Der Strand im türkischen Izmir aufgenommen von einer Drohne (Quelle: Anadolu Agency/Halil Fidan)
Bild: Anadolu Agency/Halil Fidan

Aus dem Urlaub in die Quarantäne - Das ist bei Rückkehr aus Risikogebieten zu beachten

Es ist nicht grundsätzlich verboten in Corona-Risikogebiete zu reisen. Wer jedoch auf den Urlaub in der Türkei, den USA oder Schweden nicht verzichten will, sollte unbedingt an die Quarantäne danach denken. Von Oliver Noffke

Zweihundertelftausendundvierhundertelf. Vergangenen Freitag meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass innerhalb eines Tages weltweit so viele Neuinfektionen von Covid-19 bestätigt wurden wie nie zuvor. Diese Zahl – 211.411 – übersteigt das gesamte Infektionsgeschehen der Krankheit in Deutschland. Und zwar deutlich. Global betrachtet breitet sich das Virus massiver aus denn je [covid19.who.int]. Zwar stagnieren die Zahlen hierzulande derzeit auf niedrigem Niveau, auch in Berlin und Brandenburg. Ein wesentliches Merkmal dieser Pandemie ist jedoch, dass es immer wieder überaschend zu teils heftigen Ausbrüchen kommen kann, die harte Maßnahmen nach sich ziehen.

Daraus ergeben sich Konsequenzen für alle, die eine Reise ins Ausland planen. Wenn der Zielort vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiet ausgewiesen wurde, muss nach der Rückkehr eine 14-tägige Quarantäne eingehalten werden. "Das ist so eine Art verlängerter Urlaub", sagt Christine Wagner. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin arbeitet für den Pandemiestab beim Gesundheitsamt Neukölln. Ein Urlaub allerdings ohne Restaurantbesuche oder Einkäufe im Supermarkt. "Das bedeutet, dass man wirklich nur mal zur Mülltonne gehen darf und nicht weiter."

Einen eventuellen Dienstausfall nach der privaten Vergnügungsreise kann man beim Staat nicht geltend machen, sagt Wagner. "Das Gesundheitsamt kann keinen Quarantäne-Bescheid ausstellen, so dass man irgendwie diese Zeit bezahlt bekommt. Das geht nicht."

[Was in der Quarantäne zu beachten ist, lesen Sie hier.]

Bußgelder bis 3.000 Euro

Die Liste der betroffenen Länder wird täglich aktualisiert. Derzeit ist sie überaus lang und beliebte Destinationen wie die Türkei, Marokko, Israel oder Ägypten sind ebenso darauf zu finden wie die USA oder Schweden [rki.de]. Es ist nicht grundsätzlich verboten in diese Länder zu reisen. Allerdings warnt auch das Auswärtige Amt eindringlich von Reisen dorthin ab, wenn sie nicht unbedingt notwendig sind [auswaertiges-amt.de].

Die Bundesregierung hatte bereits vor einigen Wochen ausgeschlossen, dass sie noch einmal Rückholflüge organisieren wird. Zwar verkaufen einige Airlines Tickets mit Rückholgarantie, bei Ausfällen oder Stornierungen vor Ort trägt jeder, der in diese Länder reist, derzeit neben dem gesundheitlichen auch ein erhöhtes finanzielles Risiko.

Das schließt die Rückkehr mit ein: Wer sich nach dem Urlaub nicht an die Regeln der Quarantäne hält, muss mit Bußgeldern rechnen, die durchaus schmerzhaft ausfallen könnten. Zwischen 150 und 3.000 Euro können in Berlin und Brandenburg verhängt werden [berlin.de/corona sowie brandenburg.de/verordnungen].

Die Entscheidung des Gesundheitsamts muss abgewartet werden

Um die Quarantäne vorzeitig zu beenden, müssen bestimmte Nachweise erbracht werden, sagt Wagner. "Man muss ein ärztliches Attest vorweisen, symptomfrei sein und einen negativen Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist." Das Attest wird nur akzeptiert, wenn es in deutscher oder englischer Sprache erstellt wurde, sagt sie. Idealerweise kann der Hausarzt das übernehmen. "Das ist etwas, was wir quasi verlangen können innerhalb einer Frist von 14 Tagen", so die Ärztin. "So lange sollten diese Dokumente aufgehoben werden."

Das heißt, Rückkehrer müssen die Enscheidung ihres Gesundheitsamts in jedem Fall abwarten. Gerade in der Ferienzeit werden diese auch stärker belastet sein. Mit Wartezeiten muss also gerechnet werden. Wagner weist außerdem darauf hin, dass die Quarantäne-Verordnung auch für Risikogebiete gilt, die sich im Inland befinden oder in Ländern, die insgesamt als sicher gelten - überall da, wo es lokal zu Ausbrüchen kommt.

