#Wiegehtesuns? | Quarantäne mit vier Kindern - "Wir haben jetzt schon das zweite Weihnachtsfest isoliert verbracht"

Mo 10.01.22 | 11:44 Uhr
Symbolbild: Weihnachten in Quarantaene (Quelle: Fotostand / K. Schmitt)
Bild: Fotostand/K. Schmitt

Schon zum zweiten Mal musste Viola mit ihrem Mann und den vier Kindern Weihnachten isoliert verbringen. In dieser Woche endet die dreiwöchige Quarantäne. Während der Feiertage hatten in diesem Jahr beide Eltern mit Symptomen zu kämpfen. Ein Gesprächsprotokoll.

Noch immer stellt das Corona-Virus unser Leben auf den Kopf. In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Viola ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren - drei Jungs und ein Mädchen. Die Familie lebt in Berlin-Pankow und beide Eltern sind berufstätig. Nach mehr als drei Wochen endet diese Woche ihre Quarantäne. So geht es Viola.

Glücklicherweise haben wir eine Wohnung, in der fast jedes der Kinder ein eigenes Zimmer hat und wir haben einen kleinen Hof. Denn wir waren seit dem 19. Dezember in Quarantäne.

Erst waren wir alle in vorsorglicher Selbstisolation, weil unsere zehnjährige Tochter einen positiven Corona-Schnelltest hatte. Anfangs haben wir vor allem unsere Tochter isoliert. Die Geimpften – wir Eltern und unser ältester Sohn – mussten nicht offiziell in Quarantäne. Aber meine beiden kleinsten Kinder schon.

Kurz darauf hatten aber auch eins der kleineren Kinder und ich positive Tests. Und wenig später auch mein Mann. Wen es nicht erwischt hat, ist unser kleinster und unser großer, zwölfjähriger, Sohn. Letzterer hat ein ausgebautes Kellerzimmer etwas abseits und hat sich dann dort in seine eigene kleine Isolation begeben – sodass wir Infizierten uns dann frei im Rest der Wohnung bewegen konnten. Das heißt: Der Gesunde war bei uns der Isolierte. Er fand es aber auch ganz cool, ein bisschen seine Ruhe vor uns zu haben. Aber es war auch seltsam, ihn bei gemeinsamen Aktivitäten im Wohnzimmer - einmal haben wir Disko gemacht - nicht dabei zu haben. Er und seine genesene Schwester gehen aber jetzt seit dem Schulstart nach den Weihnachtsferien wieder zur Schule.

Unser Heiligabend war einerseits entspannt, weil wir keinerlei gesellschaftlichen Druck hatten. Aber andererseits bin ich beispielsweise wirklich gar nicht in Weihnachtsstimmung gekommen. An Heiligabend war ich glücklicherweise noch gesund. Mein Test war erst am 25.12. positiv.

Für die Kinder war Weihnachten trotz allem ganz schön, glaube ich. Obwohl an Heiligabend unsere Tochter in ihrem Zimmer isoliert war. Wir haben sie nur zum Weihnachtsbaum schmücken kurz geholt: Ich habe mit den drei Jungs angefangen zu schmücken, dann sind sie in ihre Zimmer und wir haben mit unserer Tochter – mit Masken und bei offener Balkontür – den Baum fertig geschmückt. Zur Bescherung später war sie auch kurz dabei. Da haben wir dann alle FFP2-Masken getragen. Da die Kinder so aufgeregt waren wegen ihrer Geschenke, war das für sie trotzdem schön. Aber ich habe mir das angeschaut und hätte wirklich heulen können. Unsere arme Tochter. Sie musste ja, obwohl es der Weihnachtsabend war, gleich wieder allein auf ihr Zimmer. Hätten wir da schon gewusst, dass wir am nächsten beziehungsweise übernächsten Tag positiv sein würden, hätten wir uns das natürlich sparen können.

Ich habe mir das angeschaut und hätte wirklich heulen können. Unsere arme Tochter. Sie musste ja, obwohl es der Weihnachtsabend war, gleich wieder allein auf ihr Zimmer

Viola, Mutter von vier Kindern

Besonders bitter ist: Wir haben jetzt schon das zweite Weihnachtsfest isoliert verbracht. Letztes Jahr waren in der Kita unseres kleineren Sohnes mehrere Erzieher erkrankt. Da wurde die ganze Kita-Gruppe in Quarantäne geschickt und wir haben uns mit isoliert – waren aber alle gesund. Das war schon ein großer Unterschied. Außerdem war da sowieso Lockdown für alle. Gefühlt konnte keiner viel machen. Niemand ging in die Kirche und keiner traf sich mit vielen Leuten. Das war jetzt schon anders. Gefühlt haben sich alle mit Freunden und der Familie getroffen, waren auf dem Weihnachtsmarkt – nur wir nicht.

