#Wiegehtesuns? | Kosmetikerin Jenna Woche in ihrem Studio mit Corona-Schutzkleidung (Quelle: privat)
Bild: Privat

#Wiegehtesuns? | Die Kosmetikerin - "Für die Kunden bleibt das Wellnessgefühl total auf der Strecke"

Arbeiten mit Maske, Schutzbrille und Visier – und das oft zehn Stunden am Tag. Für Kosmetikerin Jenna ist ihre Arbeit durch die strengen Hygieneauflagen zum Kraftakt geworden, auch finanziell. Ein Gesprächsprotokoll.

Corona betrifft uns alle – nicht nur in Berlin und Brandenburg. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Jenna Woche (24) ist ausgebildete Kosmetikerin und Masseurin in Reinickendorf. Vor drei Jahren eröffnet sie ihr eigenes Studio, auch eine Mitarbeiterin hat sie inzwischen. Nach dem Lockdown ist ihre Situation alles andere als einfach. So geht es Jenna:

Mein Arbeitsalltag ist extrem zeitaufwendig geworden. Man muss wirklich strukturiert und organisiert sein. Gerade in den Behandlungsräumen hat sich einiges verändert, weil wir die Bezüge nach jedem Kunden wechseln müssen. Generell dürfen wir nur Einwegprodukte verwenden, zum Beispiel Einmal-Schürzen. Bei der Behandlung tragen wir ein Visier und darunter eine Schutzbrille, einen Mundschutz und Handschuhe natürlich. Die werden ebenfalls desinfiziert.

Die ganze Mundschutz-Geschichte ist besonders belastend. Man kriegt schwer Luft, hat Atemnot, vor allem bei der Hitze. Eine Behandlung musste ich deshalb schon mal kurz abbrechen, weil mir schwarz vor Augen wurde.

Unsere Stammkunden kommen zwar regelmäßig. Aber einige sagen auch ganz offen, dass sie wegen Corona wegbleiben. Weil sie Angst haben. Wir haben auch einige ältere Kunden, da ist die Infektionsgefahr zu groß.

Ich habe mich inzwischen aber daran gewöhnt, dass weniger Buchungen kommen. Zwischen den Terminen gibt es dadurch große Abstände: Ein Kunde kommt beispielsweise um 10 Uhr, der nächste erst zwei Stunden später.

Finanziell ist mir mehr als die Hälfte meiner Einnahmen weggebrochen. Mein Gehalt fällt somit sehr gering aus. Dadurch muss ich jetzt an allen Ecken sparen und auf vieles verzichten – im Privaten und im Geschäft. Ich fahre jetzt zum Beispiel kaum noch mit dem Auto und komme oft mit dem Fahrrad. Auch im Studio gucken wir, dass wir preiswertere Produkte einkaufen, was wiederum für den Kunden nicht schön ist.

So wie es jetzt gerade ist, macht mir die Arbeit keinen Spaß. Und für die Kunden bleibt das Wellnessgefühl total auf der Strecke. Die muss ich schon bei der Begrüßung darauf hinweisen, dass sie den Mundschutz tragen, sich die Hände desinfizieren und Handy und Tasche am besten gar nicht benutzen. Viele fragen mich auch, ob sie ihre Maske im Studio doch abnehmen dürfen. Bei einer Gesichtsbehandlung geht das natürlich nicht anders, aber ansonsten darf das nicht sein. Angenommen, das Ordnungsamt macht eine Hygienekontrolle und sieht das. Dann hätte ich wahrscheinlich ein ordentliches Bußgeld zu zahlen.

Wenn Kunden mal ein Glas Wasser wollen, muss ich ihnen sagen: Nein, das geht nicht. Das ist mir unangenehm. Wegen der Hygienemaßnahmen darf ich nämlich nichts anbieten. Warum, weiß ich nicht. In der Gastronomie trinkst du auch aus einem Glas. Das ist halt sehr widersprüchlich. Man sollte eigentlich das System nochmal überarbeiten - damit jeder gleichberechtigt ist.

Ich arbeite momentan von Montag bis Samstag durch. Es geht nicht anders. Montags hatte ich normalerweise geschlossen. Wenn es die Möglichkeit gäbe, würde ich sogar sonntags öffnen, um erstmal den Umsatz ein wenig aufzustocken. Das ist so ein ruhiger und entspannter Tag für viele Menschen. Ich denke, dass das einige nutzen würden. Gesundheitlich würde ich das aber nicht lange durchhalten.

Mein Erspartes ist inzwischen weg, genauso wie die 5.000 Euro Soforthilfe, die ich im April bekommen hatte. Das Geld darf ich allerdings nur für die Ladenmiete und meine Leasing-Geräte verwenden. Ich muss also voraussichtlich etwa 2.000 Euro zurückzahlen. Dabei muss ich ja auch für meine eigene Miete und Versicherungen aufkommen, plus die ganz normalen Lebenshaltungskosten. Als Selbständige habe ich außerdem sehr hohe Krankenkassenbeiträge.

Dass ich dafür auch meine eigenen Rücklagen aufbrauchen musste, tut sehr weh. Ich habe immer gut gewirtschaftet und gespart. Aber ich hätte es gerne für Geräte oder Schulungen ausgegeben. Nicht für Corona.

Gesprächsprotokoll: Jessy Lee Noll

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13 Kommentare

  1. 13.

