Boxsport - Axel Schulz zum Tod von Manfred Wolke: "Ich habe Manne alles zu verdanken"

Manfred Wolke hat im Boxen Legendenstatus erreicht. Nun ist er im Alter von 81 Jahren verstorben. Im Interview erklärt sein langjähriger Schützling Axel Schulz, was Wolke so besonders gemacht hat und warum ihn die Boxwelt vermissen wird.
rbb: Axel Schulz, mit Manfred Wolke ist eine Legende des deutschen Boxens und ihr langjähriger Trainer verstorben. Wie haben Sie davon erfahren?
Axel Schulz: Mir wurde schon vor zwei Tagen Bescheid gesagt. Ich sehe es aber als Erlösung. Manne hatte ein schönes Leben. Ich war jahrelang sein Schützling und wir hatten viele Erfolge miteinander. Es war eine schöne Zeit und daran sollte man sich erinnern.
Standen Sie zuletzt noch mit ihm in Kontakt?
Nicht mehr so sehr wie früher. Aber das ist glaube ich auch ganz normal, dass jeder so ein bisschen sein Leben lebt und seine Erfüllung sucht. Wenn wir uns zuletzt aber mal gesehen haben, haben wir uns immer gerne miteinander unterhalten.
Manfred Wolke gilt als eine der bedeutendsten Figuren im deutschen Boxsport. Sie haben ihn jahrelang als Trainer erlebt. Was hat ihn so besonders gemacht?
Er wollte den unbedingten Sieg und hat alles daran gesetzt zu gewinnen. Sowohl im Sport als auch außerhalb des Rings. Durch ihn habe ich gelernt, niemals aufzugeben. Dabei gab es auch Momente, die in der heutigen Zeit schwierig gewesen wären. Man kann sich nicht vorstellen, wie er gerade mich, aber auch andere Sportler, immer beschimpft hat. Das ging teilweise unter die Gürtellinie, aber er hat damit alles rausgekitzelt. Seine Kunst war, mich danach in den Arm zu nehmen und ganz lieb zu sagen: "Na siehste, ging doch!" Man muss als Leistungssportler über seine Grenze springen und Manne hat das möglich gemacht.
Er hatte also ein besonderes Fingerspitzengefühl dafür, wie man die Boxer richtig motiviert?
Das kann man schon so sagen. Wenn mal Journalisten in der Trainingshalle waren, hat er sich aber zurückgenommen und nicht die Worte in den Mund genommen wie sonst (lacht). Die waren nämlich manchmal sehr verletzend, aber genau so hat er es erreicht.
Die Beleidigung haben Sie ihm also immer verziehen?
Natürlich. Er wollte ja provozieren. Und gerade im Training musst du als Sportler gekitzelt werden, wenn du über die Grenze hinaus gehen willst. Und das konnte Manne perfekt.
Welchen Anteil hatte Wolke an Ihrer Boxkarriere?
Ich habe Manne alles zu verdanken. Er hat mich dahin gebracht, wo ich in meinem Sportlerleben angekommen bin. Ich hatte 1995 das Angebot, gegen die Legende George Foreman um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Das hatte ich eigentlich abgelehnt und dann hat sich Manne mit mir hingesetzt und Videos von Foreman geguckt. Dann hat er zu mir gesagt: "Den alten Mann wirst du ja wohl schlagen!" So kam es dann zu dem Kampf, der einer der größten meiner Karriere war.

Vor seiner Trainerkarriere war Wolke auch selbst im Ring erfolgreich und wurde unter anderem 1968 Olympiasieger. Haben Sie das später noch wahrgenommen?
Zu seiner aktiven Zeit habe ich das nicht mitbekommen, da war ich kaum geboren. Aber später hat man dann natürlich alte Videos gesehen und man muss einfach sagen, dass er ein Händchen und eine Nase fürs Boxen hatte.
Welche besonderen Erinnerungen verbinden Sie mit ihrem ehemaligen Trainer?
Wir hatten auch ganz viel Spaß außerhalb des Rings. Mit ihm konnte man lachen, feiern und Spaß haben. Aber er konnte auch ernst werden. Ich habe noch in Erinnerung, dass ich mal zur Halle gekommen bin und krank war. Ich hatte sogar einen Krankenschein dabei. Da hat er mich gefragt, warum ich dann überhaupt hier sei und hat gesagt: "Ich sehe dich nicht im Bett liegen. Du kannst reden und laufen. Also kannst du auch ein bisschen Krafttraining machen." Und da beißt man sich dann durch.
Sie pflegten also auch außerhalb des Rings eine enge Beziehung zu ihm?
Uns wurde immer angedichtet, dass wir ein Vater-Sohn-Verhältnis gehabt hätten. So ähnlich war das schon auch. Ich bin ohne Vater aufgewachsen, aber es wäre ein bisschen übertrieben zu sagen, dass er eine Ersatzfigur für meinen Vater gewesen wäre. Dafür war er zu viel Trainer. Trotzdem habe ich zu Manne hochgeguckt. Wenn du mit einem Mann jeden Tag vier Stunden in der Halle bist, auf Trainingslager fährst und auch außerhalb des Rings ständig zu tun hast, dann ist das schon jemand, von dem du etwas lernen kannst.
Wolke sagte einmal, dass es für ihn eine niemals zu verschmerzende Niederlage gewesen wäre, dass Sie beide gemeinsam nie einen großen internationalen Titel gewonnen haben. Zeigt das, wie eng die Bindung zwischen Ihnen war?
Ja, das glaube ich schon. Wir hatten drei Mal die Möglichkeit, gemeinsam im Schwergewicht Weltmeister zu werden. Ich hätte auch lieber mit ihm einen Titel geholt, aber so ist das halt im Sport.
Wird Wolke einen Ehrenplatz in der Geschichte des deutschen Boxsports einnehmen?
Ich denke schon, dass er bei den Boxfans ewig in Erinnerung bleibt. Er hat so viel bewegt und erreicht, da ist das ganz normal.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Lukas Witte, rbb Sport.
Sendung: Antenne Brandenburg, 03.06.2024, 10:00 Uhr
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