#Wiegehtesuns | Die Krankenschwester - "Ich bin im Vergleich zu einigen Patienten noch gut weggekommen"

Krankenschwester Jessica Pellny (Quelle: Privat)
Bild: Privat

Nicht für alle ist mit den Lockerungen Corona vorbei. Einige kämpfen noch immer mit den Folgen ihrer Infektion, mit Long Covid. Eher jüngere Menschen und Frauen sind betroffen. Die Krankenschwester Jessica Pellny ist eine von ihnen.

Corona betrifft uns alle – nicht nur in Berlin und Brandenburg. Noch immer stellt das Virus unser Leben auf den Kopf.

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Jessica Pellny ist 29 Jahre alt und wohnt in Bestensee. Seit sieben Jahren arbeitet sie als Krankenschwester in verschiedenen Berliner Krankenhäusern, im vergangenen Jahr vorwiegend auf der Intensivstation der Berliner Charité. Bis sie sich im Dezember selbst ansteckte.

Das letzte Jahr war das härteste Jahr. Der Personalmangel war vorher schon da, aber bei Corona wollten viele nicht arbeiten, etwa weil sie selbst Risiko-Patienten sind. Es war auch körperlich anstrengend: Die Schutzkleidung an- und ausziehen, die Bauchlagerungen. Das Personal läuft am Limit, viele haben Angst, sich anzustecken. Ich selbst hatte Angst, mich anzustecken.

Für die Patienten ist es schrecklich: Wir können sie und ihre Angehörigen nicht adäquat im Sterbeprozess betreuen. Die Angehörigen dürfen die Patienten nicht besuchen, sie sterben ganz allein.

Ich werde nie vergessen, wie ich arbeiten war, es war ein echt harter Dienst und vor dem Brandenburger Tor haben die Corona-Gegner demonstriert. Sie sind an der Charité in Mitte vorbeigelaufen. Da haben die Leute gerade ums Überleben gekämpft und die demonstrieren, weil sie eine Maske tragen müssen.

Im Dezember muss ich mich auf Station angesteckt haben. Als es angefangen hat, habe ich schon gedacht 'Hui, was ist das denn jetzt?' Alles hat wehgetan, die Haut brennt richtig. Ich konnte mich gar nicht bewegen, weil ich solche Schmerzen hatte.

"Es kamen mehr und mehr Symptome dazu"

Mein Verlauf war nicht so schlimm. Ich war vier Wochen mit Fieber und allem zu Hause. Aber danach steigert man sich sonst wieder. Das war bei mir gar nicht. Es kamen mehr und mehr Symptome dazu. Zum Anfang war es die Müdigkeit, Zittern, so eine Kraftlosigkeit in den Armen. Irgendwann war es so schlimm, dass die Beine bei kleinster Anstrengung gezittert haben, dass ich brennende Muskel- und Nervenschmerzen hatte, die durch keine Schmerztablette zu lindern waren. Ich bin trotzdem weiterarbeiten gegangen. Ich wollte mir das nicht anmerken lassen und auch gar nicht wahrhaben, dass es jetzt nicht mehr so geht wie vorher.

Es ist ein komisches Gefühl, ich war gesund. Dann hat man eine Infektion, bei der viele sagen, sie sei gar nicht so schlimm. Jetzt muss ich Tabletten nehmen, die ich vorher nicht nehmen musste. Schilddrüsenunterfunktion. Im Langzeit-EKG kam raus, dass ich einen viel zu hohen Ruhepuls hatte und auch jetzt Tabletten nehme.

Irgendwann konnte ich nach eineinhalb Stunden Laufen gar nicht mehr. Meine Beine sind immer weggeklappt. Da hat mein Hausarzt mich in die Neurologie in der Asklepios Klinik in Lübben überwiesen.

Zeitweise fühle ich mich wie 80. Nach dem Klinikaufenthalt ist es besser geworden. Vielleicht, weil die mir dort ins Gewissen geredet haben. Ich solle mal einen Gang runterschalten. Ansonsten gibt es Tage, an denen ich aufstehe und kaum die Treppe runterkomme.

