#Wiegehtesuns | Seelsorgerin aus Cottbus - "Für die Patienten wird es zu Weihnachten ganz schwierig"

So 28.11.21 | 08:15 Uhr
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Cottbuser Klinikseelsorgerin Karen Martens (Quelle: rbb/Daniel Friedrich)
Bild: rbb/Daniel Friedrich

Wegen der Corona-Pandemie herrscht in vielen Krankenhäusern Besuchsverbot. Bekannte und Verwandte dürfen nicht zu den Patienten. Weil Pfleger und Ärzte kaum Zeit für längere Gespräche haben, sind Klinik-Seelsorger:innen wie Karen Martens sehr gefragt.

Vor mehr als einem Jahr gab es die ersten Corona-Fälle in Berlin und Brandenburg. Seither stellt das Virus unser Leben auf den Kopf. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir?

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen aus der Region, wie sich ihr Alltag seither verändert hat.

Karen Martens ist seit November 2021 Klinik-Seelsorgerin am Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum. Sie hat in Leipzig Theologie studiert, lebte 20 Jahre lang in Schweden und war unter anderem Gefängnis-Seelsorgerin. Heute wohnt die Pfarrerin in der Cottbuser Innenstadt mit Blick auf das Staatstheater.

Seelsorge hat mich immer schon interessiert. Bereits beim Studium war ich im Krankenhaus und habe Seelsorge-Übungen gemacht. Dann im Gefängnis gab es auch viele Gespräche zur Seelsorge und das hat mir großen Spaß gemacht. Man hatte wohl den Eindruck, dass ich das ganz gut mache. Nach einer Auszeit habe ich im Internet die Stellenausschreibung der Klinikseelsorgerin in Cottbus gesehen, mich beworben und jetzt bin ich hier.

Im Krankenhaus sind wir zu dritt. Ich habe noch einen evangelischen Kollegen und eine katholische Kollegin. Morgens besprechen wir den Tag und sind anschließend unterwegs auf Station und führen Gespräche. Manche Patienten rufen uns an oder die Pfleger sagen uns Bescheid. Langweilig wird es nie, eigentlich wird man nie fertig.

Bisher sind alle Patienten erfreut gewesen, wenn ich vorbeigekommen bin. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Leute zuerst sagen, sie brauchten niemanden zum Reden. Aber dann fangen sie doch an zu erzählen! Ob es nun um die Schmerzen geht, oder die Freude darüber, dass man jetzt operiert ist. Auch das aktuelle Besuchsverbot ist natürlich ein Thema.

Manche Patienten fühlen sich dadurch allein und verlassen. Sie können zwar mit ihren Angehörigen telefonieren. Aber gerade die älteren Leute wissen manchmal nicht mit einem Handy umzugehen. Und manchmal geht es ja auch rein körperlich nicht, irgendwo anzurufen. Das ist dann schon schwierig. Die Schwestern und Ärzte haben so viel zu tun. Die haben selten Zeit, sich mal hinzusetzen und mit den Patienten zu reden. Dann würde jemand anderes auf der Strecke bleiben. So sind wir oft die Einzigen, die dafür die Zeit haben.

Neben den Patienten leidet auch das Personal unter der Pandemie. Alle arbeiten so hart und kommen jetzt an ihre Grenzen. Bisher habe ich noch keine Gespräche mit ihnen geführt, aber ich hoffe, dass das auch kommt. Und ich wünsche mir, dass die Klinikleitung solche Gespräche auch als Arbeitszeit ansieht. Denn Seelsorge ist wichtig, um die Arbeit und das, was man dort täglich erlebt, gut zu verarbeiten.

Für die Patienten wird es, glaube ich, gerade zu Weihnachten ganz schwierig.
Wenn man da allein im Bett liegt und es ist nichts los – da werden die Menschen traurig. Da vermisst man die Familie schon ganz besonders, es ist ja ein Familienfest. Deshalb überlegen wir, was wir machen können, um die Stimmung aufzuhellen. Wir wollen auf mehreren Stationen eine Andacht halten. Geplant ist, die Andacht auch aufzunehmen und über die Klinikfernseher zu verbreiten. So, dass es auch diejenigen sehen können, zu denen wir nicht hinkommen können.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich ein bisschen Hoffnung verbreiten kann. Nicht so viel durch Worte, sondern einfach, weil ich da bin. Und: Dass die Leute, auf die ich treffe, aus sich herauszukommen und mit mir sprechen. Denn die meisten sagen mir hinterher: Es hat sehr gut getan, dass ich mal ein bisschen reden konnte.

