Christian Khalaf, Geschäftsführer des Restaurants Schoenbrunn in Berlin-Friedrichshain (Quelle: rbb/Anke Michel)
Bild: rbb/Anke Michel

#Wiegehtesuns? | Der Geschäftsführer - "Ich möchte meine Mitarbeiter nicht zu Hilfssheriffs machen"

Erst der Ausweis, dann das Essen? Am Freitag können Restaurants wieder öffnen - allerdings unter besonderen Bedingungen. Christian Khalaf ist Geschäftsführer des Schoenbrunn und wie viele in der Branche: freudig verunsichert. Ein Gesprächsprotokoll

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Persönlich geht es mir okay, aber der Laden macht mir natürlich Kopfschmerzen. Wir haben viele Mitarbeiter und eine Menge Verpflichtungen, und wir sind seit Wochen zu. Alle vierzig Mitarbeiter mussten wir in Kurzarbeit schicken. Die Sorgen werden mehr und mehr.

Ich bin trotzdem positiv gestimmt. Am 15. Mai kann es wieder losgehen, wie auch immer! Ich freue mich darauf, dass es weitergeht!

Am 22. März mussten wir den Laden schließen. Nach einiger Zeit der Schockstarre haben wir dann mit Pizza to Go, einem Bratwurststand und dem Kiosk langsam wieder hochgefahren. Da kann ich aber nur einen ganz kleinen Teil der Mitarbeiter beschäftigen. Und wir nehmen damit echt nur einen Bruchteil unserer normalen Einnahmen ein. Wir sind vom Winter geschwächt, wir sind ein Saisonbetrieb und auf Frühling und Sommer angewiesen und konnten nicht richtig loslegen.

Ich will mich da nicht beschweren, ich verstehe die Corona-Maßnahmen, das musste sein mit den Restaurant-Schließungen. Aber für uns ist es finanziell sehr schwer. Wir haben auch keine Hilfe bekommen, weil wir mehr als zehn Mitarbeiter haben. Kredite nützen uns nichts, die müssen wir später nur mit Zinsen zurückzahlen. Auch wenn wir die Miete stunden würden, irgendwann müssen wir bezahlen.

Ich selbst komme jeden Tag. Wir renovieren, und ich schaue, dass alle Hygiene-Vorschriften eingehalten werden, sperre den Laden auf und zu und spreche mit den Lieferanten. Da gibt es genug zu tun.

Jetzt plane ich, wie die Öffnung am 15. Mai laufen kann. Masken und Desinfektionsmittel habe ich auf jeden Fall genug. Auch die Abstandsregeln sind bei uns kein Problem. Wir haben einen großen Biergarten und viel Platz und können alle weit auseinandersetzen. Auf unserer Terrasse, wo das Restaurant ist, wird es enger. Normalerweise haben wir da 120 Plätze. Mit den Abstandsregeln bleibt die Hälfte der Gäste übrig, nur 60. Also gibt es nur die Hälfte des Umsatzes. Dafür brauche ich aber die gleiche Zahl an Köchen, weil die Zubereitung komplizierter ist wegen der Hygiene. Wir haben hier ja auch viele Veranstaltungen wie Hochzeiten oder runde Geburtstagsfeiern. Das fällt alles weiter flach, das sind Dolchstöße für uns.

Da kommt weiter eine schwierige Zeit, aber das ist ja bei Allen so. Ich will mich nicht beschweren. Ich bin nicht der Einzige, der zu Grund zum Weinen hat. Da müssen wir durch, da müssen ganz viele andere auch durch.

Von meinen Gastro-Kollegen kenne ich keinen, dem es gut geht. Alle leiden und versuchen sich mit To-Go-Essen über Wasser zu halten. Gefreut habe ich mich über die Solidarität aller Menschen untereinander in der Corona-Krise.

Wie wir es dann ab Freitag alles mit den Gästen und Tischen organisieren, weiß ich noch nicht. Ich will hier nicht die Polizei oder das Ordnungsamt spielen, die Gäste nach ihrem Ausweis fragen und zu welchem Haushalt sie gehören. Ich möchte meine Mitarbeiter nicht zu Hilfssheriffs machen. Wir haben alle Masken und Handschuhe an und fragen dann nach dem Ausweis. Das hat auch was Unangenehmes. Ich hoffe, dass wir das eleganter lösen können, vielleicht mit Reservierungen, bei denen man alles abfragt und so alles abklärt.

So oder so: Meine Mitarbeiter stehen auf jeden Fall alle in den Startlöchern und wollen loslegen.

Gesprächsprotokoll: Anke Michel

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Sendung: rbb 88.8 | 08.05.2020 | Anke Michel

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21 Kommentare

  1. 21.

    Natürlich darf man die menschen nicht vergessen die vom stehlen leben oder als hehler ihr geld verdienen

  2. 20.

