Medienberater Gunnar Krüger (Quelle: privat)
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#Wiegehtesuns? | Arbeit im Home Office - "Wir haben alle zu tun, das hört überhaupt nicht auf"

Gunnar Krüger ist als selbständiger Medienberater gut im Geschäft, viele Auftraggeber rüsten digital nach. Zurzeit arbeitet er im Home Office, auch um den neunjährigen Sohn zu betreuen. Protokoll eines Arbeitsalltags zwischen Nachwuchs und Laptop.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als jedes andere Ereignis zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen uns Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Gunnar Krüger, 50, arbeitet seit 25 Jahren als selbstständiger Medienberater und im Bereich Informationstechnologie, Interfacedesign. Er lebt mit seiner Frau und seinem neunjährigen Sohn in Berlin-Pankow. So geht es Gunnar:

Zurzeit sind meine Tage extrem vollgepackt. Solange meine Frau arbeitet, passe ich tagsüber auf unseren Sohn auf. Ich beschäftige und versorge ihn, er kann ja nicht in die Schule. Zum Arbeiten komme ich dann erst gegen späten Nachmittag, wenn meine Frau ihn übernimmt. Das ist für uns beide sehr Kräfte zehrend.

Ich bin selbstständig im Bereich Medienberatung und Informationstechnologie tätig. Wir haben ein Gemeinschaftsbüro, von vier Leuten arbeiten drei im Home Office, weil es familiär gar nicht anders geht. Wir haben alle zu tun, das hört überhaupt nicht auf. Aus unterschiedlichen Richtungen kommen plötzlich neue Aufträge. Ich habe den Eindruck, es werden auch einige Budgets in den digitalen Bereich verlagert.

Außerdem unterrichte ich an einer großen Schule für Gestaltung in der Schweiz. Vom Tag der Schließung an hatte ich dort den Auftrag, mit einem Support-Team den Unterricht über "Distance Learning" am Laufen zu halten. Das ist im Moment sehr herausfordernd. Mir war nicht bewusst, wie wenig sich einige Teile der Schule mit Themen wie Digitalisierung und Fernunterricht auskennen. Das trifft aber auch auf andere Projekte zu.

Es gibt in den Unternehmen oft eine Diskrepanz zwischen denjenigen, die für die IT-Technologie zuständig sind, sich also gut auskennen, und den Führungskräften. Die finden sich plötzlich in Video-Meetings ohne Ende wieder, müssen sich mit digitalen Plattformen auseinandersetzen. Und das kostet dann halt viel Zeit. Für mich selbst ist diese Art von Flexibilität normal, ich arbeite oft im Home Office und in vernetzten Prozessen. Aber ich bin zu Hause im Moment auch noch zugleich Restaurant, Schule und Hort. Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass wir das in unsrer Familie länger als drei, vier Wochen vernünftig durchhalten. Dann brauchen wir definitiv eine Pause.

Diese ganze Situation um Corona ist natürlich ein einschneidendes Erlebnis, als ob sich etwas Bahn bricht, das man sonst aus dystopischen Filmen kennt. Die Welt geht zwar nicht unter, es gibt jedoch eine Einschränkung von Bürgerrechten. Und die sollte man schrittweise wieder zurückkriegen.

Ich finde, wir sollten nicht ständig auf Epidemiezahlen gucken. Die lassen sich eh nicht ändern – außer indem man zu Hause bleibt. Man kann diese Zeit aber gut nutzen, um einen klaren Blick auf einzelne pragmatische Aspekte der digitalen Zusammenarbeit zu kriegen.

Es wird jetzt viel darüber geredet, dass man sich zum Beispiel Dienstreisen sparen kann, weil es diese tollen Video-Meetings gibt. Man wird sehen, was nach Corona davon übrigbleibt. Verändert sich unsere Arbeitswelt oder die Art, wie gelernt wird, deutlich? Oder sagen einfach alle nach der Krise: Ich hätte es eher gerne wieder wie früher. Das finde ich gerade spannend.

Gesprächsprotokoll: Ula Brunner

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12 Kommentare

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  1. 11.

    Vielleicht sollte er mal aufhören zu heulen und sich freuen, dass er überhaupt noch einen Job hat...

  2. 10.

    Diese peinlichen egoistischen Kommentare hier sind einfach nur zum k....
    Aber mal abwarten ob ihr in 4 Wochen überhaupt noch schreiben könnt hier, wenn alles zusammengebrochen ist.

  3. 9.

    1 Kind, 9 Jahre und beide Elternteile am Ende ihrer Kräfte...Der ist wirklich gut, sehr gut...

  4. 8.

    Dieser Medienberater beschreibt den Alltag von Müttern, die auf sich allein gestellt sind und dass mehr als nur 4 Wochen.
    Er hat ja nur den Hort, die Schule und das Restaurant zu managen, die Mütter haben auch noch den Haushalt zu erledigen, den der Herr anscheinend nicht machen brauch. Seine Tätigkeit als Medienberater kann er sich auch noch einteilen, er muss sich nicht ständig von Vorgesetzten anhören, man sei ja faul, weil man noch ein Kind versorgen muss und deswegen nicht nach 18 Uhr und am Wochenende verfügbar ist. Außerdem hat er auch noch eine Frau die sich mit um das gemeinsame Kind kümmert, den Luxus hat nicht definitiv nicht jeder.

