Theater | "Frauen im Dunkeln" im Acud - Ein kaleidoskopartiger Blick auf das Leben im Krieg

Wie lebt man im Krieg? Das Theaterstück "Frauen im Dunkeln" zeichnet das Leben dreier Frauen in der Ukraine nach – irgendwo zwischen Anpassung, Resignation und schwarzem Humor. Von Christoph Ferner
24. Februar 2022: Russland startet am frühen Morgen eine großangelegte Invasion der Ukraine. Raketenangriffe aus der Luft und vom Boden erschüttern das Land. Seitdem ist in der Ukraine nichts mehr, wie es einmal war: Millionen Menschen sind geflüchtet, Tausende gestorben – und der Krieg wütet weiter.
Dabei zielen die russischen Angriffe immer wieder auf die Energie-Infrastruktur des Landes. Die Folge: Stromausfälle prägen den Alltag der Menschen. Selbst in der Millionenstadt Kyjiw bleibt es regelmäßig stundenlang dunkel.
Stromausfall in der Millionenstadt Kyjiw
Diese buchstäbliche Dunkelheit bildet das zentrale Thema des Theaterstücks "Frauen im Dunkeln" von Satchel Reemtsma im Berliner Acud-Theater. Im Mittelpunkt stehen drei Freundinnen, die versuchen, ihren Alltag im Krieg zu bewältigen.
Ihren ersten Auftritt bestreiten sie gemeinsam: vermummt, boxend und auf der Stelle rennend, begleitet von elektronischer Musik und ukrainischsprachigen Texteinspielungen. Über ihrer Alltagskleidung tragen sie Netzanzüge mit grün fluoreszierenden Streifen. Was es mit diesen Kostümen auf sich hat, bleibt unklar – und erschließt sich auch im weiteren Verlauf des Stücks nicht.
Es ist ein unerwarteter Einstieg für ein Stück, das vom Alltag in der Ukraine erzählen will. Doch auch im weiteren Verlauf wird der Abend mit den Erwartungen des Publikums spielen – und sie immer wieder unterwandern.
Zwischen Raketenangriffen und Parkbesuchen
"An dem Tag, an dem der lange Stromausfall begann, kroch ich die Treppe aus dem achten Stock herunter. Der Aufzug fuhr nicht. Es gab keinen Strom. Als ich die Wohnung verließ, hatte ich noch Licht, jetzt nicht mehr." Mit diesen Worten eröffnet die Schauspielerin Edda Lina Janz den ersten Monolog des Stücks.
Der Text ist fragmentarisch aufgebaut und springt zwischen verschiedenen Themen hin und her. Sie spricht über einen pensionierten Major des ukrainischen Sicherheitsdienstes, über Tabletten, die ihr Arzt verschrieben hat, über nicht funktionierende Ampeln und über dunkle Straßen.
Auch die beiden anderen Schauspielerinnen, Tanya Kargaeva und Mariia Riaboshapka, berichten über den Alltag im Krieg. Dabei wechseln sie immer wieder zwischen Englisch, Deutsch und Ukrainisch. Untertitel gab es am Premierenabend jedoch nicht. Für all jene, die nur Deutsch verstehen, blieb somit vieles unverständlich.
Doch nicht nur die verschiedenen Sprachen machen das Stück schwer zugänglich. Auch die Inszenierung weicht von einer rein erzählenden Struktur ab. So schnallt sich die Schauspielerin Mariia Rollerskates an die Füße, während sie sagt: "Iwan hat mich eingeladen, damit ich mein Handy aufladen und mir die Haare waschen kann. Wenn Männer als Geiseln im eigenen Land gehalten werden, hat es auch seinen Vorteil!" Anschließend fährt sie mit ihren Rollerskates eine Runde.

"Mama muss im Internet nachsehen, woher die Raketen kommen"
Diese scheinbare Entkopplung von Bühnenvorgängen und Text erschwert es, eine stringente Geschichte auszumachen. Dabei möchte man als Zuschauer:in so gerne mehr über den Alltag der Frauen in der Ukraine erfahren – möchte verstehen, wie das Leben zwischen Bombenhagel, Stromausfällen und Alltagserledigungen aussieht.
Das gelingt jedoch nur an wenigen Stellen. Etwa dann, wenn Edda von einer Beobachtung in einem Park erzählt: Dort sitzt eine Mutter mit ihrer Tochter auf einer Bank. Die Tochter will zum Spielplatz gehen. "Warte. Mama muss im Internet nachsehen, woher die Raketen kommen", antwortet die Mutter.
Diese Szene zeigt eindringlich, wie tief der Krieg in den Alltag der Menschen eingreift. Sie verdeutlicht nicht nur die existenzielle Bedrohung, sondern auch die absurden Anpassungen, die notwendig sind, um inmitten des Chaos weiterzuleben. Denn was in Deutschland kaum vorstellbar ist, ist in der Ukraine Alltag: Die Bewohner:innen informieren sich über Apps in Echtzeit über Raketenangriffe und andere Gefahren.
Viele Fragezeichen
Spannend wird das Stück vor allem dann, wenn es einen intimen Einblick in die Gedankenwelt der Figuren erlaubt. Besonders eindrücklich ist eine Szene, in der eine der Frauen von ihrer inneren Zerrissenheit erzählt: "I have to immigrate alone. Leave my husband. My father. Everyone. And drink coffee in a peaceful life. These, loved ones, let them freeze. They are suckers, because they are men."
Übersetzt: "Ich muss allein auswandern. Meinen Mann zurücklassen. Meinen Vater. Alle. Und in einem friedlichen Leben Kaffee trinken. Diese geliebten Menschen – lasst sie frieren. Sie sind Idioten, weil sie Männer sind." Für Zuschauer:innen, die selbst in Sicherheit leben, dürften sich fragen: Warum bleiben Menschen in einem Kriegsgebiet? Diese Szene gibt eine mögliche Antwort darauf.
Das Theaterstück Frauen im Dunkeln von Satchel Reemtsma zeichnet ein kaleidoskopartiges Bild des Lebens im Krieg. Mit fragmentarischen Erzählungen, sprachlichen Hürden und der Entkopplung von Text und Handlung wird die Geschichte an vielen Stellen jedoch schwer zugänglich. Nur punktuell gelingt es dem Stück, eindringliche Momente zu schaffen, die sowohl die existenzielle Bedrohung als auch die absurde Normalität des Kriegsalltags greifbar machen. Am Ende bleibt man als Zuschauer:in mit vielen offenen Fragen zurück. Dabei hätte gerade diese Thematik eine tiefere Auseinandersetzung verdient, die Antworten bietet.
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