Protest in Prenzlauer Berg - Anwohner wehren sich gegen Vereinnahmung der Gethsemanekirche

Mo 14.02.22 | 20:46 Uhr
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Menschen stehen am 14.02.2022 bei einer Kundgebung vor der Gethsemanekirche. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: rbb24 | 14.02.2022 | Tom Garus | Bild: dpa/Christophe Gateau

Die Gethsemanekirche ist einer der wichtigsten Orte der Friedlichen Revolution von 1989. Immer wieder versammeln sich Gegner der Corona-Maßnahmen an diesem historischen Ort zu Protesten. Die Anwohner antworten mit einer Gegenveranstaltung.

Zahlreiche Anwohner haben am Montagabend in Berlin-Prenzlauer Berg gegen eine Vereinnahmung der Gethsemanekirche durch Gegner der Corona-Politik protestiert.

Auch Prominente und Politiker beteiligten sich an der Demonstration an der Kirche, wie etwa Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, der frühere Präsident des deutschen Bundestags, Wolfgang Thierse (beide SPD), und die ehemalige Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler. "Ich finde das richtig gut, dass Anwohner sagen, wir wollen nicht, dass die Gethsemanekirche in einen Kontext gestellt wird, der Diktatur verharmlost", sagte Geisel bei der Demonstration. Er wolle die Anwohner unterstützen, Haltung zu zeigen.

Wenn Impfen als Vorwand genommen werde, um Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit anzugreifen, "dann hört für mich der Spaß auf", sagte Birthler dem rbb. "Und dann bin ich auch nicht traurig, sondern wütend, weil ich die Gefahren kenne", so die einstige DDR-Bürgerrechtlerin.

Bausenator Andreas Geisel am 14.02.2022 vor der Gethsemanekirche. (Quelle: rbb)
Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) | Bild: rbb

Erklärung zum Schutz der Demokratie

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Proteste gegen die Corona-Maßnahmen haben zahlreiche Prominente in einer gemeinsamen Erklärung zum Schutz der Demokratie aufgerufen. Es sei besorgniserregend, dass die Protestierer "zuweilen im Verbund mit bekannten Pandemie-Verharmlosern und rechtsgerichteten Netzwerken" eine angebliche "Corona-Diktatur" herbeizureden versuchten, heißt es in der Erklärung, die am Montag auch auf der Kampagnenplattform change.org veröffentlicht wurde.

Zu den Erstunterzeichnern gehören neben zahlreichen Bewohnern rund um die Gethsemane-Kirche unter anderen der Generalmusikdirektor der Staatsoper, Daniel Barenboim, Volksbühnen-Intendant René Pollesch, der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und der evangelische Altbischof Markus Dröge.

In der Erklärung heißt es etwa: "Wir verurteilen diese Verharmlosung von Diktaturen und die Verhöhnung ihrer Opfer." Ebenso wird das aggressive Auftreten der Corona-Kritiker, die Verbreitung von Verschwörungserzählungen und eine Vereinnahmung der Gethsemanekirche als Demonstrationsort kritisiert.

Gethsemanekirche ist ein historischer Ort

Die Kirche gilt als historischer Ort der DDR-Friedens- und Bürgerbewegung und ist ein Symbol der friedlichen Revolution in der DDR. Jeden Montag finden dort Friedensandachten statt. Seit Wochen versammeln sich auch Kritiker der Corona-Maßnahmen vor der Kirche.

Die Initiative Gethsemanekiez hat sich nach einer großen Demonstration der sogenannten "Querdenker" vor der Kirche gegründet. Seitdem führt sie jeden Montag Gegenveranstaltungen durch.

Sendung: Abendschau, 14.02.2022, 19:30 Uhr

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25 Kommentare

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  1. 25.

    Welche Zeitung soll es sein? MDR oder lieber Bild? auch gerne Twitter. Mann muss es nur sehen wollen. Ich wurde auch schon von Spaziergängern bedroht, insofern wundert mich das nicht.

    PS: Gegen vernünftigen Protest, der auch an LÖSUNGEN interessiert ist hab ich nichts. Es gab auch immer wieder vernünftige Protestformen, auch zb von Gastronomen und Verantstaltungsbranche. Aber ja wer mit rechtsextremen Mitläuft ist für mich mindestens ein RECHTER.

