#Wiegehtesuns? | Die Siebtklässlerin aus Berlin - "Ich hoffe, dass es irgendwann wieder halbwegs normal wird"

Di 02.03.21 | 07:39 Uhr
Symbolbild: Teenager mit Atemschutzmaske am Fenster (Quelle: dpa/Frank Hoermann)
Bild: dpa/Frank Hoermann

Liz ist Siebtklässlerin an einer Berliner Oberschule. Ihre Schule kennt sie nur mit Corona-Einschränkungen. Neue Freunde hat sie trotzdem gefunden. Aber im zweiten Lockdown fühlt sie sich zunehmend eingeengt und bedrückt. Denn ihr Leben besteht vor allem aus Büffeln. Ein Gesprächsprotokoll.

Das Coronavirus stellt unser Leben auf den Kopf. In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen, wie ihr Alltag gerade aussieht – persönlich, manchmal widersprüchlich und kontrovers. rbb|24 will damit Einblicke in verschiedene Gedankenwelten geben und Sichtweisen dokumentieren, ohne diese zu bewerten oder einzuordnen. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Liz* (*Name von der Redaktion geändert), 12 Jahre, aus Berlin-Pankow, geht in die siebte Klasse einer Berliner Oberschule und ist eine gute Schülerin. Seit dem 16. Dezember ist sie im Home-Schooling - seither sieht sie nur noch wenige ihrer Freunde persönlich. Sie verbringt ihre Tage vor allem mit Lernen - und kommt trotzdem manchmal kaum hinterher. So geht es Liz:

Den ersten Lockdown habe ich noch in der Grundschule erlebt. Nach den Sommerferien bin ich dann auf meine neue Oberschule gekommen. Da gab es durch die Corona-Einschränkungen von Anfang an nur verkürzt bis um 12 Uhr Schule statt bis 15 Uhr. Und auch alle Feiern, wie die Begrüßungs- und später die Weihnachtsfeier, wurden abgesagt. Das war schon schwierig, denn ich war ja noch nie vorher in der Schule. Trotzdem bin ich ganz gut angekommen, aber ich vermisse auch Vieles, was es wegen Corona nicht geben kann.

Ich musste in der Schule ja von Anfang an in den Hallen und Treppenhäusern Maske tragen. Das wurde immer schlimmer. Irgendwann mussten wir auch in den Lernräumen welche tragen. Außerdem waren die ganze Zeit die Fenster offen und im Winter wurde das richtig kalt. Und ab einem bestimmten Zeitpunkt mussten wir sogar im Hof Masken tragen. Das war wirklich schlimm.

Ich bin total froh, dass ich trotzdem neue Freunde an der Schule gefunden habe. Ich bin mit einer Freundin an diese Schule gewechselt und habe bisher vier neue Freundschaften geschlossen. Wir bilden zusammen eine kleine Gruppe und niemand ist ganz allein – auch, wenn wir zum Beispiel für das Home-Schooling in Gruppen aufgeteilt werden ist das super. Wir sind mit unseren Handys die ganze Zeit in Kontakt. Viele Aufgaben machen wir auch mit Facetime gemeinsam. Drei Freunde treffe ich auch persönlich. Aber einzeln.

Seit ich nicht mehr in die Schule gehe versuche ich, wenn ich kein früheres Zoom-Meeting habe, spätestens so gegen halb zehn aufzustehen. Gegen zehn, halb elf fange ich dann an zu arbeiten. Weil wir sehr viele Aufgaben haben, arbeite ich dann so gut wie den ganzen Tag durch. Ich habe das Gefühl, nicht mehr so viel Freizeit wie früher zu haben. Im Normalfall haben wir im Präsenzunterricht ja um 15 Uhr Schluss und danach habe ich mich oft mit Freunden verabredet. Ich finde es blöd, dass mir das weggenommen wurde. Ich muss immer weiterarbeiten und komme manchmal trotzdem nicht hinterher.

Manchmal finde ich es aber auch gut, zuhause zu sein. Die meiste Zeit vermisse ich die Schule aber. Ich habe aber natürlich auch von verschiedenen Schülern gehört, die Probleme in der Schule hatten oder nicht so viele Freunde dort – für die ist es ja dann vielleicht sogar besser, zuhause bleiben zu können.

Obwohl die Erinnerung an die Normalität vor Corona langsam ein bisschen nachlässt, hoffe ich, dass es wieder normal wird irgendwann. Oder wenigstens halbwegs normal. Aber das alles geht einfach schon ganz schön lange und ich glaube, es wird auch noch weitergehen. Dann versuchen die Politiker alles langsam wieder zu öffnen, damit es keine dritte Corona-Welle gibt. Das ist ja eigentlich ziemlich schlau. Aber auch blöd. Alle Läden sind zu, jede Kleinigkeit muss bestellt werden. Und wir Kinder müssen weiter die ganze Zeit zuhause bleiben und können eben weiter unsere Freunde nicht richtig sehen.

Das Home-Schooling mag ich nicht so. Was ich an der Schule gut finde, ist ja, dass ich da auch meine Freunde dort treffe und mich auch für danach verabreden kann. Das habe ich jetzt alles gar nicht mehr. Wenn ich wen treffe, dann nur noch einzeln. Oder wir telefonieren. Aber das ist nicht dasselbe. Von Schule ist nur noch das Lernen-müssen übriggeblieben.

Und dann gibt es Sachen wie unsere Sport-Hausaufgabe, die ich wirklich schlimm finde. Wir müssen zuhause Liegestütze und Sit-Ups machen, was ich gar nicht gut kann. Und wenn wir wieder in die Schule gehen werden wir getestet, ob wir 25 Liegestütze machen können. Da wird mich mein Lehrer dann sicher vor allen Leuten blamieren. Meine Stärke ist eher das Laufen. Aber das mache ich jetzt gar nicht mehr. Früher bin ich auch mit dem Rad zur Schule gefahren. Das fällt ja auch weg.

Immerhin findet mein Tanzunterricht per Zoom statt – darüber bin ich total froh. Aber es ist natürlich nicht dasselbe, wenn man allein in seinem Zimmer tanzt. Ich finde es aber toll, dass die Trainer dort sich die Mühe machen. Sonst hatte ich noch einmal in der Woche einen Mal-Kurs. Aber der findet gar nicht mehr statt. Deshalb male ich auch kaum noch. Ich habe kaum noch Lust dazu und meine Fantasie ist auch gar nicht mehr so groß. Ich male weniger, obwohl ich mehr Zeit hätte.

Ich frage mich auch, wie es wird, wenn es jetzt wärmer wird. Dann muss man auch weiter Masken tragen und kann vielleicht nicht mal baden gehen.

Da fällt mir aber noch ein Vorteil des Home-Schoolings ein. Wenn man sich im November und Dezember wegen der ständig offenen Fenster in der Schule erkältet hat, haben immer alle gleich gedacht, man hätte Corona. Dafür war es dann schon gut, zuhause im Warmen sitzen zu können.

Aber ich fühle mich schon, und so geht es ja nicht nur mir, eingeengt. Die Situation bedrückt mich. Und ich sehe viele Leute, die nicht mehr besonders fröhlich sind.

Es soll ja diese Woche ein Treffen mit Frau Merkel geben wo sie darüber spricht, wann die Läden wieder aufgemacht werden könnten. Vielleicht sagt sie da ja auch was zu den Schulen.

Gesprächsprotokoll: Sabine Priess

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