Symbolbild: Ein Arzt in der Online-Sprechstunde. (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 02.04.2020 | Martin Adam | Bild: dpa

Ärzte virtuell treffen - So läuft die Corona-Videosprechstunde der Berliner Charité

Spätestens, wenn man Fieber oder Husten bekommt, ist es mit dem Zuhausebleiben vorbei. Denn dann will man zum Arzt und abklären, ob ein Corona-Test angezeigt ist. Das geht jetzt auch in der Videosprechstunde der Berliner Charité. Von Martin Adam

Was Sie jetzt wissen müssen

"Bleiben Sie zu Hause" - das ist, was alle Experten gerade raten, um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Deswegen gibt es in Berlin und Brandenburg ja inzwischen relativ weitreichende Regeln, um zu verhindern, dass Menschen ohne Grund vor die Haustür gehen.

Schwierig wird es dann, wenn jemand Fieber und Husten bekommt und eigentlich zum Arzt müsste, um einen Corona-Test zu machen. Die Berliner Charité bietet für dieses Dilemma jetzt eine Lösung: eine Corona-Sprechstunde per Videoschaltung. 

Patienten sollen nicht unnötig in Wartezimmern sitzen

Wenn man eines von den Kollegen in Italien gelernt habe, sagt Peter Gocke am Telefon, dann dass Patienten nicht unnötig in Wartezimmern sitzen sollten. Denn wer infiziert sei, stecke auf dem Weg ins Krankenhaus andere an. Wer das Corona-Virus noch nicht habe, hole es sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit dann so.

Peter Gocke ist "Chief Digital Officer" an der Berliner Charité. Anders gesagt: Er ist der Mann, der die Charité digitalisieren soll. Daher bietet die Klinik jetzt eine digitale Sprechstunde - speziell für Corona-Fragen. Von zu Hause aus erreichbar über die Website der Charité [tropeninstitut.charite.de]. "Sie sehen dann da, welche Termine frei wären." Dann sende der Patient einen Terminwunsch an die Charité und erhalte "einen Link zugeschickt, mit dem Sie sich dann zum Zeitpunkt des Termins mit Ihrem Handy oder Ihrem Rechner in die Videosprechstunde einwählen können."

Der Ansturm ist gar nicht so gewaltig

Am anderen Ende sitze dann eine Ärztin oder ein Arzt, stelle Fragen zu Symptomen, Vorerkrankungen und Kontakt zu mit Covid-19 infizierten Personen - und entscheidet dann, ob man zum Test kommt - oder doch besser zu Hause bleibt. Diese Entscheidung sei auch per Videoschalte möglich, sagt Maximilian Gertler. Der Epidemiologe ist der ärztliche Leiter Covid-19-Untersuchungsstelle der Charité.

"Wir haben diese Videosprechstunde initiiert aus der Erfahrung der Corona-Untersuchungsstelle", so Gertler. Dort sehe der Arzt den Patienten auch nur durch eine Fensterscheibe, die ihn vor Ansteckung schützt. Nur das Personal, dass dann in Schutzausrüstung den Abstrich durchführt, fasse den Patienten tatsächlich an. "Das ist in der Videosprechstunde im Grunde gar nicht so anders."

15 Minuten sind pro Sprechstunde vorgesehen - das ist mehr, als bisher in der Corona-Anlaufstelle gebraucht wurde. Vier Ärztinnen und Ärzte der Charité sind gleichzeitig für die Sprechstunden im Einsatz. Pro Tag, sagt Maximilian Gertler, könnten so 200 Sprechstunden durchgeführt werden. Die Videosprechstunde sei aber lange noch nicht so ausgelastet, wie die analoge im Krankenhaus. "Das hat mich allerdings überrascht, nachdem wir in den ersten Tagen bei der Untersuchungsstelle täglich über 200 an einem Test interessierte Personen hatten. Da war der Ansturm deutlich gewaltiger."

Durch das Corona-Virus geht die Digitalisierung schneller

Beiden Ärzten ist bewusst, dass gerade gesundheitliche Daten sehr sensibel sind. Die Videosprechstunde sei aber in Sachen Datenschutz in Ordnung, beteuert Katrin Keller, die Geschäftsführerin von Samedi - der Firma, die die Technik, für die Zeit der Corona-Krise auch ohne Lizenzgebühren, für die Sprechstunde bereitstellt.

"Es ist eben nicht nur eine verschlüsselte Datenübertragung, sondern es sind auch verschlüsselte Datenbanken, sodass die Daten nicht nur verschlüsselt übertragen, sondern auch verschlüsselt gespeichert werden", sagt sie. Das werde jedes Jahr vom Tüv geprüft und die Kassenärztliche Vereinigung genehmige die Video-Streamingdienste. Seit Jahren, sagt Katrin Keller, werbe Sie für Online-Videosprechstunden. Schon länger, sagt Peter Gocke, habe auch die Charité daran gearbeitet. Jetzt, unter dem Druck des Corona-Virus', geht die Digitalisierung deutlich schneller.

Sendung: Inforadio, 02.04.2020, 08:10 Uhr

Beitrag von Martin Adam, Inforadio

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5 Kommentare

  1. 5.

    Also ich finde das super und wird auch Zeit dass es endlich sowas auch in Deutschland gibt.
    Schade nur dass es so ein Virus gebraucht hat, um endlich hier mal den Fortschritt voranzutreiben.
    Auch bei Influenza und Erkältung, ich denke das meiste kann vorher abgeklärt werden mit entsprechender Krankschrift, und nur in wenigen Fällen ist dann wirklich noch eine nähere ärztliche Untersuchung notwendig.

  2. 4.

    Was kostet denn die Corona-Videosprechstunde gemäß goä. Bekanntlich sind ärztliche Dienstleistungen nicht kostenlos. Ich bekomme immer eine Rechnung und dafür brauchen sie meine persönlichen Daten.

  3. 3.

    zaghafte Versuche mit Videosprechstunden gibt es ja schon in einigen Bundesländern. Dabei kann es sich aber nur um eine erste BERATUNG geschilderter Symptome handeln, der Arzt sieht ja bestenfalls ein Videobild des Anrufers.
    Bei völlig Ahnungslosen aber vielleicht hilfreich

  4. 2.

    " Die Videosprechstunde sei aber in Sachen Datenschutz in Ordnung, " das ist gut

    in der wird aber nur abgefragt was inzwischen alle Welt weiß , und wenn alle Begleiumstände zutreffen, zusätzlich noch Atembeschwerden genannt werden, ja dann ist eine klinische Untersuchung eben doch notwendig .
    deshalb vermutlich : " Die Videosprechstunde sei aber lange noch nicht so ausgelastet "

  5. 1.

    Sehr gute Idee! Vielen Dank, dass es dieses neue Instrument nun auch für Corona gibt ....... Das spart sicherlich viele unnötige Arztbesuche ohne Gefahr zu laufen, zu spät hinzugehen!

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