#wiegehtesuns | Der Weihnachtsmann - "Ich bemerke bei den Menschen eine neue Sehnsucht"

Fr 24.12.21 | 09:13 Uhr
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Stephan Antczack alias Weihnachtsmann Stippi (Quelle: privat)
Bild: Privat

Weihnachtsmann Stippi hat schon im letzten Jahr wegen der Pandemie draußen beschert - eine neue Erfahrung. Jetzt ist er erneut mit Rauschebart und roter Mütze unterwegs - und begegnet einer ungewohnten Sorglosigkeit in vielen Familien. Ein Gesprächsprotokoll.

Im März 2020 gab es die ersten Corona-Fälle in Berlin und Brandenburg. Seither stellt das Virus unser Leben auf den Kopf. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir? In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen, wie sich ihr Alltag seither verändert hat.

Stephan B. Antczack ist seit 19 Jahren als Weihnachtsmann in Berlin unterwegs - wegen der Pandemie ausschließlich draußen. Der Theaterpädagoge, Bezugsbegleiter und Künstler musste auch den Tod seiner Mutter verkraften, die an Covid-19 verstorben ist. Bereits im letzten Jahr hat er rbb|24 von sich erzählt. Nun überredet Stippi so manch sorglose Familie, zum Feiern wieder nach draußen zu gehen. So geht es dem Weihnachtsmann in diesem Jahr:

Im letzten Jahr haben wir Kinder und Familien beschert. Wegen Corona haben wir – mein Engel und ich - die Bescherungen nur draußen gemacht. Mit Abstand. Es war kalt, feucht und fröhlich, aber nicht feucht-fröhlich. Die Erwachsenen hatten Angst vor Ansteckungen und haben alles mitgemacht, und es war auf eigene Weise schön gewesen. Es ist eine neue Erfahrung, sich aufzumachen, gemeinsam rauszugehen, draußen in der Kälte an der frischen Luft zu singen. Manchmal auch mit heißem Kakao oder Glühwein.

Letztes Jahr war kurz vor Weihnachten meine Mutter an Corona gestorben. Sie fehlt mir. Kürzlich sah ich ihre letzte Nachricht: Ein großes rotes Herz. Das tut weh, aber der Schmerz gehört zum Leben.

Dieses Jahr gibt es wieder Veränderungen. Mein Weihnachtsmannkostüm passt mir wieder. Ich habe im letzten Jahr gut 40 Kilo verloren. Denn der Weihnachtsmann aß wirklich viel zu gerne Süßes und liebte süße Getränke - auch Cola. Deshalb war ich im Frühjahr zu einer Therapie in Oberstdorf, in Bayern. Jetzt isst der Weihnachtsmann vor allem Salat und Frischkornbrei.

Ich bemerke bei den Menschen eine neue Sehnsucht. Letztes Jahr hatten alle Angst vor Ansteckungen. Jetzt fühlen sie sich sicher, weil sie geimpft sind und wollen keine Bescherung außerhalb der Wohnung: "Komm doch zu uns herein - wir sind alle geimpft – bis auf die Kinder." Und Oma und Opa und Tanten und Onkels und alle sind da. Sie fragen gar nicht, ob denn der Weihnachtsmann geimpft ist, sie denken nun, sind sie sicher.

Das stimmt nicht.

Wenn Geimpfte singen, fliegen die Aerosole mit Viren durch die Gegend und selbst Geimpfte können ansteckend sein, wie wir wissen. Deshalb sagen wir "Zieht euch warm an! Wir bescheren in kalten Zeiten unter freiem Himmel! Eine Bescherung an der frischen Luft, macht das Fest gemütlicher."

Gegen Tröpfcheninfektion hilft vor allem Abstand, ob geimpft oder nicht. Ich habe keine Lust, beim Eintritt in eine Wohnung von jedem den Impfpass oder die Corona-App zu kontrollieren. Draußen kann ich mit Blick auf das Infektionsgeschehen auch keine Unterschiede machen. Ich komme, treffe jede Familie, die mich bestellt an der frischen Luft, im Garten, auf der Terrasse oder im Park.

Ein schönes Weihnachtsfest - das geht draußen genauso gut, wie drinnen. Und die Kinder haben ein Weihnachtsfest mehr als verdient nach dem letzten Jahr.

Ich habe in meiner anderen Tätigkeit als Theatertherapeut an einer Schule Überraschendes wahrgenommen. Die Kinder haben sich nach dem Lockdown regelrecht auf Ihre Lehrer:innen gefreut. Eigentlich wäre das eine Lehre aus Corona: die Schulpflicht auf zwei oder drei Tage in der Woche reduzieren. Ein Tag davon für außerschulische Lernorte, wie praxisangeleitetes Lernen bei Mama im Büro oder Papa auf Arbeit, Besuch im Theater, Kino, Museum. Zwei Tage dürften die Kinder zu Hause chillen und duddlen - so lernen sie heutzutage …

Alle wären entspannter: Lehrer:innen, Eltern und die Kinder. Wenn wir uns dann noch zuhören und unsere Wünsche ernst nehmen würden, könnten wir eine glückliche, kinderfreundliche Gesellschaft erleben.

Gesprächsprotokoll: Cosima Jagow-Duda

Sendung: Abendschau, 24.12.21, 19:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Haben Sie bitte noch etwas Geduld...und Ja es ist nicht leicht zu verstehen. Dieser Virus ist für alle, auch für unsere Wissenschaft, ganz neu und bildet im ganzen Infektionsgeschehen leider schnell Varianten. Die Impfungen können nicht so schnell angepasst werden.
    Bei der normalen Virusgrippe ist es doch auch so, dass jedes Jahr neu geimpft werden muss und auch da sind nicht immer alle Varianten abgedeckt. Tröstlich, die persönliche Immunabwehr wird durch jede Impfung besser.

  2. 1.

    Was ist das für ein sinnloser Bericht? Kopfwäsche?
    Sie haben gesagt, bist du geimpft (ich jetzt 3x), musst du nichts mehr fürchten. Nun schränken sie mich wieder ein. Sanktioniert die Impfgegner!!! Und alles wird gut. Hört auf, das Leben der Geimpften einzugrenzen!!! Ich lasse das ab jetzt nicht mehr mit mir machen...

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