  2. 24.

    Nur ob da Protest wohl hilft. Wenigstens schafft es Aufmerksamkeit für das Problem.

    Gewisse Kräfte fokussieren ja auch gerne bestimmte Minderheiten, vergessen aber, dass Deutsche Männer Gewalt gegen Frauen genauso können. Komischerweise wohl noch mehr in gewissen rechten Milieus.

  3. 23.

    Viele Menschen vergessen, dass es immer noch eine Pandemie gibt. Und denken nur an ihre eigenen „ Befindlichkeiten „ Maske tragen oder nicht.

  4. 22.

    Warum machen alle die „Spaziergänger/innen und Corona-Diktatur-Rufer“ nicht mal „Urlaub“ in China oder besser noch in Nordkorea - dann wissen sie was eine Diktatur ist!!
    War das 3.Reich nicht genug?

  5. 21.

    Man Motte das sie noch ruhig schlafen können bei sowiel Rechten. Also bei ihnen sind alle die anderer Meinung sind Rechte. Das ist Meinungsfreiheit alla Motte schon mal daran gedacht das die Menschen eine andere Sichtweise auf bestimmte Entscheidungen haben als sie ohne rechts zu sein. Das ist zu einfach alle in die rechte Ecke zu stellen ohne mit ihnen einmal über ihre Anliegen zu sprechen. Danke .

  6. 20.

    Wer die Menschenrechtserklärung der UNO Artikel 3 und die Rechteerklärung Der französischen Revolution Artikel 4 lesen könnte kann erkennen, das keine Rechte eingeschränkt werden und wurden. Nach diesen beiden Werken ist die Freiheit nur insofern auszuüben, ohne die anderen Menschen zu gefährden. Und das wird in den Maßnahmen zur Pandemie deutlich, aber leider nicht von vielen zu verstehen und nur nachzuplappern.
    Nichtmal die Rechtsverdreher der FDP sind dazu in der Lage.

  7. 19.

    "... Auch wird nicht jeder Demonstrante jeden anderen Teilnehmer nach seiner Gesinnung fragen. Deshalb ist das verbale Verschieben in die rechte Ecke auch schon ein indirekter Versuch das Demonstrationesrecht zu unterlaufen. ..."
    1. ist das auch nicht notwendig, weil jede/r "Spaziergänger/in" akzeptiert, dass da rechtsgesinnte Antidemokraten mit dabei sind, die paradoxerweise plötzlich für demokratische Rechte kämpfen; 2. kommt da nicht allzuviel zusammen; 3. kann, wer sich selbst in die rechte Ecke stellt, nicht dahin verschoben werden und 4. darf nach Art. 19 Abs. 1 GG auch das Demonstrationsrecht eingeschränkt werden. Das hat das OVG Cottbus letzten Freitag bewiesen.

  8. 18.

    ".. Ihnen scheint entgangen zu sein, dass seit 2 Jahren von den Regierungen Grundrechte eingeschränkt.." Mir scheint, dass Ihnen entgangen ist, dass seit 2 Jahren weltweit eine Pandemie wütet, allein in DE über 120. 000 Tote.
    KlausBaerbel, ja. Weltweit. In Diktaturen, zusätzliche Einschränkungen. In autoritären Staaten, zusätzlich, in allen Demokratien machten sich nun auch leider solche Maßnahmen notwendig, zum Schutz der Bevölkerung. Kaum jemand wollte corona (klar, online-Handel profitierte unerwartet). Besondere Situationen erfordern nun mal leider besondere Maßnahmen. Diese oder jene Maßnahmen sind sicher diskussionswürdig, aber illegale "Spaziergänge" mit Verschwörungstheorien, Hetze und noch vielen anderen negativen Begleiterscheinungen sind zur Bekämpfung des eigentlichen Problems, der Pandemie nicht hilfreich.
    Das Virus stört es recht wenig, freut es eher, dass Schwurbler ungeschützt auf die Straße rennen. Nur, das ist eben nicht das Ziel der Gesellschaft.

  9. 17.

    Geht's Ihnen noch gut? Erst unterstellen Sie Aussagen, die nie gemacht wurden und dann scheinen Sie nicht zu wissen, was Grundrechte sind. Welche Partei die Regierung stellt oder was die Mehrheit fordert, ist für Grundrechte vollkommen irrelevant.

