Antigen, Antikörper, PCR - Corona-Test vor Weihnachten? Welcher Test wann Sinn macht

Mo 21.12.20 | 14:45 Uhr
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Symbolbild: Eine Frau mit einem COVID-19 Antikörper-Testkit zum Eigentest im Privat-Einsatz. (Quelle: imago images/MiS)
Video: rbb|24 | 19.12.2020 | Material: rbb Spezial | Bild: imago images/MiS

Weihnachten mit Eltern, Großeltern und anderen Familienmitgliedern unter dem Weihnachtsbaum verbringen - und sicher sein, seine Liebsten nicht mit dem Coronavirus zu infizieren? Kann hier einer der existierenden Tests Gewissheit schaffen?

Viele Menschen wollen zu Weihnachten ihre Familien besuchen und sich mit einem Test absichern, dass sie nicht unabsichtlich das Coronavirus einschleppen. An manchen Teststellen wie am BER-Flughafen oder am KitKat-Club bildeten sich am vergangenen Wochenende lange Warteschlangen, viele Menschen standen stundenlang an. Doch ist das eigentlich nötig? Welche Tests machen tatsächlich Sinn? Und wann sollte man sich einem solchen unterziehen? Ein Überblick über die derzeit vorhandenen verschiedenen Tests und ihre Zielgruppen.

Tatsächlich kommen immer mehr Tests auf das Coronavirus auf den Markt. Mitte November gab es international bereits mehr als 400 verschiedene Produkte. Die lassen sich im Wesentlichen in drei Hauptgruppen unterteilen: Antigen-(Schnell-)Tests, PCR-(Labor-)Tests und Antikörpertests.

1. Der Antigen-(Schnell-)Test

Geeignet für: Menschen mit Covid-19-Symptomen. Und: Für Personen, die im Umfeld von unerkannten Infektionen gefährdet sind. Besonders sinnvoll kann man die Tests daher dort einsetzen, wo dauerhaftes Infektionsrisiko herrscht, zum Beispiel in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Personal, Besucher und Patienten könnten regelmäßig getestet werden. Bei wiederholten Tests steigt die Aussagekraft: Da es relativ unwahrscheinlich ist, dass ein Test bei der gleichen Person zwei oder drei Mal hintereinander daneben liegt, wird auch die geringere Zuverlässigkeit (siehe unten) ein Stück weit ausgeglichen.

So sicher ist der Test: "Man kann eine Infektion mit einem Schnelltest nicht sicher ausschließen", sagt Norbert Suttorp von der Berliner Charitè. Bei Menschen ohne Symptomen bleibe nach dem Test die Frage offen, ob "der Test wirklich negativ oder nicht sensibel genug" sei, so Suttorp weiter. Er leitet die Medizinische Klinik für Infektiologie und Pneumologie, wo die Wirkung der Schnelltests untersucht wird.

Der Berliner Virologe Christian Drosten von der Charité und sein Team haben im Rahmen einer Studie [medrxiv.org] sieben Schnelltests untersucht und kamen auf eine Spezifität zwischen 88 und 100 Prozent. Dieser Wert sagt aus, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit der Test bei Gesunden nicht anschlägt und somit keine falsch-positiven Ergebnisse bringt. Bei der Sensitivität - also der Frage, wie zuverlässig Infizierte erkannt werden können - sind die Ergebnisse stark von der Virenlast abhängig. Experten schließen nicht aus, dass Infizierte negativ getestet werden, wenn sie noch keine Symptome haben [tagesschau.de].

Die Wahrscheinlichkeit, dass Infizierte negativ getestet werden, steigt, je frischer eine mögliche Ansteckung ist. Wer also Kontakt zu einem Infizierten hatte und in Sorge ist, sollte erst nach etwa fünf Tagen einen Test machen und sich in der Zwischenzeit in Quarantäne begeben oder wenigstens die Kontakte gering halten – je nachdem wie eng der Kontakt war.

Funktionsweise und andere Hinweise: Alle Antigen-Schnelltests, die sich zurzeit auf dem Markt befinden, müssen von geschultem, medizinischem Personal durchgeführt werden. In deutschen Apotheken sind Schnelltests bislang auch nicht frei verkäuflich und werden nur an Ärzte und medizinisches Fachpersonal abgegeben. Verbraucher können sie jedoch im Internet bestellen.

Der Vorteil dieser Schnelltests liegt in der Unabhängigkeit von einem Labor: Sogenannte Antigen-Tests auf Sars-CoV-2 funktionieren - ganz grob gesagt - wie ein Schwangerschaftstest. Nur dass diese taschenmessergroßen Testkits die Eiweiße eines Virus nachweisen, anstelle von Hormonen als Zeichen einer Schwangerschaft. Weil die chemischen Stoffe für den Nachweis alle schon im Testkit stecken, braucht der Antigen-Schnelltest keine Laborauswertung, sondern liefert schnell ein Ergebnis - meist schon nach 15 bis 30 Minuten.

Haken bisher noch: Die vom Test zu prüfende Probe, der Abstrich im Nasenrachenraum, soll bislang nur mit Kenntnissen medizinischen Fachpersonals durchgeführt werden. Es handele sich beim Antigen-Schnelltest nur um eine Momentaufnahme, deren Aussagekraft nicht zuletzt davon abhängt, ob der Test fachgerecht gemacht wird, so Charité-Mediziner Suttorp. Denn das Gewinnen von ausreichend Abstrichmaterial tief genug im Nasen-Rachenraum ist für Laien nicht einfach.

