Kinderarzt Dr. Wienhold untersucht eine Patientin
Bild: Video: Abendschau | 19.03.2020 | Norbert Siegmund

Fehlende Schutzkleidung - Etlichen Arztpraxen droht wegen Corona-Krise die Schließung

Während die Berliner Krankenhäuser mit Hochdruck auf die Corona-Pandemie vorbereitet werden, schlagen die niedergelassenen Ärzte Alarm: Ihnen geht die Schutzkleidung aus, Praxen mussten schon schließen. Dabei stemmen sie die medizinsiche Grundversorgung.

Was Sie jetzt wissen müssen

Das Telefon in der Kladower Kinderarztpraxis von Stephan Wienhold steht nicht mehr still. Seinen Sommerurlaub hat er coronabedingt bereits abgesagt. Stattdessen macht er ungeplante Sprechstunden und unerwartet viele Notfälle. Dazu kommen Eltern, die in Corona-Zeiten zusätzlich verunsichert sind.

"Ich habe schon große Sorgen", sagt Krisitina S., die mit ihrer Tochter in die Praxis gekommen ist. "Bei meinem Kind wurde gerade eine Lungenentzündung festgestellt." Christiana H. steht im Wartezimmer mit ihren kleinen Sohn auf dem Arm. "Wenn er nur zwei Tage Fieber gehabt hätte, wäre es kein Problem. Aber bei vier Tagen mache ich mir schon Sorgen und möchte es einfach abklären." In der Familie gehe gerade auch noch die Grippe rum.

Schutzausrüstung geht rapide zur Neige

Einfache Erkältung oder schwerwiegende Infektion - vielleicht auch mit dem Coronavirus? In der aktuellen Krise sind Ärzte wie Stephan Wienhold für Eltern die ersten Ansprechpartner. Hanna, die neunjährige Tochter von Kristina S., hat Glück im Unglück: nur eine Mittelohrentzündung.  

Doch sonst quälen Kinderarzt Wienhold Sorgen. Schutzkittel, Masken und Handschuhe gehen absehbar zur Neige und sind nirgends mehr zu bekommen, sagt er. "Die Konsequenzen sind, dass wir Menschen anstecken können, weil wir uns anstecken, und dass ich meine Helferinnen nicht mehr ruhigen Gewissens arbeiten lassen kann, weil sie sich einer großen Gefahr aussetzen."

Mangels Schutzbekleidung müssten demnächst Arztkollegen in Spandau schließen, sagt Wienhold. "Dramatisch" sei das, sagt Mutter Christiana H., die normalerweise bei einer anderen Kinderärztin ist, dort aber seit Tagen niemanden erreichen konnte. "Wenn man gar keinen mehr erreicht, wo soll man hin?"

Die ersten Helfer in der Krise könnten also die ersten sein, die ihre Waffen strecken müssen. Die Kinderärzte nehmen ihren Auftrag ernst, sagt Stefan Wienhold. Aber ohne Nachschub werde es für viele Mediziner extrem schwierig. "Mir fehlen vor allem Atemmasken", sagt Wienhold der rbb-Abendschau. Von den Materialien, die der Bund nun zentral beschaffen will, habe er nichts gehört. Er habe sich damit bereits an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) gewandt - doch ohne Erfolg.  

KV ruft Unternehmen zu Materialspenden auf

Vor genau dieser Situation habe man schon vor Wochen gewarnt, sagte Burkhard Ruppert, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV in Berlin, dem rbb. "Wir kriegen seit Tagen Rückmeldung aus den Praxen, dass dem so ist und wir mit einer massenhaften Schließung von Praxen rechnen müssen." Der Zustand sei "katastrophal", so Ruppert, es werde dringend Schutzausrüstung benötigt. Ruppert kritisierte, dass noch im Januar medizinische Schutzkleidung aus Deutschland exportiert worden sei. Nun habe die KV alle Berliner Betriebe aufgefordert, originalverpackte Desinfektionsmittel, Schutzbrillen, Kittel oder Atemschutzmasken zur Verfügung zu stellen. "Wir brauchen jede Quelle, weil wir sonst in eine Situation kommen, dass die Ärzte ungeschützt sind." Dadurch würden sie nicht nur das Virus verbreiten, sondern letztlich auch dem Versorgungssystem verloren gehen.

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

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10 Kommentare

  1. 10.