"Ich habe Glück gehabt"

Ich kann nicht mehr so leben wie früher. Ich plane alles. Ich versuche meine Kräfte einzusparen. Mir fehlt das regelmäßige Reiten sehr, es war für mich immer der Ausgleich zum Beruf. Auch dass ich mich mit Freunden treffe, dazu habe ich gar keinen Elan mehr. Ich hoffe wirklich, dass es durch die Cortison-Therapie und die Reha, die ich machen werde, wieder besser wird.

Ich bin im Vergleich zu einigen Patienten, die ich betreut habe, noch gut weggekommen. Ich schätze mich glücklich, dass es mir noch so geht. Ich habe von Leuten gelesen, die mit Long Covid im Rollstuhl sitzen und die gar nichts mehr machen können. Da habe ich Glück gehabt.

Ich finde es schön, dass man jetzt wieder mehr Freiheiten hat. Ich genieße sie auch, ich gehe auch gerne mal essen. Nur weil ich mein Leben nicht mehr so leben kann, warum sollen es die anderen nicht tun?

Meine Hoffnung ist, dass die Ärzte irgendetwas finden, dass einem hilft. Dass die Forschung da vorangeht und für mich selbst eigentlich, dass es so wird wie früher. Mit Einschränkungen kann ich leben, aber ich möchte nicht die Einschränkungen, die ich jetzt habe.

Ich hoffe, dass ich in den nächsten drei, vier Wochen die Reha antreten kann, aber es gibt Leute, die es schlimmer erwischt hat. Denen steht der Rehaplatz eher zu als mir. Ich kriege es bis dahin schon hin und freue mich, wenn dann ein Platz in der Reha frei ist.

Gesprächsprotokoll: Marie-Thérèse Harasim

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Sendung: Brandenburg Aktuell, 18.07.2021, 19:30 Uhr

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35 Kommentare

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  1. 35.

    Vielen Dank für die sachliche und informative Antwort!
    Eines verstehe ich an Ihrer Aussage nicht: Warum sollten diese Menschen eingesperrt sein, nur weil einige Menschen sich nicht impfen? Eingesperrt mussten diese Menschen doch bisher auch nicht sein, weshalb sollten es durch SARS-CoV-2 anders sein? Es gibt viele Ungeimpfte, lückenhaft Geimpfte und scheinbar ja auch viele Menschen, die sich nicht impfen lassen können.
    Wenn das Risiko der stummen und selbst normalen Infektion trotz Impfung verbleibt, wenn auch vermindert, wären bleibende Abstandsgebote und andere Maßnahmen nicht sinnvoll(er), um einander grundsätzlich besser zu schützen und ggf. Mutationen zu verhindern? Vorschlag zu "andere Maßnahmen": Nicht verreisen,bis die Pandemie weltweit vorbei ist.

  2. 34.

    Der KBV-Chef lehnt sich weit aus dem Fenster. Ein Impfangebot für alle im September als Begründung für den Wegfall der Maskenpflicht finde ich sehr gewagt. Die Impfmoral könnte man auch anders fördern. Zum Beispiel mit einem Bonus bei der Krankenkasse.

  3. 33.

    Kennen sie einen Erwachsenen der von den Kindern Solidarität verlangt hat, also das sich Kinder zurücknehmen sollen damit deren Ansteckungwahrscheinlichleit sinkt ?
    Ich kenne nicht nur diverse sondern habe es selbst gemacht als Opa die Kurzen betreut, weil die Schulen und Kitas dicht waren.
    Dieser „Schutz“ wurde verkündet.

  4. 32.

    Danke für Ihre Meinung! Sie haben meine „Gedanken“ wiedergegeben.

  5. 30.

    Danke für diesen Kommentar. Ich würde mich bei Ihnen besser versorgt fühlen als bei Ian. Aber nachdem ich dessen Kommentare gelesen habe, geh ich stark davon aus, dass er mit seinem Status hadert.