Wer symptomlos kurz vor Weihnachten einen Antigentest machen lassen möchte, um für seine Angehörigen wenigstens teilweise Sicherheit zu haben, sollte es:

- möglichst kurz vorher machen lassen,

- einen Teststandort mit geschultem medizinischen Personal, möglichst Arzt oder Ärztin, aufsuchen

- und zudem: einige Tage vor Weihnachten seine Kontakte reduzieren.

Die Antigentests dürfen auch von Apotheken durchgeführt werden - allerdings nur bei symptomfreien Patienten. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker vom 21. Dezember wird aber wohl nur eine begrenzte Zahl von Apotheken die Tests kurzfristig anbieten. Der Verkauf von Selbsttests an Laien ist in Apotheken nach wie vor verboten.

2. Der PCR-(Labor-)Test

Geeignet für: Alle, die sicher sein wollen, ob zum Zeitpunkt des Tests eine Corona-Infektion vorliegt. Zum Beispiel Menschen mit Symptomen und Kontaktpersonen von Infizierten, die evtl. noch keine Symptome haben.

So sicher ist der Test: Grundsätzlich gilt das PCR-Verfahren, das wegen der besseren Spezifität und Sensitivität den Schnelltests überlegen ist, als "Goldstandard für die Sars-Cov-2-Erkennung", so das Team um Virologe Drosten in einer Studie.

"Das ist immer noch der sicherste Test, den wir zur Verfügung haben. Bei den positiven Tests, die wir in Deutschland bisher hatten, gibt es sicherlich keine große Fehlerquote", sagte auch Theo Stein, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Laborärzte zu tagesschau.de. Aber auch dieser Test kann ein negatives Ergebnis anzeigen, wenn die Übertragung erst ganz frisch erfolgt ist. Der Zeitpunkt der Testung ist also auch hier wichtig.

Funktionsweise und andere Hinweise: Beim sogenannten PCR-Test wird das Erbgut des Coronavirus nachgewiesen. Dafür wird eine Probe mittels Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum entnommen, die im Labor mithilfe eines molekularen Tests untersucht wird.

Für Zuhause eignet sich dieser Test aber nicht. Es ist besonders wichtig, dass nur fachlich geschultes Personal den Abstrich macht. Denn man muss bei der Speichelentnahme sehr weit in Rachen- oder Nasenraum vordringen.

Es mangelt zudem an der Verfügbarkeit der Tests, daher entscheiden meist Ärzte oder Gesundheitsämter, ob ein Test gemacht werden kann. Zudem: Überlastete Labore führen dazu, dass das Testergebnis oft erst Tage später vorliegt. Bis das negative Testergebnis bei der getesteten Person ankommt, kann sie sich, falls sie nicht in Quarantäne war, also durchaus angesteckt haben.

3. Der Antikörper-Test

Geeignet für: diejenigen, die vermuten, dass sie das Coronavirus schon hatten.

So sicher ist der Test: Antikörper-Tests sind im Prinzip zuverlässig. Sie müssen jedoch zum richtigen Zeitpunkt gemacht werden. Wer nach seiner Erkrankung zu früh nach Antikörpern sucht, wird noch keine finden – und deswegen ein falsches Ergebnis bekommen.

Bei vielen nicht geprüften Antikörpertests, die im Internet erhältlich sind, kann es zu falsch-negativen und vor allem zu falsch-positiven Ergebnissen kommen.

Funktionsweise und andere Hinweise: Wer wissen möchte, ob er Corona (mit oder ohne Symptome) schon hatte, hat die Möglichkeit, sein Blut auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 untersuchen zu lassen. Im Blutserum lassen sich ab etwa einer Woche nach der Erkrankung Antikörper gegen den Erreger nachweisen. Nach ihnen wird bei dem Test gesucht.

Es gibt die Möglichkeit den Test im Labor oder als sogenannten Schnelltest durchführen zu lassen. Von letzterem rät das Robert-Koch-Institut (RKI) jedoch ab, weil die Qualität mit einem Labortest noch nicht mithalten kann.

Die (geprüften) Antikörpertests lassen sich ohne Vorkenntnisse zu Hause durchführen, indem man sich in den Finger piekst und ein paar Tropfen Blut sammelt. Dann wird das Material eingeschickt und in einem Labor analysiert.

Unklar ist bisher noch, wie lange die Immunität durch Sars-CoV-2-Antikörper
anhält und ob sie vor einer (neuerlichen) Infektion oder Erkrankung schützen.

Für die Epidemiologen sind Antikörpertests dennoch von größter Bedeutung, um die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung festzustellen.

Was Schnelltests und PCR-Tests eint: Sie spiegeln nur eine Momentaufnahme wider. Wer sich also im Hinblick auf das Weihnachtsfest vorher negativ testen lässt, hat, sofern er oder sie sich nicht unmittelbar nach dem Test in absolute Isolation begibt, keinerlei Gewissheit, dass das bis zu den Feiertagen auch so bleibt.

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