ärztlichen Rat. Ohne Corona hätte ich damit noch gewartet.

Diese Verunsicherungen machen diese ersten Wochen manchmal schwer – eine eigentlich wunderbare Zeit. Erst vor zwei Tagen hat der große Bruder unserer Kleinen gesagt: "Mama, es ist schön, das sie aus deinem Bauch gekommen ist". Wenn wir gemeinsam spazieren, "Immer wieder kommt ein neuer Frühling" trällernd, könnte die Welt perfekt sein. Doch von "perfekt" sind wir entfernt, mindestens so weit entfernt wie von "normal".

Von den Muttis aus der Schwangerschaftsgymnastik habe ich nur eine persönlich zum Baby-Bestaunen getroffen. Pekip ist undenkbar. Das war damals mit meinem Sohn eine wertvolle Mutter-Kind-Zeit und Wohlfühlprogramm für die Kleinen, die nackt im aufgeheizten Raum ihre Welt kennenlernen konnten. Das und auch die Rückbildungskurse waren für mich ein wichtiger Austausch unter frisch gebackenen Eltern. Jetzt sind sie abgesagt. Die Rückbildung nach der Geburt mache ich alleine zuhause. Unter Anleitung trainieren kann man nur noch auf Rezept, wenn medizinisch notwendig.

Meine Hebamme kommt noch, viele Hebammen sagen Besuche aber ab. Die meisten Mütter haben Verständnis. Bei meinem ersten Kind hätte es mich allerdings nervös gemacht, auf mich allein gestellt zu sein. Viel dreht sich bei uns aber auch um meinen Dreijährigen, der gerade nicht in die Kita geht. Auch mein Lebensgefährte arbeitet derzeit nicht. Das ist irgendwie auch schön, so verschafft uns Corona eine ungeplante gemeinsame Elternzeit. Wenn das Wetter mitmacht, gehen wir lange spazieren und sind viel draußen. Obwohl dabei auch absurde Situationen vorkommen: Einmal hält ein entgegenkommender Spaziergänger beim Passieren eine Plastiktüte zwischen sich und uns.

Absurd finde ich als Redakteurin auch das für mich ungewöhnliche Gefühl, einfach nie up-to-date zu sein - obwohl ich die Nachrichten nahezu ständig verfolge. Die Welt verändert sich einfach zu schnell. Trotzdem lese und lese und lese ich. Und rede und rede und rede: mit meinem Lebensgefährten, meiner Familie, Freunden und Nachbarn. Niemand ist mit seinen Gefühlen allein. Das hilft.

Ich bin wenig begeistert von Maßnahmen wie den Grenzschließungen und hoffe sehr, dass wir unsere Freiheitsrechte und unser freiheitliches Europa zurückbekommen. Aber diese Zeiten sind auch menschlich bereichernd. Menschen, von denen ich lange nichts gehört habe, schreiben Nachrichten, im Supermarkt habe ich mitbekommen, wie die Kunden den Mitarbeitern aufrichtig danken. Zaungespräche mit den Nachbarn dauern viel länger als sonst und ich sehe häufiger ehrliches Lächeln. Ich hoffe, davon bleibt etwas, nach Corona.

Wie geht es Ihnen? Erzählen Sie rbb|24, wie Ihr Alltag in Zeiten von Corona aussieht! Einfach eine Mail schicken an internet@rbb-online.de. Wir melden uns bei Ihnen.

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20 Kommentare

  1. 20.

    Geht mir ganz genauso! Kleine Auszeiten braucht man einfach, um die Batterien wieder aufzuladen, um eben wieder eine ausgeglichene Mutter sein zu können. In jedem Ratgeber steht, man soll Hilfe und Unterstützung Dritter annehmen, in der ersten Zeit mit dem Baby. Geht jetzt aber nicht. Nicht mal die Großeltern bzw. wahrscheinlich die als Letzte dürfen kommen.. Ist einfach frustrierend. Nicht mehr und nicht weniger. (Ich schüttele den Kopf über gewisse Kommentare.)

  2. 19.

