Operationstechnische Assistentin (Quelle: Imago/Oberhaeuser)
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#Wiegehtesuns? | Die OP-Krankenschwester - "Für den OP-Bereich bedeutet Corona vorerst Entlastung"

Julia P. ist seit sieben Jahren Operationstechnische Assistentin an einem Berliner Krankenhaus – und findet ihre Arbeitsbedingungen in Zeiten von Corona besser als zuvor. Protokoll einer ungewöhnlichen Situation.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als viele andere Ereignisse zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Julia P. (Name von der Redaktion geändert), 29, arbeitet jahrelang unter teilweise sehr angespannten Verhältnissen als OP-Krankenschwester OTA (Operationstechnische Assistentin). Mit dem Coronavirus kam zunächst Verunsicherung, dann aber auch Entspannung in ihren Berufsalltag. So geht es Julia:

Obwohl ich als Operationstechnische Assistentin beruflich jeden Tag mit Krankheiten, Verletzungen und Eingriffen in den menschlichen Körper (und teilweise auch mit virusinfizierten Patienten) zu tun habe, hat mich das Aufkommen des Coronavirus doch sehr beunruhigt. Das Krankenhauspersonal weiß auch nicht, wie es sich in Zeiten der Pandemie privat genau verhalten soll, und welche Auswirkungen das Virus auf das Gesundheitssystem bzw. unsere Arbeit hat.

Zu den Corona-Maßnahmen, die wir im Krankenhaus konkret zu spüren bekommen haben, gehört die Absage aller elektiven, das heißt verschiebbaren Operationen. Es wird jetzt nur noch etwa halb so viel operiert wie vor Corona. Das hat für uns durchaus positive Folgen: Vor der Pandemie mussten wir tendenziell zu viele OPs mit zu wenig Personal durchführen. Jetzt haben wir mehr als genügend Personal für eine überschaubare Anzahl an Eingriffen pro Tag.

Vor dem Coronavirus musste ich etwa zwei bis acht Operationen pro Dienst als OTA betreuen. Zurzeit sind es etwa halb so viele. Die Maßnahmen sorgen also für eine Entlastung im OP-Bereich. Einige KollegInnen bauen gerade ihre angefallenen Überstunden ab. Wenn das Krankenhaus kein wirtschaftliches Unternehmen wäre, dann würde mein Berufsalltag nach dem Lehrbuch wohl genau so aussehen.

Als OTA gehört es zu meinen Aufgaben, den OP-Saal vor- und nachzubereiten, den operierenden ÄrztInnen zu assistieren sowie für geregelte Abläufe und Sterilität während einer Operation zu sorgen. Mit der Ausbreitung des Coronavirus kam es zu Lieferengpässen von Mund-Nasen-Schutzmasken und Desinfektionsmitteln. Das ist natürlich denkbar ungünstig, wenn man für die Sauberkeit und Sterilität im Operationssaal zuständig ist und derartige OP-Artikel knapper werden.

Glücklicherweise bin ich als Operationstechnische Assistentin nicht auf Corona-Stationen einsetzbar. Die Pflege und Behandlung auf der Corona-Intensivstation ist anspruchsvoll und körperlich wie mental sehr belastend, insbesondere, wenn man an die menschlichen Schicksale denkt, die einem hier begegnen.

Was das neue Corona-Krankenhaus anbelangt bin ich etwas skeptisch, ob die vielen Betten und Intensivstationen überhaupt gebraucht werden: Die Corona-Ansteckungszahlen sind derzeit erfreulicherweise relativ stabil. Und wer soll diese Stationen überhaupt versorgen? Meines Wissens mangelt es an qualifiziertem Personal für diesen Bereich.

