Symbolbild: Eine Person entsorgt gebrauchte Textilien in einem Altkleidercontainer. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)
Audio: Inforadio | 30.04.2020 | Oda Tischewski | Bild: dpa/Roland Weihrauch

Volle Lager in der Corona-Krise - Warum gerade viele Altkleidercontainer abgebaut werden

Eben war er noch da, plötzlich ist er weg: In einigen Regionen Brandenburgs verschwinden derzeit Altkleidercontainer aus dem Straßenbild. Das Deutsche Rote Kreuz baut sie ab, um Überfüllung zu vermeiden. Warum jetzt?, hat Oda Tischewski gefragt.

Corona-Krise, Kurzarbeit, viel freie Zeit in den eigenen vier Wänden - was macht man damit? Den Kleiderschrank ausmisten vielleicht. Auf diese Idee sind in den vergangenen Wochen viele Menschen gekommen und entsprechend ist das Spendenaufkommen bei den Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz gestiegen. Doch hier ruft die Altkleiderflut nicht nur Begeisterung hervor.

Das Problem ist, dass der gesamte Altkleidermarkt im Moment sehr angespannt ist, erklärt Hubertus Diemer, Vorstandsvorsitzender beim DRK-Landesverband Brandenburg. "Normalerweise sammelt das Rote Kreuz die Kleider ein, wir sortieren für die Kleiderkammern die guten, verwertbaren Kleidungsstücke aus und geben den Rest an das Wertstoffrecycling weiter. Da brechen jetzt aber Verwertungsketten ab. Deswegen laufen unsere Lager gerade voll – überall in Deutschland."

Müll im Altkleidercontainer

Damit der Stau der Kleiderspenden nicht noch größer wird, hat das Deutsche Rote Kreuz in Brandenburg jetzt stellenweise an der Quelle angesetzt und Sammelcontainer kurzerhand abgebaut. "Wo wir Container haben, werden wir natürlich auch weiterhin die Spenden abholen", so Hubertus Diemer, "aber wir möchten die Spender auch dringend bitten: Nur tragbare, trockene Kleidung und Schuhe in Säcken sollen in die Container." Häufig werden auch Spielsachen gespendet, "das funktioniert so nicht". Manchmal wird sogar Müll in den Containern entsorgt – "aber ein Müllbeutel sorgt natürlich dafür, dass Sie die gesamte Ware in diesem Container nicht mehr verwenden können."

In die Kleiderkammer - oder in die Autotür?

Bislang gab es für Altkleider aus Deutschland drei mögliche Wege: Was noch gut tragbar ist, landet in den Kleiderkammern und Kleiderläden des Deutschen Roten Kreuzes. Alles andere wird aussortiert und zum Beispiel im Ausland weiterverkauft. Was nur noch als Lumpen zu bezeichnen ist, landet im Wertstoffrecycling und wird zum Beispiel zur Dämmung von Autotüren verwendet – all das funktioniert während der Corona-Krise nicht.

Zwar machen die Kleiderkammern jetzt nach und nach wieder auf – unter Sicherheitsmaßnahmen wie auch im Einzelhandel – doch internationale Märkte und Industrieunternehmen nehmen jetzt keine Ware ab. Ein Dilemma. "Alttextilien sind ein wichtiger Rohstoff", sagt Hubertus Diemer vom DRK, "den sollte und darf man nicht einfach in den Müll werfen."

Besser gebraucht als neu

Im Moment gibt es für das Problem noch keine Lösung. Hubertus Diemer hält es aber für möglich, dass die Corona-Pandemie und die daraus folgende Wirtschaftskrise den Umgang mit Altkleidern langfristig verändern wird: "Die internationale Verwertung wird sicherlich nachhaltig zurückgehen. Wir wollen dafür aber versuchen, den ein oder anderen mehr dazu zu bewegen, sich im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn es geht, statt neuer auch mal gebrauchte Kleidung zuzulegen. Die Herstellung von Textilien verbraucht Unmengen von Ressourcen. Und durch den Trend zur 'fast fashion' wird in Deutschland so viel Kleidung entsorgt – so viele Bedürftige gibt es weder in Deutschland noch im Ausland."

Auch wenn die Kleidercontainer derzeit an der einen oder anderen Straßenecke fehlen: Kleiderspenden sind nach wie vor willkommen. Sie sollten aber wirklich eine Spende sein, keine Alternative zur Mülltonne. "Wenn man das zu Haus kann, sollte man immer so spenden, dass es auch in die Saison passt. Also jetzt Frühjahrs- und Sommerkleidung und die Winterkleidung dann erst im Herbst – damit die Kleidung nicht monatelang in der Kleiderkammer gelagert werden muss." Vor der Kleiderspende sollte man sich also ruhig ein paar Gedanken machen. Zeit genug ist ja im Moment.

Sendung: Inforadio, 30.04.2020, 13:10 Uhr

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Beitrag von Oda Tischewski

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1 Kommentar

  1. 1.

    Solche Spenden sind super - wird damit doch Bedürftigen geholfen und die Umwelt geschont, weil die Kleider weiterverwertet werden! Bloß: In Deutschland gibt es aber gar nicht so viele Bedürftige. Weniger als zehn Prozent der abgelegten Kleidung wird von karitativen Organisationen, in deren Namen die Sammelcontainer aufgestellt sind, gebraucht. Den Rest kaufen kommerzielle Altkleidersammler. Über unsere gebrauchte Kleidung freuen sich noch viele. Die Textilexporteure auf jeden Fall. In Afrika aber wehrt man sich gegen die Flut an Altkleidern, die dort die Märkte überschwemmt und zerstört.

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