    Ist es ein Leidensdruck Mutter zu sein....es ist eigentlich etwas sehr Schönes oder sehe ich das falsch? Und wenn ich lese "Da darf man auch mal jammern, das hilft dann vielleicht auch beim Durchhalten". Das hört sich an als wenn man in einer schrecklichen Situation ist, wo man durchhalten muss.Unglaublich....

  3. 18.

    Es ist nicht normal den ganzen Tag (und bei einem berufstätigen Mann wohl auch die ganze Nacht) alleine ohne Hilfe von Verwandten oder Freunden für einen Säugling zuständig zu sein. Mutter werden ist eine anstrengende Anpassungsleistung, und zwar auch schon ohne Corona. Da darf man auch mal jammern, das hilft dann vielleicht auch beim Durchhalten. Ich finde es erschreckend, wie häufig in den Kommentarfunktionen Leute unterwegs sind, die jeglichen Leidensdruck abbügeln und relativieren. Oft anscheinend Leute mit viel Zeit, um viele Kommentare zu schreiben. Bitte an alle von Corona direkt oder indirekt Betroffenen: lasst euch davon nicht beeindrucken und "jammert" weiter!

  4. 17.

    Empathie braucht man bei so einem Gejammere nicht. Diese ganzen Einschränkungen gehen jetzt glaube ich seit drei Wochen. Und schon ist man überfordert.....das gibt mir zu denken. Helene braucht nicht 24 Stunden am Tag zu Hause hocken. Es gibt viele Möglichkeiten.
    Einschränken müssen wir uns jetzt alle, also improvisieren.

  5. 16.

    Man was haben die Eltern vor hundert Jahren gemacht? Womöglich der nächste Nachbar kilometerweit entfernt. Die waren wohl selbständiger als wie manch einer heute. Mal den eigenen Kopf benutzen.

  6. 15.

    Warum muss die Nur-die-Harten-kommen-in-den-Garten-Fraktion fremde Menschen ständig ungefragt oberlehrerhaft und pissig von der Seite anmachen? Die Leute sind verschieden. Empathie wäre 'ne Möglichkeit.
    Ich kann beispielsweise jemanden verstehen, der nicht 24/7 mit Baby zu Hause hocken oder immer allein und/oder im Familienverband spazieren gehen möchte. Irgendwann reicht es nämlich. Und alles nur virtuell zu absolvieren ist überhaupt nicht befriedigend. Der Mensch braucht den Menschen.
    Habe übrigens gerade meine dreiwöchige Tochter auf dem Arm. Beim Erstgeborenen bin ich auch zu verschiedenen Babykursen gegangen. Aber ich bin nicht so der gesprächige Typ, deswegen stand für mich fest es beim nächsten Kind zu lassen. Man kann aber gut einüben mit Kind pünktlich zu Terminen zu erscheinen. Und das Baby trifft mal auf andere Babys.

  7. 14.

    Warum muss die Kinderärztin von ihren normalen Empfehlungen abweichen? Laut STIKO ist die Pneumokokkenimpfung ab einem Alter von 2 Monaten bei Säuglingen empfohlen, genau wie die Grundimmunisierung. Diese beiden Impfstoffe können zusammen gegeben werden. Das war auch schon vor dem Auftreten von Corona so.
    Mein Baby wurde ebenfalls im Januar geboren. Es ist mein erstes Kind. Daher habe ich leider keine Erfahrungen wie ich Rückbildung ganz alleine zu Hause machen kann, ohne dabei etwas falsch zu machen. Da bleibt mir nur YouTube.

  8. 13.

    War das Kind gewollt? Es erschreckt mich zu lesen das es SEHR frustrierend ist (...)Den fehlenden Austausch mit anderen Müttern kann man doch ganz einfach über die zahlreichen Angebote im Internet z.B. via Webcam kompensieren.
    Auszeit vom Babyalltag können Sie nehmen wenn der Papa zu Hause ist oder das Baby schläft. Improvisieren ist nicht ganz Ihr Ding oder?

  9. 11.