    @17 u@18: richtig- es kann nicht oft genug gesagt werden, weil mancher es nicht versteht. @16: genau: die klugen Leute kennen die Gesetze. Jeder der mit Lebensmitteln, in der Gastronomie, mit Kindern, Kranken ,Alten,Behinderten, Gemeinschaftseinrichtungen und auch in div. anderen Berufen arbeitet, wird über das Infektionsschutzgesetz belehrt. Wer die Belehrung einfach unterschreibt ohne sie richtig durchzulesen, ist selbst schuld.wenn er / sie es nicht weiß. Zurück zum Interview: der Gastwirt wird bestimmt den richtigen Weg finden seine Gäste gut zu bewirten und die Regeln und Empfehlungen umzusetzen.

  3. 19.

    Sehr guter Beitrag. Ich finde es schön, dass man bald wieder ausgehen kann!
    Ich hoffe für Herrn Khalaf & Kollegen, dass auch der letzte Gast verstanden hat, dass es vorallem darum geht, Mitmenschen zu schützen. Stichwort Daten- wer nichts zu verbergen hat, sollte sich hier kooperativ zeigen. Ansonsten lieber zu Hause bleiben.(Gilt übrigens auch für alle Jogger im Park & in der Innenstadt, die sich schwitzend an Passanten vorbei drängeln müssen)

  4. 17.

    "Gastronomiebetrieben werden Reservierungssysteme oder andere geeignete Verfahren mit Informationen zur Kontaktnachverfolgung dringlich empfohlen. "

    Das steht in der Berliner Corona-VO. Es geht also schlicht darum, nötigenfalls die Infektionsketten nachvollziehen zu können. Dazu ist weder der Personalausweis noch die Schuhgröße erforderlich. Pro Tisch ein Name plus Tel-Nr mit Uhrzeit und Datum würden da schon ausreichen. Es ist übrigens kein Muss, sondern eine dringliche Empfehlung.

  5. 16.

    @ Herr / Frau Perso
    aah das Infektionsschutzgesetz . Sicher, das kennt natürlich bestimmt Jedermann/frau.
    Genauso wie unsere Regierung natürlich schon seit Jahren auf eine SARS Pandemie, inclusive bestehender Masken, darauf vorbereitet war.
    Anfragen Deutscher Bundestag zum Thema:
    https://www.bundestag.de/services/suche?suchbegriff=SARS

    Jetzt kommen wieder die Leute, die alles schon vorher wussten und geben kluge Ratschläge.

  6. 15.

    Puh, die Kommentare tun mal wieder richtig weh. So wenig Hirn...

    Nein, es gibt natürlich keine Ausweispflicht beim Restaurantbesuch. Was der Herr anspricht ist das Problem, woher er wissen soll, wen er an einem Tisch zusammensitzen lassen darf (weil gleicher Haushalt) und wen nicht.

    Wie man jetzt auf die Idee kommt, dass man einen Ausweis beim Friseur bräuchte? Selbst wenn man da als Großfamilie zusammen hingehen würde dürften nicht alle gleichzeitig rein (wegen der Begrenzung der Kunden pro m2)...

  7. 14.

    Natürlich muss man kein Mitläufer von Verschwörungstheorien sein ( was an diesen Gebilden ist eigentlich die Theorie). Man kann sich vernünftig informieren. Durch die div. Corona-Verordnungen hat sich bezüglich der Pflicht,sich mit einem Pas oder Perso auszuweisen, NICHTS geändert. Es ist wie vorher. Auch beim Gesundheitsamt reicht eine Telefonnr. Den Rest regelt das Infektionsschutzgesetz und wer dieses Gesetz nicht gut findet, hätte seit Jahren dagegen demonstrieren können - es ist ja nicht neu.

  8. 13.

    Ich werde weder bei einem Friseur, noch bei einem Restaurant besuch meinen Ausweis irgendjemandem zeigen. Wie sieht das im Kaufhaus aus ?
    Bisher hab ich im rbb darüber nichts gelesen ?
    Wo gibt es überall eine Ausweispflicht beim betreten einer Location ?

    Dass die Leute dagegen immer mehr protestieren, kann ich verstehen.
    Dazu muss man kein Verschwörungstheoretiker sein .

  9. 12.

    Wo in der Verordnung steht, dass man den Ausweis verpflichtend zeigen muss. Dort steht die "dringliche Empfehlung, geeignete Systeme " zu entwickeln. Aber Sie haben recht, wir alle haben die Freiheit, ins Restaurant zu gehen oder nicht. Und lieber tot als Ausweis zeigen-was man gar nicht muss- na ja. Zeigen Sie such keine KK-Karte, wenn die Ambulanz Sie zur Notaufnahme fährt, oder keinen Perso wenn Sie einen Mobil-Vertrag schließen. Dort werden die Daten gespeichert und verkauft.

  10. 11.