  6. 29.

    Weil es diese Berufsbezeichnung für Abschlüsse, die nach 2004 erworbenen worden sind, nicht mehr gibt und diese beschriebene Dame von ihrem Alter her erst frühestens 2005 mit ihrer Ausbildung angefangen haben kann.

  7. 28.

    Lieber RBB, gut das es auch andere Ansichten gibt. Und im Rahmen eines Coronaberichtes über die Berufsbezeichnung der Krankenschwester zu diskutieren ist auch weit weg vom Hier&Jetzt.
    Ich habe in den 1980iger Jahren mein Examen zur Krankenschwester gemacht und arbeite seitdem meist VZ in meinem Beruf.
    Die neuere Berufsbezeichnug ist für mich nicht Richtiger als die Alte, auf die ich mich weiterhin berufe. Wenn überhaupt, gäbe für mich lediglich die Bezeichnung Pflegefachkraft als neuere, modernere Art eine entsprechende Akzeptanz.

  8. 27.

    Wieso eigentlich immer noch AHA-Regeln, Alltagsmasken sind doch gar nicht mehr erlaubt?

  9. 26.

    @ Ian. Sie werden sich wundern, Krankenhausbetriebe schreiben sogar noch Stellen für Krankenschwestern/ Krankenpfleger aus. Ihre unsachlichen Vergleiche sind geschmacklos.

  10. 25.

    Sie haben ein ernsthaftes Problem…. Männliche Pflegekräfte wurden nie als Krankenschwester bezeichnet. Und die sexuelle Identität hat nun keinerlei Bezug zum Thema. Die ist unerheblich.

  11. 24.

    …aber? Sie vergleichen im Ernst diskriminierende Begriffe mit der Bezeichnung „Krankenschwester“? Damit verhöhnen Sie diejenigen, die Diskrimierungen erdulden müssen. Oder wollen Sie behaupten, der Begriff diskriminiere eine weibliche Pflegekraft? Übrigens duften 2004 die da bisherigen Kankenschwestern entscheiden, ob sie diese Bezeichnung beibehalten wollen oder die neue Berufsbezeichnung wollen.

  12. 23.

    Natürlich können Sie jedermann und -frau einen Titel andichten und mit diesem gleich noch den Namen ersetzen. Sie können auch weiterhin "Zigeunerschnitzel" oder "Negerkuss" sagen, aber...

  13. 22.

    Für die Angabe von 10% der Infizierten gibt es nicht einmal eine anekdotische Evidenz. Woher haben Sie diese Zahl? Ich finde dafür keinerlei Beleg in Fachpublikationen, genau genommen versucht man Prävalenzen gerade erst in Studien zu ermitteln, da Abrechnungsdaten bei den Kassen nicht aussagekräftig waren und einheitliche Definitionen fehlen. Es gibt zahlreiche Einzeläußerungen aus der Praxis, die sehr stark variieren, aber das sind nur Schätzungen. Ich wäre vorsichtig mit der Angabe solcher Zahlen, sie entbehren (noch) einer gesicherten, wissenschaftlichen Grundlage - das ist eher Panikmache.
    Der Satz zur Impfung trifft ebenfalls nicht zu. Deshalb empfiehlt die Stiko eben keine generelle Impfung für Kinder.

  14. 21.

    Dass nicht Betroffene über sich und ihre Entwicklung bestimmen, sondern selbsternannte Experten, kommt nicht zum ersten Mal. Siehe bspw. Debatten rund um Gendern oder Gleichberechtigung Homosexueller.

  15. 20.

    Genau so ist es. Sprach dienst in erster Linie der Verständigung. Und wenn ich meinen Sprachpartner nicht kenne, muss ich mich noch mehr bemühen, es verständlich zu sagen. Das ist die hohe Kunst im Journalismus. Den Empfängerhorizont zu beachten. Dieser Bericht geht nicht an Fachleute, sondern an die sog. breite Masse. Und gerade bei den Berufsbezeichnungen sind noch sehr viele „überholte“ umgangssprachlich aktuell.