    Ich bin ebenfalls gerade in Elternzeit und empfinde die Situation als schwierig. Da sämtliche Mutter- und Babykurse abgesagt sind, hockt man den ganzen Tag allein mit Kind daheim. Mein Mann arbeitet. Freunde kann ich nicht treffen. Es ist sehr frustrierend. Nicht nur, weil der Austausch mit anderen fehlt, sondern auch die kleinen Auszeiten vom Babyalltag.

  10. 10.

    So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Kinder hatten auch vor zwanzig Jahren besondere Bedürfnisse und Krankheiten gab es auch schon immer. Meine Tochter ist jetzt 23 Jahre alt und brauchte keine Helikopter Eltern die alles überwachen und verhätscheln. 7 mal Scharlach und Windpocken oben drauf noch eine Magersucht. Ich frage mich was Ihnen Ihre Mutter für Ratschläge gegeben hat. Sie haben es ja anscheinend auch überlebt.
    Lassen Sie es einfach, so zu tun, als wenn Sie ein so super schlauer Vater oder Mutter oder was weiß ich sind. Ihr Wissen ist sowieso nicht auf eigenem Mist gewachsen.

  11. 9.

    Ihr Kommentar ist völlig unpassend. Weder hat die Autorin herumgejammert, noch war sie negativ. Der Austausch von frischgebackenen Muttis ist extrem wichtig und da wird es in dieser Zeit wohl als Mangel beschrieben werden dürfen. Ich finde Ihren Beitrag unangemessen und von lösungsorientiert kilometerweit entfernt.

  12. 8.

    Bravo! Ich möchte noch mehr Berichte über Babys.

    @ stay home: Hätte ich auf die Ratschläge meiner Mutter gehört, dann hätte ich meine Kinder versehentlich umgebracht.
    Die Ältere Generation besitzt Wissen, aber kein Fachwissen! Besonders, wenn man Kinder mit gewissen Bedürfnissen hat oder zu Krankheiten neigen, die es ja angeblich früher nie gegeben hatte.

  13. 7.

    Ja, Thomas das stimmt. Die Individualisierung greift bis in die Familien hinein. Vor gar nicht langer Zeit haben die Menschen gelesen, wenn sie etwas wissen wollten und das Wissen wurde von den Generationen innerhalb der Familien weiter gegeben.
    Heute glaubt Jeder, dass die Verantwortung für die individuellen Entscheidungen vom Gemeinwesen zu tragen sind. Mehr Mut, sich selbst wahrzunehmen, dem gesunden Menschenverstand zu folgen und sich den Tratschclubs und-medien entziehen, hilft.

  14. 5.

    In unserer individualisierten Gesellschaft sind außer-Haus-Besuche bzw Termine sehr wichtig.
    Erst recht mit Hebammen, die einem sehr viel Wissen weitergeben können.
    Uns hat beides sehr geholfen.

    Früher war früher... Und vieles auch anders.

  15. 3.

    Oh je, so langsam versinkt diese Rubrik in den Sound des gemeinsamen Jammerns. Was ist dabei, Rückbildungsgymnastik nach der Geburt alleine zu Hause zu machen? Haben Millionen Mütter zuvor immer so gehalten. Braucht es mittlerweile für jede Normalitäten die öffentliche (Selbst)Darstellung? Geht der Stoff aus, teilen wir unser Leid miteinander? Anstrengend.
    Wann gibt es hier die ersten Beiträge zu Lösungsorientiertem,kreativen Umgang mit den Gegebenheiten?

  16. 2.

    Bravo und Endlich, ich dachte schon, es gibt keine Schwangeren, bzw in diesen Zeiten gerade "Mutti gewordene" Frauen mehr.
    Sie werden auch nie in den Risikogruppen benannt, weshalb? Die letzten 4 Wochen hatte ich den Eindruck, Deutschland besteht nur noch aus der Gruppe der über 6O jährigen, kasernierten Pflegeheimbewohnern und kasernierten Kindern, nebst gestressten Eltern.
    Danke Rbb!! und nun Bitte eine Reportage über den aktuellen Alltag von Berliner Lehrern.

  17. 1.

    Den ersten Satz im letzten Absatz finde ich äußerst bemerkenswert und geradezu beklemmend. Es scheint gar nicht mehr um das „Wann“ zu gehen, sondern bereits um das „Ob“.

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