    Nein dem muss ich entschieden widersprechen, ich möchte sicher nicht meinen Ausweis dort vorzeigen und solange das so wäre würde ich kein Restaurant besuchen und ich spreche eher für die Mehrheit anstatt sie.
    Telefonnummer wäre noch okay, aber alles andere geht mir entschieden zu weit.
    Das erinnert mich alles fatal an die terrorismusbekämpfung, ist ja alles nur für ihre Sicherheit, ist klar.
    Ganz ehrlich dann will ich lieber keine Sicherheit und nehme auch mein Tod in Kauf und ja ich schütze trotzdem andere.

  11. 10.

    "Freudig verunsichert" klingt aber sehr schöngeredet. Verständlicherweise hat der Mann viele Sorgen und Probleme. So wie viele andere in der Branche auch. Man sehe sich Tim Mälzers Auftritt bei Markus Lanz an, um nur mal ein prominentes Beispiel herauszugreifen.

  12. 9.

    Zuerst wurde gejammert, dass man überhaupt nicht öffnen darf... man könne doch wenigstens mit dem Abstand.... nun wird gejammert, dass man nur halb so viel besetzen kann und natürlich macht alle deswegen nur 50 Prozent Umsatz... demnach hatten also vorher immer alle volles Haus...das freut mich... ich hoffe nur, dass sich dies auch stets bei der Steuer bemerkbar gemacht hat. Und was die Personalien angeht... kaum vorstellbar, dass dies alle Läden prüfen... und überprüft wird ja in Berlin eh kaum noch etwas...das ganze ist für A.... und wird und medizinisch noch auf die Füße fallen.

  13. 8.

    Diese Leute gibt es noch immer, es wird nur weniger drüber berichtet. Genauso wie es den Klimawandel noch immer gibt, aber jetzt weniger drüber berichtet wird.

    Hier zum Beispiel ein Statement vom CCC zur Corona-App: https://www.ccc.de/en/updates/2020/corona-tracing-app-offener-brief-an-bundeskanzleramt-und-gesundheitsminister

  14. 7.

    Ich wünsche viel Erfolg und viele Gäste. Ich werde definitiv nicht dazugehören, denn ich sehe es gar nicht ein, meinen Personalausweis vorlegen zu müssen! Und wozu dienen die Masken? Sind diese mit Löchern oder muss man die Gabel unter die Maske schieben, um einen Happen zu essen? Ich halte das für sehr übertrieben und unverhältnismäßig und werde deshalb alles solange meiden, bis wieder Normalität in diesem Land eintritt!

  15. 6.

    Oooh, ich wollte nicht zweimal das gleiche schreiben. Hatte beim 1. keine Rückmeldung und dachte, der Text sei weggerutscht. Deshalb der 2. Text .

  16. 5.

    Ich frage mich da einfach nur mal was dazu die Datenschutz Beauftragten des Bundes oder der Länder so sagen oder die gesamte Masse an Menschen die in den letzten Jahren wegen der Kamera Überwachung, Massenhaftes sammeln von Telefon Daten usw auf die Straßen gegangen sind und hinter jeder Ecke den Polizeistaat gewittert haben? Wo sind all diese Bedenken jetzt wo ich Hinz und kunz meine Daten geben soll um ein Schnitzel mit Spargel essen zu wollen?

  17. 4.

    Gefällt mir, Die Schwierigkeiten werden aufgezeigt ohne Jammerton. Hoffentlich kommen viele Gäste, die nach dem Essen gehen,damit die nächsten Platz nehmen können. In anderen Zeiten hält man sich dort gerne länger auf weil es nett ist. Herr Khalaf, betrachten Sie ihr Servicepersonal nicht als Hilfssheriffs, sondern als aktive Unterstützer bei der weiteren Eindämmung. Die Mehrheit der Gäste wird es zu schätzen wissen, den wir wollen ja, dass nicht wieder geschlossen werden muss. Gutes Gelingen und viel Erfolg!

  18. 3.

    Ich finde diese Haltung gut. Nicht Jammern und trotzdem die Schwierigkeit benennen. Auf jeden Fall wünsche ich Erfolg und viele nette Gäste, die nicht zulange bleiben, damit die nächsten Platz nehmen können. Zu anderen Zeiten mag man sich dort nämlich gern länger aufhalten. Herr Khalaf, bitte sehen Sie Ihre Mitarbeiter im Service nicht als Sheriffs (kann ich verstehen), sondern als aktive Helfer bei der weiteren Eindämmung. Die Gäste werden das überwiegend mittragen. Gutes Gelingen!

  19. 2.

    Nach dem unsere „Altbundesbürger“ das DDR-Feeling im Schlangestehen hautnah erleben dürfen, gibt es jetzt die nächste Attraktion in der Gastronomie: „Bitte warten, Sie werden platziert!“
    Die Älteren erinnern sich ...?

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