Archivbild: Zoo-BesucherInnen stehen in der prallen Sonne vor dem Panda-Gehege. (Quelle: dpa/P. Zinken)
Video: Abendschau | 22.06.2020 | Dörte Störmann | Bild: dpa/P. Zinken

Eingeschränkte Besuchszeiten - Zoo steht wegen Vergabepraxis ermäßigter Tickets in der Kritik

Während Vollzahler auch an Wochenenden und Feiertagen Zoo und Tierpark besuchen können, müssen sich Sozialhilfeempfänger stark zeitlich einschränken. Und: Tickets müssen sie vor Ort abholen. In der SPD regt sich Kritik.

Vertreter der Berliner SPD haben Unmut geäußert über die Zugängsmöglichkeiten für Sozialhilfeempfänger, Azubis und Studenten in den Berliner Zoo und Tierpark. Sie alle haben Anspruch auf ermäßigte Tickets, zahlen 11 anstatt 16 Euro, dürfen aber während der Corona-Pandemie nur werktags nach 14 Uhr die Tiere besuchen. Zudem müssen sie ermäßigte Tickets vor Ort abholen. Vor 14 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen kommen dagegen nur Vollzahler mit ihren Kindern in Zoo und Tierpark. Sie können die Tickets jederzeit online bestellen und ausdrucken.

Kritik an dieser Praxis übte der der SPD-Abgeordnete Lars Düsterhöft: "Der beste Freund von meinem großen Sohn lebt von Hartz IV ergänzend. Wir dürfen am Wochenende nicht gemeinsam in den Tierpark oder Zoo gehen. Das ist eine strukturelle Diskriminierung und das muss umgehend geändert werden", sagte er am Montag der Abendschau des rbb. Düsterhöft forderte als Konsequenz, der Senat müsse dem privat geführten Zoo und Tierpark finanziell helfen, um Mindereinnahmen durch ermäßigte Tickets auszugleichen und solche Ungleichbehandlungen abzustellen.

Zu den Sommerferien wird Regelung geändert

Von der Pressestelle des Zoos heißt es zur Begründung, das Anrecht auf Ermäßigung müsse kontrolliert werden. Deswegen könne man reduzierte Tickets nur vor Ort anbieten. Und: "Gleichzeitig gelten unsere Eingänge als unsere kritischsten Nadelöhre, an denen es schneller zu Menschenansammlungen kommen kann. In den ersten Wochen konnten wir ermäßigte Tickets daher nur zu Besuchszeitfenstern anbieten, zu denen unsere Eingänge erfahrungsgemäß weniger frequentiert sind."

Dass Besucher ermäßigte Tickets vor Ort - und nur vor 14 Uhr - abholen können, darüber sei man selbst unglücklich, hieß es vom Zoo. Ab Donnerstag (25. Juni), pünktlich zum Beginn der Sommerferien, seien reduzierte Tickets ganztägig zu haben - allerdings weiterhin nur unter der Woche.

Zoo und Tierpark öffnen in den Ferien auch abends

Derweil öffnen Berliner Zoo und der Tierpark an mehreren Abenden im Juni und Juli für ihre Besucher, allerdings auch hier nur per Online-Verkauf. Ermäßigte Tickets können auch für die Abendöffnungen nicht im Internet gekauft werden.

Spezielle Abendöffnungen von 17 bis 21 Uhr gibt es demnach an folgenden Tagen: 25. und 26. Juni sowie 2., 3., 9.,10., 16. und 17. Juli 2020. Letzter Einlass ist um 19 Uhr. Tickets sind streng limitiert und nur online vorab erhältlich. Auch Jahreskartenbesitzer müssen sich vor einem Abendbesuch online anmelden.

Sendung: Abendschau, 22.06.2020, 19:30 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Eine Personengruppe wurde vergessen zu nennen.
    Schwerbehinderte und Schwerbehinderte mit Begleitung sind auch ermäßigungsberechtigt.
    Somit hat diese Personengruppe auch kein Anrecht auf Zoo-und Tierpark am Wochenende+Feiertags.
    Es gibt viele Schwerbehinderte ,die unter der Woche einer Arbeit nachgehen.
    Wenigstens in Brandenburg ist man noch ein gern gesehener Gast in Tiergärten.