Nach der Corona-Zeit wird unser Krankenhaus sicher zum Überbelastungsbetrieb zurückkehren, um die Ausfälle, die während der Pandemie entstanden sind, aufzuholen. Ich denke, dass das gesamte Gesundheitssystem und insbesondere der OP-Betrieb in alte Muster zurückfallen wird. Was die heutige Situation am Krankenhaus anbelangt, bleibe ich vorsichtig gelassen. Es ist schön, dass sich das Ansehen gegenüber dem Krankenhaus- und Pflegepersonal in Corona-Zeiten insgesamt so verbessert hat, dass für uns applaudiert wird, und die Menschen zu unserer Entlastung zu Hause bleiben. Andererseits ist es doch bedauerlich, dass es erst soweit kommen musste, bis die Bevölkerung auf die Wichtigkeit und die schwierigen Bedingungen unserer Arbeit aufmerksam geworden ist.

Gesprächsprotokoll: Victor Buzalka

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17 Kommentare

  1. 17.

    Ja, es ist wirklich schön, wenn Menschen die dringend ärztliche Versorgung benötigen zuhause bleiben, um die finanzielle Ausbeutung zu unterstützen. Da kommen mir wirklich die Tränen.

  2. 16.

    Das Grundproblem wird doch im Interview benannt:

    "Vor der Pandemie mussten wir tendenziell zu viele OPs mit zu wenig Personal durchführen. (...) Wenn das Krankenhaus kein wirtschaftliches Unternehmen wäre, (...)."

    Das sagt doch alles. Dagegen hilft kein warmer Applaus seitens der Bevölkerung oder der Politiker, sondern Rückverstaatlichung der privatisierten Krankenhäuser, Abschaffung der Fallpauschalen, Einführung und vor allem wirksame Kontrolle von vernünftigen Obergrenzen für Arbeitszeit und Patienten-Pfleger-Schlüssel, bessere Bezahlung gerade für die Pflegekräfte etc.

  3. 15.

    Spricht ja nichts dagegen wenn es zu 100 % gerechtfertigt ist. 20 Milliarden Menschen haben extrem Übergewicht. Wenn ich 40 - 50 Kg Übergewicht habe, dann leidet nicht nur der Kreislauf. Alle Gelenke sind enormen Belastungen ausgesetzt. Dann lasse ich mir Knie, Wirbelsäule und was sonst noch in Frage kommt durch OP so anpassen dass alles einiger maßen funktioniert. Abnehmen kommt dann als letzte Alternative in Frage. Ich hatte doch geschrieben, mir sind Fälle bekannt, nur werde ich sowas hier nicht öffentlich machen! Wie hier schon erwähnt wurde, Physio, kommt oft bei Einholung der zweiten Meinung in Frage. Viele wollen den schnellen Erfolg, die Hälfte ist danach enttäuscht! Es gibt auch Notfälle, von denen ist und war hier nie die Rede. Die dichtet man bei, zum stänkern.

  4. 14.

    Verstehe ich. Manchmal überfällt mich auch der Klugscheisser-Virus. Alte Erzieherinnen-Angewohnheit. Zum eigentlichen Interview: es ist dem Personal nur zu wünschen, dass möglichst oft stressfrei gearbeitet werden kann. Vielleicht -vielleicht motiviert die jetzige Lage Jugendliche "Helden-Berufe" zu erlernen. Dazu muss aber die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung her .

  5. 13.

    Das glaube ich nicht, das ich die einzige bin, die so denkt. Frag doch einfach nur die kranken, die eben auf ein neues Knie oder eine neue Hüfte hoffen! Oh man nee, ich kann nun mal nicht alles verallgemeinern!

  6. 12.

    Danke für den "OP - OP" Hinweis, bin halt auch nicht fehlerfrei! ;) Aber ich war so schockiert von dem ersten Kommentar, da besucht mich der Fehlerteufel schon ganz gern mal.

  7. 11.

    Du bist die einzige die in Europa so denkt, beruhigt dich das. Ich will hier keine fälle nennen die mir bekannt sind, das wir zu mühselig und würde den Rahmen sprengen! Aber es gibt seit Jahren Berichte darüber, dass zu viel und auch nicht immer gerechtfertigt operiert wird. Lesen, lesen, lesen...

  8. 10.