  10. 16.

    Was für sinnfreie Vergleiche. Rauchen war noch nie ein Grundrecht. Die freie Entscheidung über eine Impfung oder die Berufsfreiheit dagegen schon.

  11. 15.

    Steffen,
    was soll der Vergleich zu den Verfassern der Erklärung zu China? Vielmehr sollten Sie sich vor Augen halten, was mit Leuten,wie Ihnen und Ihrer Gesinnung in China passieren würde. Abgesehen davon, dass Ihre Meinung in weiten Teilen Unfug ist,aber, schon das Durchführen illegaler Demos würde dort im Keim erstickt werden.Hier im demokratischen DE tolleriert man die Demos bis zu einem gewissen Punkt. Im GG steht u.a.,dass jeder das Recht hat "FRIEDLICH" seine Meinung öffentlich kundzutun.Diese Hauptgrenze wird ja schon bei den illegalen Spaziergängen oft genug überschritten. Im GG steht auch, dass, sobald Schäden für die Dritte (potentiell f. Gesellschaft, Gesundheit Dritter, Gesundheitssystem usw) Grenzen gesetzt sind. Dass das demonstrieren durch Gesetze und Verordnungen geregelt geregelt sind, die die illegalen Spaziergänger ignorieren, kommt hinzu. Bei Tage vorher bei Telegram verabredeten illegalen Spaziergängen sieht das Versammlungsrecht auch keine Spontan-Demo mehr.

  12. 14.

    „Ihnen scheint entgangen zu sein, dass seit 2 Jahren von den Regierungen Grundrechte eingeschränkt sind. Eine Aufzählung erspar ich mir. Es ist legitim dagegen seine Stimme zu erheben.“

    Natürlich ist es legitim, den Sinn hinter den Maßnahmen nicht zu verstehen und für den eigenen Egoismus auf die Straße zu gehen. Traurig ist das trotzdem. Sich in einer Diktatur zu wähnen, ist hingegen einfach nur lächerlich dämlich.

  13. 13.

    Dominik wenn man ihre Kommentare so ließt steht bei ihnen an jeder Straßenecke ja schon ein Rechtsextremer. Sollten so wie sie geschrieben haben gestern in Dresden Journalisten von Spaziergängern gejagt worden sein ,hätte das wahrscheinlich heute in jeder großen Tageszeitung gestanden. Ich habe noch nie bei ihnen gelesen das sie die Vorfälle beim G 20 Gipfel, oder Leipzig Connewitz oder andere aus dieser Szene
    verurteilt haben oder ist das was anderes? Jeder hat seine Meinung zu bestimmten Entscheidungen aber nicht alle sind Menschen mit rechten Gedankengut sowie sie es hier immer schreiben.

  14. 12.

    Wenn die Meinungsäußerungen einiger Gegner der Coronamassnahmen Demokratie sind, dann kann ich liebend gerne darauf verzichten. Für mich sind das klare Drohungen und nur ein kleiner Schritt fehlt und diese Gestörten greifen Menschen an.

  15. 11.

    Die Rechten versuchen die Demokratie abzubauen, schreien, toben, bedrohen und schüchtern ein. Genau diese Leute wollen die Freiheit aller gefährden. Aber das wollen Sie sicher nicht hören.

  16. 10.

    "... aus Protest gegen Gewalt in Beziehungen. ..."? Na dann lesen Sie bitte mal diesen Artikel hier auf der Plattform:
    "Jeden zweiten bis dritten Tag stirbt eine Frau durch Partnergewalt"
    Da ist Protest bitter nötig. Im vergangenen Jahr wurden in DE 190 Femizide dokumentiert.

  17. 9.

    Es geht hier nicht darum, ob die Leute auf die Straße gehen... das können sie gern machen. Es geht einerseits darum, mit wem sie auf die Straße gehen (leider zu oft mit Menschen, die von der Demokratie nicht sehr viel halten) und andererseits darum, was sie dabei skandieren. Wer an einer unangemeldeten Demonstration teilnimmt, dies relativ unbehelligt machen kann und danach nicht in irgendwelchen dunklen Kellern und Verliesen verschwindet, gleichzeitig aber "Diktatur" schreit, hat irgendwie etwas nicht verstanden.

