Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge vor dem Seniorenheim Pritzwalk. (Quelle: rbb/Brandenburg Aktuell)
Audio: Antenne Brandenburg | 20.12.2020 | 16:30 Uhr | Björn Haase-Wendt | Bild: rbb/Brandenburg Aktuell

125 Corona-Infektionen - Fünf Tote nach Corona-Ausbruch in Pritzwalker Seniorenheim

In einem Pflegeheim im Brandenburgischen Pritzwalk haben sich mehr als zwei Drittel aller Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Nun gab die Heimleitung bekannt, dass fünf von ihnen verstorben sind. Viele weitere klagen über Fieber und Atemnot.

Nach einem schweren Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim der KMG-Gruppe in Pritzwalk (Prignitz) sind fünf der Bewohner im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben. Das teilte ein Unternehmenssprecher am Sonntag auf Nachfrage dem rbb mit.

Mehr als zwei Drittel aller Bewohner habe sich mit dem Coronavirus infiziert, hieß es. Insgesamt seien mittlerweile 79 Bewohner und 46 Mitarbeiter positiv getestet worden.

Bewohner klagen über Fieber und Atemnot

Die infizierten Bewohner würden Symptome wie Kreislaufprobleme, körperliche Schwäche und Appetitlosigkeit zeigen. Andere klagen zudem über Fieber und Atemnot. Bei Bedarf werde deshalb Sauerstoff gegeben, auch werden laut dem Unternehmenssprecher medikamentöse und fiebersenkende Maßnahmen eingeleitet.

"Wir sind zutiefst betroffen über die Situation in unserem KMG Seniorenheim in Pritzwalk", sagte KMG-Sprecher Franz Christian Meier dem rbb. "Wir haben in den vergangenen Wochen mit strengsten Hygienemaßnahmen alles dafür getan, um eine solche Situation zu vermeiden." Eine Herausforderung sei, dass eine Vielzahl der Bewohner Demenz und ausgeprägte Grunderkrankungen habe. Das erfordere einen hohen Pflegebedarf.

Der Heimbetreiber hat deshalb 20 Mitarbeiter aus anderen KMG-Seniorenheimen und Kliniken unter anderem aus Wittstock, Bad Wilsnack und Güstrow nach Pritzwalk gerufen, um das dortige verbliebene Personal zu unterstützen. Nach Bekanntwerden des Ausbruchs hatte die Heimleitung ein Besuchsverbot angeordnet. Nur, wenn Bewohner im Sterben liegen, dürfen Angehörige das Heim betreten.

Unklar wie es zu Ausbruch kommen konnte

Am Montag sollen die Heimmitarbeiter erneut auf Corona getestet werden. Anschließend soll mit dem Prignitzer Gesundheitsamt geklärt werden, ob und mit welchen Auflagen sie wieder arbeiten können. Unklar ist weiterhin, wie es zu dem umfangreichen Corona-Ausbruch in dem Pritzwalker Seniorenheim kommen konnte.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 19.12.2020, 19:30 Uhr

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19 Kommentare

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  1. 19.

    Sorry, aber es gibt weder viele Nordbrandenburger, noch sind die besonders mobil, schon gar nicht in Altenheimen. Im Frühjahr haben sie sogar den ganzen Norden hermetisch abgeriegelt. Und in die Prignitz fährt auch nicht das Heer der Berliner mit Ausgangsbeschränkungen bei einer Hell-Zeit von 3 Stunden am Tag und schlechtem Wetter - zumal dann nicht in Altenheime!

    Das Ding hinkt hinten und vorne. Da ist nur eines übrig: schlechte Maßnahmen oder das Nichteinhalten vernünftiger Maßnahmen.

    Masken sind eine einfache aber effektive Maßnahme. Aber wenn sie bei der Pflege von Dementen nicht getragen wird, hat es den Vorteil, dass keiner den Dementen glaubt, wenn sie sagen, da waren keine MNS!

    Menschen aus Pflegeheimen sind auch nicht so mobil und geistig fit, dass sie herumreisen und sich im Supermarkt bei VerkäuferInnen ohne MNS was einfangen.

    Was bleibt also übrig?
    - die Angestellten
    - Dienstleister
    - Besucher
    alle ohne MNS!

  2. 18.