Auf keinen Fall sollen die Nachweise persönlich zum Gesundheitsamt gebracht werden. Schlangen von Leuten, die aus verschiedenen Risikogebieten zurückgekommen sind, sollen unbedingt vermieden werden. Die Gesundheitsämter der Berliner Bezirke und Brandenburger Städte und Gemeinden haben auf ihren Internetseiten aufgeführt, wie man sie am besten kontaktieren soll. Die meisten haben eigene Hotlines eingerichtet.

Was, wenn das RKI seine Risikobewertung ändert?

Die Quarantäne-Vorschriften müssen auch beachtet werden, wenn sich die Einschätzungen des RKI während der Reise ändern. Wer jetzt für zwei Wochen in die Türkei reist, käme also nicht um die Quarantäne herum, wenn einen Tag vor dem Rückflug das Land von der Liste der Risikogebiete gestrichen würde. Ebenso müssten auch diejenigen in Quarantäne, die in ein Land reisen, das jetzt als sicher gilt, aber während des Aufenthalts zum Risikogebiet wird. Wichtig ist immer, ob innerhalb der letzten 14 Tage vor Ort ein erhöhtes Risiko bestand. Selbst, wenn das nur für einen Tag so war, greift die Quarantäne-verordnung.

Dass es derzeit dadurch Unsicherheiten beim Reisen gibt, bedauert Christine Wagner. Es sei nun aber besonders wichtig sich vorher zu informieren. "Wir befürchten, dass gegen Ende der Sommerferien eine Flut von Menschen auf uns zurollt, die wieder arbeiten wollen - oder deren Kinder wieder in die Schule geben wollen - und die dann sagen, sie haben das nicht gewusst."

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Beitrag von Oliver Noffke

27 Kommentare

  1. 27.

    Können Sie auch kommunizieren oder stellen Sie immer nur irgendetwas in den Raum? Was kosten die Erdbeeeren heute?

  2. 26.

    Inlandsquarantäne, Einreisen

    https://www.berlin.de/corona/

  3. 25.

    @Karl: ...weil so gut wie nie etwas davon zu hören oder lesen war bzw. ist, ob ver- oder angeordnete Quarantäne durchgesetzt wird. Die wenigen berichteten Fälle (Ankündigungen) kann man von Nordsee bis zu den Alpen an beiden Händen abzählen. Otto Normalbürger hofft oder erwartet, dass nicht überwacht, kontrolliert und geahndet wird.

    https://www.moz.de/landkreise/oder-spree/beeskow/artikel2/dg/0/1/1793668/

    In Schweden wurden vor der Fähre Pass und KFZ-Kennzeichen erfasst, inklusive Befragung und Autobesichtigung.
    Was war bei Ankunft in Deutschland?
    Nichts. Kein Zoll, keine B-POL, kein Gesundheitsamt, kein Fragebogen, kein Handzettel!
    ... und keine Ahnung, ob die schwedischen Behörden die erfassten Daten nach Deutschland übermitteln.

  4. 23.

    Ja, und was wollen Sie damit sagen? Es geht darum, wie die Quarantäne „eingehalten“ werden wird

  5. 22.

    Kollege kam letzten Sonntag mit Wohnmobil aus Schweden zurück, Montag beim Gesundheitsamt gemeldet, PCR Test beim Hausarzt(35€) gemacht und Dienstag zur Arbeit, ist doch alles kein Problem...
    Er hätte sich allerdings auch nicht melden brauchen, hätte keiner bemerkt. Und über das „Risikoland“ Schweden könnte man trefflich streiten.

  6. 21.

    Ich würde mir wünschen, dass RBB recherchiert, WARUM an den Flughäfen die Einreisenden aus Risikogebieten nicht zur Quarantäne verdonnert werden? Muss ICH meinen Arbeitskollegen nach dessen 4 Wochen Urlaub selber aushorchen, wo er war? Mit dem evtl "Erfolg", dass er 2 weitere Wochen ausfällt? Oder halte ich die Klappe, weil ich froh bin, dass er wieder zum Arbeitsplatz kommt, nach dem Motto: "no risk, no fun?"Die Flughäfen sollten doch besonders in Coronazeiten genügend Platz haben, um Warteschlangen hygienisch einwandfrei zu bewältigen - zur Not draußen. WER wäre denn bitte für Kontrollen zum Beispiel in Tegel oder Schönefeld zuständig?

  7. 20.

    Das ist Quatsch. Man hat Russland, Ukraine und die Türkei nicht plötzlich zum Risikogebiet erklärt. Mit Beginn der Pandemie wurden alle Länder zum Risikogebiet auch Polen, Italien und Spanien. Aber in den letztgenannten Ländern sind die Neuinfektionszahlen durch teils harte Einschnitte drastisch zurückgegangen. Die wurden dann wieder für sicher erklärt. Der Rest eben noch nicht. Während in Russland das Virus grassiert und Tausende an einer seltsamen Lungenentzündung sterben, aber kaum jemand an Covid19. Das ist natürlich besonders vertrauenserweckend.