  5. 7.

    Antwort zu 3 und 4. Es gibt tatsächlich beides. Mit dem überforderten Medienberater hat es es nicht zu tun- das war der Anlass. Problematisch ist die schlecht personelle Ausstattung mit ausgebildeten Lehrkräften. Einige davon können das nicht und die vielen Quer- und Seiteneinsteiger können meiner Erfahrung nach z.T. ein bisschen besser digital arbeiten, aber die können in keiner Weise adäquaten Stoff auswählen und vermitteln. Woher sollen sie didaktische und methodische Kenntnisse haben. Auch ich mache mir große Sorgen um diejenigen SuS , die ohne Unterytützung zurückgelassen werden.

  6. 6.

    Ein Kind ,9 Jahre, Home Office und Job,für beide kräftezehrend , nun gut ,lassen wir mal so stehen !!!

  7. 5.

    Liegt es in der Natur des Autos zu polemisieren und zu dramatisieren? Er redet von dystopischen FIlmen und der Einschränkung von Bürgerrechten. Ja, unsere Bürgerrechte sind temporär eingeschränkt, das wird sich aber bald wieder geben. Nein, das ist nicht der Beginn des 4. Reichs.

    Letztendlich scheint es dem Autor jedoch nur um die ungewollte, zusätzliche Belastung der Kinderbetreuung zu gehen. Das mutet schon ein Stück weit traurig an. Denn auch vor Corona musste sich ja jemand um das Kind kümmern. Aber da waren vermutlich Kita, etc. zu Stelle. Aber mal ehrlich, ein 9-jähriges Kind versteht schon einiges und man kann es gut beschäftigen. Das der Autor damit nah am Rand der Überforderung steht, tut mir leid für ihn.

    Und ich weiß nicht ob es ihm aufgefallen ist, aber gut handhabbare Videokonferenzen gibt es seit gut 20 Jahren. Telefonkonferenzen sogar noch länger. Traurig das er diese Kommunikationsform erst jetzt entdeckt.

  8. 4.

    Negativbeispiel Ihrerseits. Andere erleben Besseres. Man ist abhängig von dem, wie jeder einzelne Lehrer es selbst daheim schafft und im Generellen tickt. Ein Chaot, der schon vor der Krise kaum hinterherkommen konnte, steht jetzt bestimmt mächtig unter Druck. Und sind eigene Kinder die ganze Zeit in der Nähe, wird es nicht besser. Eine durchgeplante Singleperson beißt sich derzeit gewiss besser durch und kann als Lehrer gut agieren.
    Sich zu ärgern, ist verständlich. In anderen Fällen läuft alles gut ab und Lehrer bemühen sich.

  9. 3.

    Ich kann Ihnen sagen, wie es bspw. die Grundschullehrerin unseres Kindes macht.... Sie macht GAR NICHTS. Unser Kind und auch alle anderen 900 Kinder unsere Grundschule haben vor der Schließung ein paar Aufgaben mitbekommen und das wars. Die haben für eine Woche gereicht. Die Lehrkräfte haben sich dann nicht mehr gemeldet. Von Kontakthalten kann nicht die Rede sein. Auch wenn ein paar Vorzeigeschulen in den Medien das Gegenteil suggerieren sollen. Auch auf Nachfrage kam nichts Wesentliches. Die Schulaufgaben und Beschulung übernehmen jetzt komplett wir Eltern. Ich persönlich kann das unter großer Kraftanstrengung neben meiner Berufstätigkeit leisten. Aber was ist mit Kindern, die dieses Glück nicht haben? Was ist mit dem Recht auf Bildung unserer Kinder?

  10. 2.

    Die eingeforderte Pause sind die Schulferien... denn zu Schulzeiten gibts noch zusätzlich so viele Aufgaben vor allem in Nebenfächern, dass man damit bis in die Nacht sitzt. Die Lehrer meinen, die Schüler könnten sich das Neue alleine beibringen. Gut, dann brauchen wir ja NIE Schule, oder? Und Lehrer? Wenn das so einfach ist.
    Im Homeoffice ist alles langsamer, weniger gut ausgestattet, nervt natürlich auch nach 4 Wochen...

  11. 1.

    Es ist sicher eine Aufgabe einen 9jährigen täglich zu versorgen, zu beschäftigen und zu bilden. Wurde vor corona nicht gekocht usw. Können 9jährige sich schon eine gewisse Zeit selbst beschäftigen- zumal wenn sie Zugang zu digitalen Möglichkeiten haben wie Chats mit Freunden. Es ist klar das ersetzt nicht den normalen Alltag. Wie machen es die Lehrer/innen, die mit den schlechten digitalen Vorrausstzungen der öffentlichen Schulen zurechtkommen müssen, den Kontakt zu im Schnitt100 Schülern halten müssen (inISS oder Gym als Klassen-und Fachlehrerin) und zu Hause auch ein Grundschulkind und 2 Kindergartenkinder haben.? Davon kenne ich in der Familie und im Kolleginnenkreis etliche. Die sind auch manchmal müde -aber sie wissen, dass sie das länger als 3-4 Wochen schaffen können. Dieses Interview beschreibt "Jammern auf hohem Niveau". Die individuelle Wahrnehmung ist immer sehr unterschiedlich.

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