    Atemschutzmasken (FFR) müssen zum mehrmaligen Gebrauch desinfiziert werden. So läßt sich der Materialengpass vermeiden: https://www.facebook.com/erich.habichtraut/posts/2546678965600461

  2. 9.

    https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/atemschutzmasken-103.html

    hier wird über den Schutz verschiedener Masken berichtet, auch über selbst genähte

  3. 8.

    Liebe Ärzte - bitte, eine sehr naive Frage: warum beschaffen Sie sich die Schutzmasken nicht privat, etwa über Amazon? Ja, die sind da völlig maßlos überteuert, aber wenn die Alternative ist, die Praxis zu schließen, müssten die 10 EUR am Tag/pro Maske doch möglich sein? Eine andere Möglichkeit wäre: Patienten, die man besser kennt, dazu auffordern, solche Masken originalverpackt zu beschaffen und zum Arzttermin mitzubringen und damit die Praxis zu unterstützen. Vielleicht ist es dem Arzt auch möglich, sie dem Patienten, der sie ja ggf. selbst teuer bezahlt hat, abzukaufen? Wir z.B. hatten uns Ende Januar privat einige solcher Masken völlig überteuert gekauft (was wir damals nicht wussten, wir waren im Ausland und befürchteten, in ein Deutschland zurückzukehren, in dem jeder eine Maske trägt, sodass wir einfach etwas kopflos bei Amazon welche gekauft haben, auch wenn es das eigene Budget völlig überschritt). Ich habe meinem Hausarzt nun einige dieser Masken geschenkt.

  4. 7.

    GENAU! Man muss nur im Internet unter: "Atemschutzmasken selbst herstellen" oder bei YouTube nachsehen und schon findet man verschiedene Anleitungen. Gerade jetzt haben besonders ältere Damen Zeit und könnten so leicht diese Masken herstellen. Oder eben Start Ups!

    Vielleicht kann diese Info direkt über den rbb öffentlich gemacht werden! Es scheint dringender zu werden als je zuvor!
    Und ich denke auch, bevor eine Ausgangssperre verhängt wird, sollte zwingend zur PFLICHT gemacht werden, NUR noch mit Atemmaske nach draußen zu gehen. Das hat doch Tschechien auch angeordnet.

  5. 5.

    BITTE machen Sie sich selbst Atemmasken, bzw. bitte Sie Frauen, die jetzt gerade Zeit haben, für Sie welche zu nähen.
    Das gleiche machen gerade geflüchtete Frauen auf Lesbos in einem Camp, weil sie Angst vor dem Vitus haben.
    Sie finden den Beitrag unter: Weltspiegel und ZDF; etwa vom 17.3.2020 !!!
    Sie finden vor allem verschiedene Anleitungen zum selbst herstellen der Masken auf YouTube unter: "Schutzmasken selbst herstellen"
    Weil Sie als Ärztin wohl wenig Zeit haben, bitten Sie doch sofort Menschen, die jetzt Zeit haben Ihnen zu helfen. All das ist vielleicht noch nicht der perfekte Schutz, aber immer noch besser, als nichts. Warten Sie nicht länger ab! Handeln Sie selbst!

  6. 3.

    Verstehe nicht, dass es bei so vielen Startups und kreativen Menschen zu DIESEM Thema keine vom Ausland unabhängige Lösung dieses schwerwiegenden Problems gibt.....Und wo bleibt die Solidarität derjenigen, zu denen vor einiger Zeit exportiert wurde??? Die sich jetzt u.a. der Behandlungserfolge rühmen....Trauriges Kapitel!

  7. 2.

    Hier im Internet wird so viel Mißstand gegenüber dem Gesundheitswesen angeprangert und der Verantwortliche dafür, wird zeitgleich für seine guten Taten und Vorschläge gefeiert. Wann wird man als Bürger endlich wach und begreift, dass es jetzt so wie es ist, ein Banker ganz alleine zu verantworten hat, der früher getönt hat, "wir haben alles im Griff"!

  8. 1.

    Ich bin Kinderärztin in Brandenburg. Wir haben gar keine schutzkleidung und derzeit ist auch keine in Aussicht. Zur Zeit arbeite ich mit einem OP-Mundschutz, den wir noch aus alten Beständen hatten über mehrere Tage. Die Schwestern haben gar keinen Mundschutz. An Kittel oder richtige Atemschutzmasken ist nicht denkbar. So verteilen wir ggf. Viren den ganzen Tag auch an die gesunden Kinder, die zur Vorsorge kommen . Es ist eigentlich nicht mehr vertretbar so zu arbeiten.

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