    Südkorea ist bekannt. Da ist das zusätzliche Problem, daß fast die Hälfte der Einwohner allein schon in der Hauptstadtregion dicht aufeinander lebt. Aber: Südkorea 986 Fälle/1 Mio. Deutschland 18052 Fälle/1 Mio. ; Südkorea 14 Todesfälle/1 Mio. Deutschland 319 Todesfälle/1 Mio. Was die machen ist teilweise anders, aber auch vieles ähnlich. Was sie auf jeden Fall anders machen: die Staaten sind wesentlich schneller beim Entscheiden und Durchsetzen von Maßnahmen.

  3. 17.

    Ja richtig, es ist die Mobilität in Kombination mit der Überbevölkerung und dem neuen Problem. In Südostasien sind die Menschen besser vorbereitet, weil sie schon Erfahrungen von 2002/03 mit der SARS-Pandemie hatten.
    Aber z.B. in Südkorea bekommen sie gerade auch Probleme.
    https://www.handelsblatt.com/politik/international/steigende-infektionszahlen-suedkorea-ist-vom-corona-musterschueler-zum-covid-19-kriegsgebiet-geworden/26736884.html?ticket=ST-15678543-waML7Ue2dfXdgr43JXrd-ap2

  4. 16.

    "Und die Schnelligkeit die wir gerade in der Verbreitung sehen, ist die Konsequenz der Überbevölkerung." Komischerweise sind aber viele Regionen in Südostasien wesentlich dichter bevölkert und die haben trotzdem eine wesentlich bessere Seuchenkontrolle. Ist für die Geschwindigkeit der geographischen Ausbreitung nicht eher eine hohe Mobilität zwischen Regionen ausschlaggebend - das dann im Zusammenhang mit guten Ausbreitungsbedingungen in der neuen Zielregion durch unpassende Maßnahmen oder schlecht umgesetzte Maßnahmen?

  5. 15.

    Klar, aber wer setzt das um? Für die Schulen gab es auch eine Empfehlung vom RKI seit September, hat auch niemand umgesetzt. Erkenntnisse und Empfehlungen gibt es für viele Bereiche schon lange. Mangelt es nicht fast überall an der Umsetzung und Durchsetzung?

  6. 14.

    Ist zwar brutal, aber der Mensch lernt nur durch Fehler. Vorausschauendes Denken ist nicht so sein ding. In anderen Berufsfeldern wird sich genauso verhalten.

  7. 13.

    Wer spricht von Lösung in Altersheimen. Es sollte nur beschrieben werden, warum die Situation jetzt ist, wie sie ist. Und wenn es nicht Überbevölkerung ist, wie ist dann der Virus nach Nord Brandenburg gekommen. Ein Virus kann sich nur verbreiten, wenn er genug Wirte hat. Und die Schnelligkeit die wir gerade in der Verbreitung sehen, ist die Konsequenz der Überbevölkerung.

  8. 12.

    Die Meldung ist schwer einzuordnen. Frauen verbringen durchschnittlich neun Monate länger im Pflegeheim als Männer. In den Wohn- und Altenheimen beträgt die mittlere Verweildauer 5,5 Jahre; sie verringert sich mit steigendem Alter bei Heimeintritt von 10,8 Jahren unter den 65-69jährigen auf 2,5 Jahre bei den über 90jährigen.

  9. 11.

    Wenn die eingeschränkt einsichtigen Bewohner schon keinen MNS tragen wollen, dann MUSS das Personal durchgehend mit Vollschutz arbeiten und die Gruppen getrennt und isoliert umsorgt werden. Das weiss man aber seit dem Frühjahr!

  10. 10.

    So, und wenn dieser Mitarbeiter, der ja "nur" Kontakt hatte, konsequent MNS getragen hätte, und zwar FFP2, dann hätte er sich und Familie und Freunde nicht anstecken können, weil er sich selber nicht angesteckt hat. Und wenn er den Keim von daheim mitbrächte, aber ALLE einen MNS trügen (Konj. 2, eigentlich braucht man Konj. 3), würde der Keim aus der Schnüffeltröte des Infizierten nicht rauskommen, und wenn durch einen Schlitz doch entwichen, dann wären die anderen durch den MNS ja geschützt. Würden die Bewohner selbigen nicht tragen, aber die "Gänge" separiert werden, und Personal nicht übergreifend rumlaufen, würde man einen Gang unter Quarantäne setzen und nicht alle!

    Vieles würde man mit Organisation besser machen können und mit dem Befolgen einfacher Regeln.