    Es wird definitiv oft unnötig operiert besonders im Bereich Orthopädie. Der Patient sollte sich immer eine zweite Meinung einholen. Das unterstützen sogar die Krankenkassen, bevor sie überflüssigerweise finanzieren müssen. Und nebenbei: der Plural von Op ist Op. ( Duden Grammatik...Plural Abkürzungen).

  9. 9.

    Also Roland, ihr Kommentar ist einfach nur beschämend. Wer bitte lässt sich freiwillig sein Knie aufschneiden, mit dem Hintergedanken es wird sowieso nichts. Die meisten Menschen gehen doch aufgrund der letzten Option zur OP und sind hinterher so dankbar das sich der Aufwand doch gelohnt hat! Und übrigens kenne ich eine alte Frau, die Anfang des Jahres zur Hüft OP musste, weil eben das alte ausgetauscht werden musste. Diese alte Frau läuft heute wieder " wie geschmiert " und OHNE Schmerzen. Fragt sich also, wer geistig nicht gesellschaftlich tragfähig! Bitte erst überlegen, bevor ich solch einen dämlichen Kommentar schreibe!

  10. 8.

    Eines stimmt, bei uns zahlt zwar nicht (unmittelbar) der Patient für seine Behandlung, dafür plündern andere die Krankenkassen. Die Zustände sind allgemein bekannt: Arbeitsüberlastung, schlechte Bezahlung, Werkverträge usw. Patienten sind eben nicht mit dem Arzt auf gleicher Augenhöhe. Es wird mehr Operationen zugestimmt als abgelehnt. So bekommt der Arzt keinen Ärger wegen nicht erfüllter Fallpauschalen, und der Kaufmann freut sich über Einnahmen. Vorschlag, damit wir (fast) alle so weitermachen können wie bisher: Die Pflegekräfte müssen sich täglich selbst beklatschen, z.B. bei Dienstbeginn und bekommen das ausgleichend von der Arbeitszeit abgezogen. Vorteile: Lohnkostensenkung, ich muss nicht auf den Balkon und bekomme eine Prämie für den Vorschlag Verbesserubg der Mitarbeitermotivation! Oder, gibt's das sogar schon?
    WIR haben noch immer nichts gelernt!
    So, Luft abgelassen.

  11. 7.

    Dazu kommt, das auch Physiotherapeuten sehr schlecht entlohnt werden, wie eben auch Pflegekräfte, Kurierfahrer, Kindergärtnerin und Kindergärtnerinnen, Unterstufenlehrer im Vergleich zu Gymnasial-Lehrkräften.
    Ich bezweifle ernsthaft, das die derzeitigen Ereignisse zu wirklichen Verbesserungen für die oben genannten Berufsgruppen führen werden...

  12. 6.

    Ein sehr guter Bericht von Frau P.! Ich gönne ihr von Herzen die verbesserte Arbeitssituation, auch wenn diese durch unschöne Umstände entstanden ist. Leider vermute ich auch, dass es nach Corona wieder weiterlaufen wird wie vorher, denn "aufgeschoben ist nicht aufgehoben"! Hier wäre jetzt endlich mal die Politik gefordert, dass Gesundheitssystem zu entwirtschaften und an ihre jetzigen Versprechen zu denken. Statt für mehr Personal zu sorgen, wird in Windeseile ein C-KH aufgebaut, was sehr wahrscheinlich nie gebraucht werden wird, statt das Geld in notwendige Anschaffung von Personal und v.A. Arbeitsmaterial zu investieren. Liebe Fr.P., ich denke schon, dass das Ansehen des Personals bei der Bevölkerung auch vor Corona vorhanden war. Wichtig wäre jetzt, dass die Politik erkennt, was Sache ist und von ihrem Sparwahn im Gesundheitssystem abrückt! Ihnen alles Gute!

  13. 5.

    Lesen und begreifen!! Wenn ich eine OP will, mit der ich danach so rum laufe wie zuvor, dann muss ich mich hinterfragen, bin ich geistig für diese Gesellschaft noch tragbar?