    Auch uns Friseuren geht es im Moment nicht gut.
    Den ganzen Tag Maske und viel weniger Kunden. Wir kommen nicht auf unser Einkommen und die Hilfen passen auch nicht.
    Leider halten sich auch nicht alle Friseure an die Regeln und bieten trockenhaarschnitte usw an....was dann heisst, das die Kunden lieber dorthin gehen um Geld zu sparen.
    Ich hoffe wir müssen unseren Laden nicht schliessen.

  2. 12.

    Eine Kosmetikbehandlung ist nicht überlebenswichtig, dennoch steckt eine Existenz dahinter und für die junge Kosmetikerin ist es sehr wohl bedenklich!

  3. 11.

    Ein Kosmetik Besuch ist nicht überlebendswichtig, dennoch steckt eine Existenz dahinter und deshalb ist es für die junge Kosmetikerin sehr bedenklich!

  4. 10.

    Lieber "Dr. Kawasaki",
    stimmt, Ebola ist nicht das neuartige Corona-Virus. Dann hätten wir nämlich nur einen auf bestimmte Regionen beschränkten Ausbruch mit einigen tausend Toten, statt eine gute halbe Million Tote innerhalb eines halben Jahres weltweit. Tendenz steigend. Wir leben halt in Pandemiezeiten,ob es uns gefällt oder nicht.
    Trotzdem können wir froh sein, dass es "nur" Corona ist, denn mit den wenigen momentan gültigen Beschränkungen in diesem Land kann das Virus (noch) in Zaum gehalten werden, und für die Mehrzahl der Menschen ist ein einigermaßen normales Leben möglich. Kann sich schnell ändern, und einen zweiten Lockdown wollen Sie doch sicher auch nicht, oder?

  5. 9.

    Kann ja alles sein. Aber ich habe Schilddrüsenprobleme und kann nicht mehr wirklich per Ultraschall untersucht werden weil die Ärztin nicht drei Meter lange Arme hat und daher auch nicht gut an der Trennscheibe zwischen dem Patienten und sich vorbeikommt. "Da müssen wir per Gesetz warten, bis Corona vorbei ist". Das ist für mich ehrlich bedenklicher als ein fehlender Wellnessfaktor bei der Kosmetikerin.

  6. 8.

    Völlig absurde Regeln. Corona ist nicht Ebola.

  7. 7.

    Also bei uns wird auch nicht so viel Wind gemacht. Noch nicht einmal desinfizieren. Der Bezug ist der gleiche wie beim Vorgänger. Beim Hinweis darauf gibt es nur die Antwort, bei uns gibt es ja keine Infizierten!?

  8. 6.

    Sicher, bei *notwendigen* Terminen kann man das wohl oder übel aushalten. Arztbesuche müssen halt sein. Aber nicht medizinisch notwendige Kosmetik macht doch unter den Bedingungen nun wirklich keinen Spaß. Genau wie Shoppingtouren. Ich lasse das jedenfalls alles solange bleiben, bis alles wieder ohne größere Einschränkungen geht.

  9. 5.

    Das freut mich für Sie, das sie ihre Behandlungen genießen konnten. Das zeugt von gutem Einfühlvermögen der Dienstleistler. Ich bin Friseurin und auch wir versuchen alles mögliche zu tun das die Kunden sich wohlfühlen. Man ist froh das man wieder arbeiten darf und versucht die Anstrengung der neuen Arbeitsbedingungen, den Kunden nicht spüren zu lassen. Aber nach 10 Std. Mundschutz ist auch unsere Motivation am Ende....dazu mittlerweile olle Pickelchen unter der Maske. Schön ist anders und ich wünsche allen viel Kraft in dieser schweren Zeit.

  10. 4.

    „witzig“ - meine Mama hat auch in Reinickendorf ein Studio mit einer Angestellten, absolut dieselben Sorgen und Gedanken, die Situation hier geschildert trifft es absolut.
    Ich hoffe dass es wirklich schnell in diesen Bereichen zu Lockerungen kommt.
    Mal 30 Minuten mit Mundschutz einkaufen gehen, dass schaffen fast alle. 8 Stunden und länger damit körperlich zu arbeiten ist schon belastend.

    Alles Gute für Sie und Ihre Angestellte.

  11. 3.

    Dieser Maskenzirkus ist wirklich absurd. Zudem sie vor Aerosolen ohnehin nicht schützen. Ich sage zurzeit alle Termine ab, wo man zum Tragen einer Maske gezwungen ist.

  12. 2.

    Das ist wirklich hart, wenn es so um die eigene Existenz geht. Weiter gutes Durchhalten!

  13. 1.

    Das kann ich garnicht nachvollziehen. War in den letzten zwei Wochen zur Physiotherapie, zur Osteopathie, beim Zahnarzt, beim Friseur und beim REHA-Sport und nirgends hatte ich Probleme und die Behandler auch nicht übermäßig, außer dass sie permanent den Mundschutz aufhaben müssen. Mit guter Lüftung (Fenster auf bzw. Ventilator) war die Belastung auszuhalten, wurde mir gesagt. Wir mußten unsere privaten Sachen zuhause oder an der Garderobe lassen und vor Ort die Hände desinfizieren. Für mich waren die Behandlungen wie immer und die „Behandler“ waren froh, wieder Patienten bzw. Kunden zu haben. Aber stimmt, sie sagten auch, dass sie jetzt anders planen müssen, damit sich die Kunden nicht begegnen und Zeit zum desinfizieren bleibt. Aber unglücklich war keiner von uns.

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