  18. 8.

    Es gibt nur eine sinnvolle Forderung. Abschaffung aller Massnahmen.

  19. 7.

    Na dann hätten Sie ja gerne mit einer Partei "Nieder mit der Corona Diktatur" die absolute Mehrheit bei den letzten Wahlen holen können.

    Aber nein, die gab es ja so ungefähr, hieß die Basis und hat nur ein paar Stimmen bekommen. Ein laute Minderheit eben. Genauso wie die oft zu sehenden Zukunft Heimat oder Freie Sachsen Funktionäre. Zumindest Berührungsängste mit Rechtsextremen hat keiner der Spaziergänger. War gestern in DD wieder lustig, da sind die einige der Spaziergänger wieder munter auf Journalisten losgegangen. Der Spießbürger der mitläuft hat davon natürlich nichts mitbekommen (wollen).

  20. 6.

    Recht hast du. Und bei ROT anhalten? Schränkt mich ein. Heute haben in Cottbus Leute vor der Stadthalle die Straße blockiert aus Protest gegen Gewalt in Beziehungen. Wohin soll das alles noch führen, wenn keiner mehr für Ordnung sorgt?

  21. 5.

    Ihnen scheint entgangen zu sein, dass seit 2 Jahren von den Regierungen Grundrechte eingeschränkt sind. Eine Aufzählung erspar ich mir. Es ist legitim dagegen seine Stimme zu erheben. Es ist natürlich auch erlaubt diese Einschränkungen für gut zu befinden. Auch wird nicht jeder Demonstrante jeden anderen Teilnehmer nach seiner Gesinnung fragen. Deshalb ist das verbale Verschieben in die rechte Ecke auch schon ein indirekter Versuch das Demonstrationesrecht zu unterlaufen.

  22. 4.

    Die Erklärung wendet sich außerdem explizit gegen die Demonstrierenden, die mit "Corona Diktatur" Plakaten und ähnlichem rumrennen. Ich erinner auch noch an die "Judensterne" mit "ungeimpft" Schriftzug. Dort vergleichen Menschen ihre Einschränkungen als freiwillig Ungeimpfte, also die fehlende Möglichkeit zum Shoppen in Läden etc. mit der Vernichtung der Juden. Im übigen konnten im dritten Reich Juden auch nicht zum Christentum konvertieren, stattdessen diskutierten die Nazis noch darüber ob unter welchen Bedingungen ein Halbjude leben dürfte.....

    Klar da machen Vergleiche zu heute wirklich Sinn^^*kopfschüttel*

    Und ihr Vorschlag mit dem Ausland. Sollten unserer "tapferen" Corona-Spaziergänger dass mal in Russland, China etc machen. In der Demokratie mit Rechtsstaat ist es einfach zu billig "gegen die Diktatur von oben" zu wettern, schön ohne Risiko.

  23. 3.

    Es ist schon traurig, was sich da alles versammelt.
    Ich bin auch dafür, dass wir die Demokratie schützen und die vor einer weiteren Aushöhlung bewahren.

  24. 2.

    Welche demokratischen Freiheitsrechte werden denn auf den Demonstrationen eingefordert? gerne als Auflistung.

    Und wenn ich eine Demo mache, dass ich bitteschön im Krankenhaus rauchen möchte? ich fühle mich in meiner demokratischen Freiheit eingeschränkt. Oder warum eigentlich nur 30 km/h fahren vor einem Kindergarten. Sollen die Kinder eben aufpassen, ich will demokratisch schneller fahren.

    Am liebsten immer schön auf Rechte pochen aber bloß keine Pflichten haben wollen....

  25. 1.

    Ah ja, die "Retter der Demokratie" wenden sich gegen Protestierende, die ihre demokratischen Freiheitsrechte auf Demonstrationen einfordern? Muss man dazu echt noch mehr sagen? Mögen diese selbsternannten Demokraten doch mal probeweise für drei Monate ihren Lebensmittelpunkt nach China verlagern. Ob sie die Konsequenz aus ihren Forderungen dann noch so vertreten, wage ich zu bezweifeln. Hätte man vor 10 oder 20 Jahren die derzeitige Lage in Deutschland und die dermaßen gespaltene Bevölkerung vorausgesagt, man wäre ausgelacht worden.

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