  14. 4.

    UNFASSBAR !!!
    Es stimmt ja vielleicht, dass zu oft oder eventuell sogar unnötig operiert wird, aber das liegt doch nicht am Patienten! Das liegt am System, weil Gewinne erwirtschaftet werden müssen und OPen bringen nunmal Geld. Es wird sogar -ich betone (!)- gemunkelt, dass mache Ärzte im KH Vorgaben für eine bestimmte Anzahl an OP von oben bekommen oder andere Ärzte "Belohnungen", wenn sie Patienten zur OP raten. Wie gesagt, nur gemunkelt, nicht meine Meinung! Selbst wenn dem nicht so ist, ist der Patient wohl kaum in der Lage, selbst zu entscheiden, ob eine OP nötig ist und ob sie den erwünschten Erfolg bringt. Was bleibt einen denn übrig, wenn der Arzt zu einer OP rät, um den Leidensdruck zu mindern oder bestenfalls zu beseitigen? Im Übrigen können auch Ärzte im Vorfeld keinen OP-Erfolg garantieren!
    Sie scheinen ein sehr glücklicher Mensch zu sein und blieben bisher von notwendigen OPen verschont.
    Trotz Ihres Kommentars sei Ihnen zu wünschen, dass es so bleibt!

  15. 3.

    Nun ja, ganz unrecht hat er leider nicht! In Deutschland wird viel zu oft und viel zu schnell zum Skalpell gegriffen, statt herkömmliche Heilmethoden wie Physiotherapie zu nutzen. Das ist oft eben nicht zum Nutzen des Patienten und wird durch falsche Anreize in der Bezahlung der Kliniken gefördert. Die können von den althergebrachten und vorsorglichen Behandlungen nämlich schlicht nicht überleben, weil OPs die Haupteinnahmequelle sind. Darüber schweigen die Kliniken natürlich lieber, um nicht in ein schlechtes Licht beim Patienten zu rutschen. Es ist aber durchaus fraglich, wenn 85-Jährige neue Hüften erhalten, die am Ende ihre Mobilität nicht mal verbessern. Das ist kein Aufruf, alten Menschen Behandlungen zu verweigern. Es muss aber eine klare Verbesserung erreichen! Ob eine Selbstkostenbeteiligung der richtige Weg wäre, ist natürlich fraglich. Der Nutzer schrieb ja auch extra "vielleicht". Eine Lösung kann nur die Politik herbei führen.

  16. 2.

    Unglaublich ihr Kommentar, ich hoffe das Sie selbst nicht mal davon betroffen sein werden. Wir können froh sein, das wir ein soziales System wie hier in Deutschland haben. Das kann nicht sein und das darf nicht sein, das Operationen wie in den USA oder Kanada vom Geldbeutel der Betroffenen abhängig ist. Das würde bedeuten das Reiche sich das leisten können und arme Leute wie ich nicht. Jeder Patient kann selbst entscheiden ob er den Eingriff mitmacht oder nicht.

  17. 1.

    Es wird in Deutschland zu viel operiert, das hat sich weit über die Grenzen rum gesprochen. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken ob eine Selbstkostenbeteiligung die überflüssigen Operationen eindämmt. Oft steht schon fest, Heilungschancen ca. 50 %, oder 70 %, vielleicht auch 00,0 % nach der OP. Bis 100 % hat der Betroffene dann die Summe selbst zu tragen. Wenn ich mich bei 50 % genau so weiter bewegen kann, dann kann ich das auch sein lassen. So ein Irrsinn gehört überhaupt verboten! Und wenn ich mich aus Spaß an der Freud aufschnibbeln lassen will, dann kostet dass. Manchmal auch 20 000 €. Ich hatte mal ein Erlebnis auf einem Dorf, da sind 10 % der Bürger mit einer Zervikal-Stütze rum gelaufen. Wie bei einer Epidemie, hatten die auf einmal alle HWS-Syndrom. Der Arzt war da neu!

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