#Wiegehtesuns? | Der Blutspendedienst - "Wir können nur appellieren: Kommt Blutspenden"

Do 21.05.20 | 10:19 Uhr
Rita Szymanowski DRK-Blutspendedienst Nord-Ost (Quelle: privat)
Bild: privat

Während des Lockdowns hat sich Rita Szymanowski gewundert und gefreut, wie viele Menschen zur Blutspende gekommen sind. Jetzt ist wieder etwas Normalität eingekehrt, und die Spenden gehen zurück. Dabei werden sie dringend gebraucht. Ein Protokoll.

Das Coronavirus stellt unser Leben auf den Kopf. In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen, wie ihr Alltag gerade aussieht – persönlich, manchmal widersprüchlich und kontrovers. rbb|24 will damit Einblicke in verschiedene Gedankenwelten geben und Sichtweisen dokumentieren, ohne diese zu bewerten oder einzuordnen. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Rita Szymanowski ist leitende Schwester in der "Entnahme" in Berlin und Potsdam beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. Sie hat zwei Kinder und drei Enkelkinder. So geht es Rita:

Ich wollte schon immer Krankenschwester werden. Das war von Kind an mein Herzenswunsch. Seit 15 Jahren arbeite ich beim DRK-Blutspendedienst. Es ist eine schöne Arbeit: Blut ist das, was man von Mensch zu Mensch geben kann.

In Berlin und Brandenburg haben wir stationäre Blutabnahme-Stationen, aber wir sind überwiegend mobil unterwegs. Wir haben einen LKW, darin ist unser Equipment: Materialien, Blutbeutel, Blutröhrchen, Notfallausrüstung, alles, was wir brauchen. Wir fahren an unterschiedliche Orte innerhalb Berlins und im gesamten Land Brandenburg. Dort können wir geeignete Räume in Bezirksämtern, in Schulen oder in Betrieben nutzen. Wir bauen alles auf, und wenn wir damit fertig sind, kann es losgehen.

Corona ist schon eine Herausforderung für unsere Arbeit. Wir müssen auf viele Sachen Rücksicht nehmen: Händewaschen, desinfizieren, Mundnasenschutz tragen, Abstand halten – das gilt für uns wie für die Spender. Es war für alle eine Umstellung, aber alle Kolleginnen und Kollegen sind positiv motiviert.

Wer Blut spenden will, muss sich vorher im Internet anmelden. Wir machen vor Ort eine Einlasskontrolle mit einer kleinen Anamnese. Wir messen die Körpertemperatur, fragen nach, ob jemand mit Erkrankten in Kontakt war. Das ist schon der erste Schutz, damit niemand mit Symptomen in unsere Räume kommt. Durch die Abstandsregelungen kommt es natürlich zu Wartezeiten. Unsere Arbeit ist aufwendiger geworden, aber wir bleiben freundlich, denn die Spender sollen sich auch in dieser Situation wohlfühlen. Wir wollen sie natürlich gerne regelmäßig wiedersehen. Das sind engagierte Leute, die anderen helfen möchten.

Angst, mich anzustecken, hatte ich nie. Blutspenden werden übrigens nicht auf SARS-CoV-2 untersucht, da eine Übertragung durch Blut derzeit nicht anzunehmen ist.

Was uns gewundert und gefreut hat: Während des Lockdowns gab es keinen Rückgang an Spendern – im Gegenteil. Es kamen viele Spender und Spenderinnen, viele auch zum ersten Mal. Sie wollten etwas Gutes tun und uns helfen. Die Resonanz war sehr groß.

Doch seit der Lockdown vorbei ist, kommen weniger Leute zum Blutspenden. Die Normalität kehrt etwas zurück, viele kehren aus dem Home Office an ihren Arbeitsplatz zurück, Geschäfte sind geöffnet. Aber unser Bedarf an Blutspenden steigt gerade jetzt, denn die Krankenhäuser operieren wieder mehr.

Blutprodukte sind nur begrenzt haltbar, deswegen können nicht langfristig Vorräte angelegen. Wir brauchen alles frisch. Wenn wir die Versorgungslage stabil halten wollen, brauchen wir unsere Blutspender umso mehr.

Uns wird Corona noch lange begleiten und wir können nur appellieren: kommt Blutspenden. Es wird lange keine wirkliche Normalität geben.

Wie geht es Ihnen? Wie sieht Ihr Alltag gerade aus? Erzählen Sie rbb|24 Ihre Geschichte in Zeiten von Corona! Einfach eine Mail schicken an internet@rbb-online.de. Wir melden uns bei Ihnen.

Gesprächsprotokoll: Ula Brunner

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