  2. 16.

    Das einzige, was dieser Direktor versteht: nicht mehr hingehen.

  3. 14.

    Ja aber wer im Zoo die ermäßigte Variante wählen muss kann sich auch nur schwer n Ticket hin und zurück nach Eberswalde kaufen..aber der Ansatz ist gut

  4. 13.

    Für mich als Berliner der schon vor 35 Jahren mit seiner Oma dort spazieren gegangen ist, ist dieses Verhalten das allerletzte und ich werde diese Einrichtungen nicht mehr besuchen.. Bravo Hr. Knieriem oder wie auch immer sie heißen.. Sie haben es bald geschafft..die gute Mittelstandsfamilie.. Er Anwalt.. Sie Ärztin.. Werden bald die einzigen sein die sich das noch leisten können.. Aber denen kann man beim Besuch auch mehr Geld aus der Tasche ziehen.. Übrigens bekommen nicht nur "Hartzer" den Familienpass auch Leute mit Job... Und natürlich ist es richtig das wenn vorne am Eingang Gedränge herrscht als erstes die "Assis" die eh kein bis wenig Geld haben weg schickt....... Alter wat is bloß aus meenen Berlin jeworden..ein Hochglanzabklatsch ohne echtes Leben aber mit Starbuckskaffee für 6 Euro...pfui..

  5. 12.

    Auch Menschen mit Behinderung 100% Schwerbeschädigt Merkzeichen G können keine vergünstigten Tickets online erwerben. Habe darauf.auf der Facebook Seite vom Zoo bereits darauf aufmerksam gemacht, aber nie eine Antwort erhalten.
    Merkzeichen G bedeutet schwer gehbehindert.

  6. 10.

    Irgendeiner hat immer was zu meckern. Es sind nun mal besondere Umstände, da kann man auch mal Verständnis für den Zoo aufbringen. Zeiten ändern sich auch wieder.

  7. 9.

    Was heißt hier kein Wohlfahrtsverein, Börsenorientiert.Da sieht's mau aus,der Börsenkurs.Da dürfte das Unternehmen auch nicht auf 11 Euro verzichten.Wie kann man bei 11 Euro ermäßigt noch von Wohlfahrtsverein reden.

  8. 8.

    Es gibt auch noch die Behinderten.Auch wir haben Anspruch auf Ermäßigung.Aber wir haben offensichtlich keine Lebensberechtigung.Zumindest kommt es mir so vor,weil wir immer vergessen werden.

  9. 7.

    Volle Zustimmung. Ab nach Eberswalde in den dortigen Tierpark. Dort wird man sich auf einen Besuch ebenso freuen.

  10. 6.

    Jetzt nach dem die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden, dürfte das jetzt kein Problem mehr sein. Egal was oder wer in dieser Zeit versucht ein Problem zu lösen. Einer fühlt sich immer immer diskreminiert. In der heutigen Zeit ist das so.

  11. 5.

    Der Zoo Berlin ist ein börsennotiertes Unternehmen und kein Wohlfahrtsverein. Wird offenbar immer wieder gerne vergessen und verdrängt.

  12. 4.

    Tja, dann werden wir wohl weiterhin auf einen Besuch verzichten. Oder lieber einen Wildpark besuchen.

  13. 3.

    Zoo, Tierpark und Auarium vergesellschaften?! Dann wäre eine Diskriminierung aufgrund des "sozialen Status" durch das LADG verboten.

  14. 2.

    "Das ist eine strukturelle Diskriminierung und das muss umgehend geändert werden"

    dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

  15. 1.

    Es wäre schön, wenn endlich auch mal die Tierhäuser geöffnet werden würden. Notfalls könnte man ja auch hier mit einem Einbahnstraßensystem arbeiten, aber machbar muss das doch sein. Wenn man entsprechend Abstand hält, ist das doch kein Problem.

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