Die Quarantänezeit war schon wirklich anstrengend. Obwohl die Kinder natürlich mehr Fernsehen geschaut haben als sonst. Anders ging das gar nicht. Nur so kann ich mal in Ruhe kochen oder einen Kaffee trinken. Wir haben außerdem versucht, den Tagen eine gewisse Struktur zu geben. Essen, spielen, auf den Hof gehen, Fernsehen schauen: Es ist alles ein bisschen getaktet, damit sich die Tage nicht so ewig lang anfühlen. Es ist aber insgesamt natürlich gut, dass die Kinder einander haben. Sie spielen viel zusammen. Aber wir Eltern sind natürlich trotzdem im Dauereinsatz. Einer muss sich auf jeden Fall mit dem ganz Kleinen beschäftigen. Außerdem müssen Streit geschlichtet, sich um den Haushalt gekümmert und alles andere gemanagt werden. Wenn die Kinder dann gegen 20:30 Uhr alle in ihren Betten sind, sind wir aber eigentlich auch zu nichts mehr in der Lage.

Ich habe mich schon gefragt, ob ich, wenn ich dann nach gut drei Wochen Quarantäne, bald wieder unter Leute gehen darf, noch normal mit erwachsenen Menschen umgehen kann. Manchmal wird man schon ein bisschen bekloppt. Den Kindern merkt man das – besonders jetzt zum Ende hin - schon auch an. Sie werden viel schneller sauer und schreien auch mal richtig rum. Jetzt ist echt die Luft raus.

Welche Corona-Variante uns erwischt hat, wissen wir übrigens nicht. Wenn ich mir die Symptome so anschaue, tippe ich auf Delta. Aber das ist eine reine Mutmaßung. Auch wenn wir alle einen sogenannten leichten Verlauf hatten, war es schon hart, als Eltern gleichzeitig infiziert zu sein. Denn es ging uns Erwachsenen ein paar Tage lang richtig schlecht. Ich hatte Fieber und Schüttelfrost und habe mich so samt Kind zur Teststation geschleppt. Wieder zuhause habe ich mich ins Bett gelegt und war zu fast nichts zu gebrauchen.

Da mussten die Kinder, die keinerlei Symptome hatten, sich auch ein wenig umeinander kümmern. Meinem Mann ging es einen Tag zeitversetzt ähnlich. Obwohl wir beide doppelt geimpft sind. Unsere Nachbarn haben uns in dieser Zeit ganz toll versorgt. Sowohl mit Medikamenten als auch mit frischen Sachen. Eine Nachbarin hat uns auch einen Kuchen hingestellt. Es fand auch eine Tüte mit Hörspielen für die Kinder den Weg zu uns. Den Rest haben wir über einen Lieferservice bestellt. Aber wirklich etwas abnehmen konnte und durfte uns natürlich niemand.

Übermorgen, genau mit dem Ende unserer Quarantäne, hätten wir Eltern unseren Booster-Termin gehabt. Aber jetzt sind wir sozusagen Natur-geboostert. Noch bin ich, obwohl ich sonst ziemlich aktiv bin, sehr kurzatmig. Fast, als wäre ich hochschwanger. Das ist ziemlich anstrengend, wenn man vier Kinder hat und ich hoffe, dass das bald aufhört.

In die Zukunft schaue ich mit gemischten Gefühlen. Für die anstehende Omikron-Welle habe ich einerseits das Gefühl, dass wir für die nächsten Monate halbwegs auf der sicheren Seite sind. Aber es fällt mir andererseits schwer zu glauben, dass nach Omikron dann wirklich bald das Ende der Pandemie da sein könnte. Da ist mein Optimismus gerade etwas gebremst. Alles bleibt so unwägbar. Das geht schon so lange und ich fühle mich wirklich erschöpft.

Gesprächsprotokoll: Sabine Priess

Sendung: Fritz, 10.01.2022, 09:30 Uhr

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