  16. 19.

    Nun, der allgemeine Sprachgebrauch ist Ihnen offensichtlich unwichtig. Ein Arzt wird zB auch Doktor genannt, selbst wenn er diesen Titel nicht hat. Krankenschwester ist allgemeinverständlich. Sprache dient der Verständigung. Es nützt nichts, wenn Sie korrekt die Berufsbezeichnung verwenden und Ihr Gegenüber versteht es nicht. Der RBB muss sich allgemeinverständlich ausrücken.

  17. 18.

    Sehr viele Menschen, die sich jung, gesund, kräftig fühlen, oder es sind,- nehmen sowohl Covid19, als auch das
    Long-Covid-Syndrom immer noch nicht ernst,- und glauben, sie würden es nicht bekommen, oder es wäre für sie harmlos;- oder es wäre generell harmlos mit den neurologischen Symptomen, die sich irgendwann wieder zurückbilden.-
    Jedoch sofern weiterhin 10% derer, die Covd19 infiziert waren oder werden, später Long Covid erleiden, mit teils schweren, langen, oder dauerhaften Lebenseinschränkungen,- wird das noch viele betreffen.
    Das müßte nicht sein, wenn sie sich vorsichtshalber vorher impfen ließen.
    Die Risiken einer Impfung sind tatsächlich so viel geringer, als die Risiken einer Infektion,- für jeden persönlich.- auch für die Jüngeren.-

  18. 17.

    Wissenschaftler und Mediziner gehen davon aus, daß die Delta-Variante alle Menschen erwischt, die nicht geimpft werden konnten oder wollten.
    Sie sagen, daß bisher jeder 10.von Ihnen von Long Covid betroffen ist;- oft jüngere.
    Med.TV-Dokus zeigen, daß nicht wenige von ihnen sehr schwer, sehr lange und einige bis jetzt open end darunter zu leiden haben.
    Das Fatique-Syndrom, das vielen Betroffenen jede Kraft nimmt, und sie oft an Sofa/Bett bindet, nicht selten ganz aus dem täglichen Leben zieht, auf unbestimmte Zeit,- macht den Medizinern und Wissenschaftlern z.B. der Charité Sorgen.
    Es ist ein physiologisches Phänomen;- die Mitochondrien/Energiproduzenten jeder Körperzelle, können nicht mehr richtig Arbeiten;- so besteht die einzige Möglichkeit damit umzugehen in der Einteilung der persönlichen wenigen Kraft, und dem Ruhen;- Therapie/Medikamente funktionieren noch nicht.-
    Herzmuskelentzündungen gibt es auch als Folge der Infektion, teils mit bleibenden Schäden oder Todesgefahr.

  19. 16.

    "Nun bleiben Sie mal ruhig. Umgangssprachlich werden Krankenpflegerinnen immer noch Krankenschwester genannt. Jeder weiß was damit gemeint ist."

    Das ist ja richtig. Aber es gab gute Gründe, die Berufsbezeichnung zu ändern. Bildung ist Teil des Auftrags des ÖRR, daher wies ich auf den Anachronismus hin, diese überkommene Bezeichnung ist nicht mehr zeitgemäß und bilde den Aufgabenbereich nicht ab. Wenn mich jemand nach einer Schwester fragt, biete ich das alternative Herbeirufen eines Pastors an oder Hilfe beim Finden eines Klosters. Mit einer pädophilen Sekte habe ich als Pflegekraft nichts zu tun und meine Befähigungen gehen weit über Krankensorge und Arzthilfe hinaus.

    Förster ist übrigens tatsächlich die offizielle Berufsbezeichnung für Personen, die in leitender Funktion für die Verwaltung und Bewirtschaftung des Waldes verantwortlich sind. Müler/-innen werden ebenfalls noch ausgebildet. Herrje, woher haben Sie nur Ihre unzutreffenden Informationen?

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