  8. 19.

    Es ist schon komisch Italien Spanien England Polen Tschechien all diese Länder Gehören plötzlich nicht mehr zu den risikogebieten. aber Russland Ukraine Türkei und viele andere Länder hat man jetzt zum Risiko Gebiet ernannt. Für mich hat das alles nichts mehr mit dem Virus zu tun hier geht es nur noch um Politik.

  9. 18.

    Ich kann mich auch hier in Bahn und Bus, oder beliebiger anderer Gelegenheit infizieren. Das Risiko einer Ansteckung unter vielen Menschen ist sehr viel größer ist als alleine in einem Wald oder auf einem Feld.
    Stimmen Sie mir zu?

  10. 17.

    Reisewarnung für EU aufgehoben, außerhalb Europas gilt sie bis 31. August 2020
    Bei Inlandsreisen gelten die Regelungen der Bundesländer; Abstands- Hygieneregeln strengsten einhalten
    steigende Fallzahlen führt auf Disziplinlosigkeit Einzelner zurück.

    Die bestehenden Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sowie die Informationen der Bundesregierung für Reisende. Haben unverändert Gültigkeit.

    (https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/corona-regelungen-1735032) Stand 01.07. 2020
    https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/covid-19/2296762?isLocal=false&isPreview=false
    Stand 22.06. 2020

  11. 16.

    Jeder verbrennt sein Geld eigenverantwortlich - das ist dann halt Pech.
    Ich bezahle etwas, bekomme keine Leistung - aus welchem Grunde auch immer. Das heisst, ich muss mich selbst kümmern und darf nicht nach dem Staat jammern. Jeder ist noch für sich selbst mündig genug zu wissen, welche Risiken, auch finanzieller Art, man für sich jeweils bereit ist zu gehen.

  12. 15.

    Ich habe ehrlich gesagt keine Vorstellungen, wie die Virus-Lage sein wird, wenn alle Urlauber wieder zuhause sind. Bin sehr gespannt. Hoffe aber positiv.

  13. 14.

    Letzte Woche kam eine Bekannte mit dem Flieger aus einem Risikogebiet. Er kam am Flughafen einfach durch. Keine Quarantäne. Keinen hat sich interessiert. Und mit dem Auto wird es noch leichter sein, als mit dem Flieger.

  14. 13.

    Wer im Glashaus sitzt, soll mich mit Steinen werfen sagt der Volksmund. Der Lacher pur, dass ausgerechnet der RBB auf das Risikoland Schweden hinweist. Wo doch auch in Schweden bekannt ist, wie des mit Hygiene am Klinikum Ernst von Bergmann so bestellt ist. Wer will denn da noch in Potsdam Urlaub machen? Daher die Bitte erst vor der eigenen Haustür kehren. Danke!

  15. 12.

    Reisewarnung + Quarantäne bei Einreise aus Risikogebieten OK, aber wer trägt die Kosten wenn man daher seine Reise , (gebucht Oktober 2019 )z.B. in ein schwedisches Ferienhaus nicht antritt, weil eine anschließende Quarantäne nicht möglich ist und der Vermieter den gezahlten Reisepreis nicht erstattet, da kein Einreiseverbot für Schweden besteht? Hier wird mit zweierlei Maß gemessen: Individualreisende werden gesetzlich deutlich benachteiligt gegenüber Pauschalurlaubern. Wann kommt hierzu eine gesetzliche Anpassung?

  16. 11.

    Solange nicht an den Flughäfen bei den Rückkehrern kontrolliert wird, wo sie im Urlaub waren und Daten von Rückkehrern aus Risikogebieten nicht an die Gesundheitsämter weitergeleitet werden,wird das nichts.
    Ehrllichkeit/Rücksichtnahme/Eigenverantwortung/
    Kontrolle. Das sind doch die Themen,die schon die Ganze Zeit der Pandemie beschäftigen. Ob die Daten dann tätsächlich an die Gesundheitsämter weitergeleitet werden dürfen bzw. die Info zu den Personen wegen der Quarantäne,ist in Deutschland sicher auch eine Datenschutzfrage.

  17. 9.

    https://www.rbb24.de/politik/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/06/quarantaene-nicht-generell-einreise-drittstaat-gericht-berlin.html

    Wie sagte schon Einstein .....
    "Wahnsinn ist, wenn man immer das Gleiche macht und andere Ergebnisse erwartet."

  18. 8.

    Flugreisende zu kontrollieren (überwachen) wäre möglich, aber wie soll das bei Autoreisenden funktionieren?

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