Gesprächsprotokoll: Daniel Friedrich

Wie geht es Ihnen? Wie sieht Ihr Alltag gerade aus? Erzählen Sie rbb|24 Ihre Geschichte in Zeiten von Corona! Einfach eine Mail schicken an internet@rbb-online.de. Wir melden uns bei Ihnen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.11.2021, 15.40 Uhr

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30 Kommentare

  1. 30.

    Jörg BB, auch hier verdrehen Sie wieder etwas. Delta war damals gerade erst am kommen. Hospitalisierung weit unter heutigen Werten.

    Lassen Sie sich impfen, dass müssen Sie nicht dauernd jammern.

    Hören Sie auf, hier innerlichen Posts Unsinn zu verbreiten.

  2. 29.

    Der Jörg BB fällt hier schon länger durch unsinnige Beiträge und gefährliches Halbwissen auf.

  3. 28.

    "Es geht hier wohl eher um den herbeigeredeten "Konflikt" ..."

    Jetzt reichts aber langsam!
    Übrigens geht es hier um Krankenhäuser mit Besuchsverbot!

  4. 27.

    "Die bisherigen lockdowns haben ja nix gebracht" >liegt im Auge des Betrachters, denn der 1. Lockdown 2020 bremste das Infektionsgeschehen extrem stark. Kann man natürlich andersrum interpretieren, dass Lockdowns nicht geeignet sind, dass über die Leerdenkerdemos das allgemeine Denken der Bevölkerung verändert werden sollte, was nicht eintrat und nicht eintritt. Das Virus findet sämtliche ungeimpften und (aus Ihrer Sicht leider) jeder Lockdown bremste nachweislich das infektionsgeschehen, wie auf Lagebericht Berlin und Lagebericht RKI für jedermann/frau ersichtlich.

  5. 26.

    Es geht hier wohl eher um den herbeigeredeten "Konflikt", Altenheimbewohner und dortiges Personal per Kontaktvermeidung zu schützen oder mit "weiter so" das Todeswerk von Corona zu unterstützen. Wenn man sich für die erste (bessere) Lösung entscheidet und Ihr/e im Heim lebende Angehörige/r dadurch länger lebt als schnell durch Corona hops zu gehen, wäre natürlich eine Ausnahmeregel dienlich, derzufolge die dirkte Abschiednahme ibn den letzten Stunden der finalen Phase möglich bleibt.

  6. 25.

    Also bleibt nichts anderes übrig als ein totales Besuchsverbot zu verhängen?
    Auf unsere Intensivstation dürfen aktuell nicht mal Angehörige sterbender Patienten.
    Allerdings herrscht seit gestern ne Arz Kriegszustand

  7. 24.

    Trotzdem macht ein lockdown keinen Sinn und wäre auch richtig extrem. Nicht einkaufen, Wohnung verlassen, arbeiten ect. Mit Lebensmitteln kann man sich bevorraten. Damit es überhaupt einen Sinn macht, mindestens doppelt so lange wie inkubationszeit. Die bisherigen lockdowns haben ja nix gebracht

  8. 23.

    Es darf nicht noch einmal passieren (wie im letzten Winter), dass man sich als naher Angehöriger nicht von einem im Sterben liegenden "normal-erkrankten" verabschieden darf!

    Und ganz krass gesagt: Da sind mir dann auch die Ungeimpften schnurz.

    Zwischen Beinbruch, Gallen-OP, Herzinfarkt, Krebs usw. gibt es auch beim Fernsehschauen, Fenster-winken und telefonieren Unterschiede.

  9. 22.

    ffp2-Masken halten nicht 100% dicht, ansonsten würde man darunter ersticken, es gibt Fälle, wo sich ffps-Masken-Träger mit Corona infizierten. Ein Test ist nur eine Momentaufnahme: Angenommen, Sie werden um 10:59 Uhr negativ getestet und infizieren sich um 11:00 Uhr mit Corona, welchen Schutz bildet der Test dann für Sie? Und PCR-Tests werden nie vor Ort befundet, sonder in eine Labor. Also vergeht mindestens ein Tag, in dessen Verlauf Sie sich mit Corona infizieren können. So einfach, wie Sie sich das ausdenken, funktioniert es nicht.

  10. 21.

    angebracht - ja zu 100%. Siehe Kommentar 11: "Ich denke, dass der Verzicht auf Besuch zwar schwer, aber möglich ist. Sicherheit geht jetzt vor allem anderen" >wenn aufgrund Ihres "Kompromissvorschlages" auch nur 1 Patient oder Besucher an Corona stirbt, ist das einer zuviel. Und wie man weiß, wütet ein eingeschlepptes Virus in der Einrichtung weiter. Corona findet SÄMTLICHE Ungeimpften, soviel steht fest.

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