  11. 9.

    Bei allen Virsichts- und Hygienemaßnahmen bleibt immer zu bedenken wer bzw welche Krankheitsbilder in Heimen mit vertreten ist. Demenz, Alzheimer und andere degenerative Erkrankungen machen ein Vermitteln der AHAL-Regeln nicht einfacher. Dazu kommt akuter Personalmangel, der sich nicht in Windeseile lösen lässt. Mein Beileid und Mitgefühl an alle Beteiligten, ob angehörig oder umsorgend.

  12. 8.

    Ich will Ihnen nicht viel verraten, nur vielleicht, dass sie, wenn sie die (im Prinzip vollkommen richtigen) Hygieneregeln des RKI, der Stationen und oder Krankenhäuser) umsetzen würden, keine Arbeitskräfte mehr haben.

    Wir haben das Szenario bei uns einmal (nur) durchdacht.
    Ein Mitarbeiter hatte Kontakt zu einem Covid-Patienten. Danch hatte der Mitarbeiter Kontakt zu seiner Familie, dann zum Kollegenkreis. ...

    Wenn sie jeden Covidkontakt inklusive seiner Kontaktpersonen in die Quarantäne schicken würden, wäre keiner mehr da.

    Und weil Menschen essen, trinken oder auf Toilette müssen, mal abgesehen von persönlicher Zuwendung, kann man die Coronaregeln für den Kontaktfall fast nicht umsetzen.

  13. 7.

    Deutschlands Schande - in Altenheimen funktioniert nix! "Wir haben in den vergangenen Wochen mit strengsten Hygienemaßnahmen.." jaja, wäre das so, hätte keiner den anderen angesteckt! Wenn sozusagen ALLE krank sind, haben sozusagen ALLE keine Masken getragen, durften sozusagen ALLE überall durchs Haus eiern, und KEIN Besucher wurde getestet, ebensowenig wie die Bewohner und das Personal! Es fallen nicht von Samstag auf Sonntag 130 Infektionen vom Himmel und alle sind mit einem Mal krank! Sowas gibts bei verdorbenem Essen, aber nicht bei einer Atemwegsinfektion!

    Die Verursacher wissen selber, was sie getan oder gelassen haben. Sie haben jetzt schon lebenslänglich.

  14. 6.

    Die Erde ist voll. Außer in Nord-Brandenburg. Auf wundersame Weise kamen ca. 80 Menschen zusammen, um ein Heim zu füllen. Ansonsten ist da viel nix. Vor allem keine Überbevölkerung. Was für ein blödes Argument, echt. Soll das Überbevölkerungsproblem in Fernost und Afrika jetzt durch Corona in deutschen Altenheimen gelöst werden?????

  15. 5.

    Sie beschreiben gerade ein Problem der Überbevölkerung. Es gibt nicht mehr Platz, die Erde ist voll. Deswegen gibt es auch Corona, weil ohne diese Massen an Menschen, würde sich so ein Virus nicht so schnell verbreiten.

  16. 4.

    Einfach mal alle Menschen testen,auch ohne Symptome.Da lacht man über diese Zahlen.Warscheinlich das hundertfache.

  17. 3.

    Es braucht mehr Platz, mehr Personal, mehr und bessere Ausstattung in den Pflegeheimen. In den meisten Heimen können noch nicht einmal Infizierte Einzelzimmer bekommen. Zu wenig Gemeinschaftsräume um kleine Gruppen zu bilden, zu wenig Personal, um diese zu betreuen. Kaum Angebote für die Senior*innen, um Herz und Kreislauf zu stärken, damit sie mit einer Infektion besser fertig werden, Ernährung, usw. usw. Der Corona-Kapitalismus mordet, jeden Tag!

  18. 2.

    Krass ist wie gleich alle Infiziert sind. 79 von 89 Bewohner haben es. DIe Frage ist, ob diese Ansteckung trotz Schutzmaßnahmen passiert ist oder ob sich hier einige Pfleger/Bewohner/Besucher fahrlässig verhalten haben. Ich tippe auf letzteres, weil sonst gäbe es in allen Pflegeheimen Ausbrüche.

  19. 1.

    Wie oft wird denn in solch einem Heim das Personal und evtl. auch die Bewohner getestet? Das gäbe schon mal ein Zeitraster für die Entwicklung des Ausbruchs.

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