Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensemble steht im Foyer. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
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Audio: Inforadio | 14.01.2021 | Ute Büsing | Bild: dpa/Britta Pedersen

Bühnen schließen bis Ostern - "Gute Vibrationen" im Berliner Ensemble trotz Schließung

Bis Ostern bleiben Theater und Opern in Berlin geschlossen - darauf haben sich die Intendanten mit Kultursenator Klaus Lederer geeinigt. Beteiligt war auch Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles. Er sieht die Situation gelassen. Von Ute Büsing

Oliver Reese kommt mit "guten Vibrationen" aus einem Zoom-Meeting. Mit Produktionsteam und Ensemble von "Anatomie eines Suizids" musste der Intendant des Berliner Ensembles die Verlegung der Premiere in den Mai besprechen – und stieß auf viel Verständnis.

Am Mittwoch einigte sich die regelmäßig tagende Intendanten-Runde in einer digitalen Konferenz mit Kultursenator Klaus Lederer nämlich auf die Schließung aller Häuser für Publikum bis Ostern. Oliver Reese ist froh über den erzielten "Konsens". Froh ist er auch, dass er bis Ende Januar einige Proben am BE unter erhöhten Corona-Sicherheitsvorkehrungen weiterlaufen lassen kann. Es dürfe, so Lederer, "kein Sonderopfer Kultur geben", während andere Betriebe geöffnet blieben.

Proben erst wieder ab April

Ob andere Theater den Probenbetrieb aufrechterhalten und wie lange, weiß Oliver Reese nicht. Schließlich sind die Berliner Opernhäuser, Staats- und Privattheater sehr unterschiedlich aufgestellt. Ein direkter Vergleich etwa mit Komödie am Kurfürstendamm oder Friedrichstadt-Palast ist nicht möglich.

Am BE werden jedenfalls alle Probenbeteiligten schon lange regelmäßig getestet. Von Ende Januar bis Mitte März ist dann aber große Pause. Zwei Produktionen werden in dieser Woche unterbrochen. Zwei andere Produktionen werden noch im Januar bühnenreif geprobt. "Ab Februar versetzen wir das Berliner Ensemble dann in einen Dornröschenschlaf", so Reese. Die Bauarbeiten am neuen Haus würden zwar wie geplant fortgesetzt, Proben stünden dann erst wieder im April an.

Vorausschauende Pandemie-Planung

Bereits zu Beginn der Pandemie im April 2020 hat man am Berliner Ensemble den Ernst der Lage erkannt und Konsequenzen für die laufende Spielzeit gezogen. Die großen Produktionen von Luc Perceval und Michael Thalheimer wurden um eine, beziehungsweise um zwei Spielzeiten verschoben. Sein eigenes Inszenierungsprojekt hat der Intendant gleich ganz gestrichen, um bei den notwendigen harten Schnitten mit gutem Vorbild voranzugehen.

Jetzt haben Oliver Reese und sein Team weitere Produktionen auf die nächste Saison verschoben, einige auch aus der nächsten auf die übernächste, um "einen Premieren-Stau in der Theater-Pipeline zu vermeiden". Unbedingt gezeigt werden soll noch diese Saison Frank Castorfs zu Ende geprobte Inszenierung von Erich Kästners "Fabian - Oder der Gang vor die Hunde". Daran wirken allerdings so viele Gäste mit, dass sie erst im Juli oder August gezeigt werden kann.

Keine Alternative: Open Air und Sommerbespielung

Noch bis Ende des Monats Januar legt Barrie Kosky letzte Hand an seine "Dreigroschenoper". Diese Großproduktion mit dem BE-Ensemble wird bereits seit Monaten musikalisch vorbereitet. Auf der Probebühne sind einzelne Szenen entstanden, die sieben Musiker haben gesondert geprobt. Vor dem "Dornröschenschlaf" findet jetzt alles auf der großen Bühne zusammen. Beim Gang zu den Proben versichert Barrie Kosky, dass er gut mit einem Aufführungsbeginn im Mai leben könne. Open-Air sei aber für seine "Dreigroschenoper" keine Alternative - und laut Oliver Reese auch keine Option für andere BE-Produktionen. Der technische Aufwand wäre immens: Licht- und Tonanlagen und Podesterie müssten angemietet werden, und niemals könnte man an einem Abend für 1.000 Zuschauer spielen, wie sonst bei voller Auslastung beider Spielstätten.

Von einer durchgängigen Sommerbespielung hält der BE-Intendant mit Rücksicht auf die Mitarbeiter und deren verdienten Jahresurlaub ebenfalls wenig. Über Schnelltests des Publikums aber werde mit Kollegen aus anderen Theatern und der besonders betroffenen Club-Szene, mit der Senatskulturverwaltung, mit Ärzten, Belüftungstechnikern und anderen Experten intensiv diskutiert.

Dass Corona-Schnelltests noch diese Saison beim Einlass des Publikums zur Anwendung kommen, hält Oliver Reese allerdings für ausgeschlossen.

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4 Kommentare

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  1. 4.

    Es beruhigt mich, dass Sie denselben Gedanken hatten. Die Überschrift hat mich mächtig irritiert. Im Deutschen würde man doch eher von guten Schwingungen oder guter Atmosphäre reden. In diesem Sinne ... have a nice day and enjoy your weekend. ;-)

  2. 3.

    Kommt jetzt auch noch der Probenstopp für Berlins Bühnen? Die Theater sind geschlossen, die Proben gehen noch weiter. Noch ist dies unter Auflagen erlaubt, Viele Schauspieler sehen von den staatlichen Corona-Hilfen keinen Cent. Durch die Pandemie verstärkt sich die Not innerhalb einer ohnehin hart umkämpften Branche. Wie dramatisch die Lage und wie groß der Frust ist, zeigt ein Stimmungsbild aus der Branche. Für Schauspieler bleibt oft nur Hartz IV

  3. 2.

    Ich hasse es, wenn Leute Redewendungen aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, die hierzulande in dieser Form nicht idiomatisch sind. "Good vibrations" z.B. Gerne auch "to have a good time" oder "to remember something". "Ich erinnere das"-- wie ich sowas hasse. Kann Herr Reese sich nicht anders ausdrücken? Traurig für jemanden, der aus einer Branche ist, wo Sprache alles bedeutet.

  4. 1.

    Im Gegensatz zu den Off-Einrichtungen aller Art und den vielen soloselbständigen Künstlern hält sich das soziale Leide der Mitarbeiter der großen Häuser sehr in Grenzen: Sommerbespielung geht nicht, da die Mitarbeite in den Urlaub müssen...

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