Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte (Quelle: dpa/Kohls)
Audio: rbb 88.8 | 22.10.2020 | Raphael Knop | Bild: dpa/Kohls

Risiken wegen Corona "unkalkulierbar" - Veranstalter sagt Weihnachtsmarkt auf Gendarmenmarkt ab

Vor der malerischen Kulisse von Konzerthaus und Französischem Dom wird es in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt geben. Dem Veranstalter ist das Risiko zu groß. Betreiber anderer Weihnachtsmärkte bleiben dagegen optimistisch und halten an ihren Plänen fest.

Erstmals seit 17 Jahren wird es in diesem Jahr auf dem Berliner Gendarmenmarkt keinen Weihnachtsmarkt geben. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiken seien angesichts steigender Neuinfektionen unkalkulierbar geworden, begründete Veranstalter Helmut Russ seine Entscheidung. Zunächst hatte die "Welt" über die Absage berichtet.

Der Weihnachtsmarkt sollte vom 23. November bis 31. Dezember stattfinden. Laut "Welt" schätzt der Geschäftsführer der Weihnachtszauber Gendarmenmarkt GmbH den wirtschaftlichen Schaden auf 22 bis 25 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr besuchten rund 900.000 Gäste den Markt, darunter viele Touristen. "Es wäre in diesem Jahr das 18. Mal gewesen", sagte Russ.

Absage trotz vorbereitetem Konzept

Demnach kam es trotz intensiver Gespräche mit Vertretern des Bezirksamtes von Berlin-Mitte sowie dem Gesundheitsamt, bei denen Szenarien und Hygienekonzepte durchgespielt worden seien, letztlich "zu diesem traurigen Entschluss". Man wolle nicht das Risiko eingehen, den Markt sofort nach Eröffnung wieder schließen zu müssen, so Russ.

Erst vor wenigen Tagen hatte Russ sich im rbb noch zuversichtlich gezeigt, den Weihnachtsmarkt zu öffnen. Wie jedes Jahr sollte ein Euro Eintritt erhoben werden, Besucher hätten allerdings online ein Zeitfenster buchen müssen. Wärmebildkameras sollten Personen mit Fieber, aber auch Menschen ohne Maske erkennen. Doch dieses Konzept ist nun obsolet.

Er bedauere, dass auch rund 120 Kunsthandwerker betroffen seien, sagte Russ nach seiner Absage. Sie hätten wegen der Pandemie in diesem Jahr bislang fast gar nichts verkaufen können.

Hoffnung in Spandau und Charlottenburg

Auch die Stadt Potsdam hat den traditionellen Weihnachstmarkt "Blauer Lichterglanz" in der Innenstadt vor wenigen Tagen abgesagt. Das aktuelle Infektionsgeschehen mache es nicht möglich, einen Weihnachtsmarkt in einer ohnehin belebten Einkaufsstraße zu genehmigen, teilte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) mit.

Nach wie vor stattfinden sollen derweil die Weihnachtsmärkte in Spandau und vor dem Charlottenburger Schloss. Der Spandauer Weihnachtsmarkt zieht allerdings von seinem bisherigen Standort, der Spandauer Altstadt, in die Zitadelle. Innerhalb der Anlage sei es möglich, die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, hieß es vom Veranstalter. Verzichtet wird aus Platzgründen in diesem Jahr auf eine Eislauffläche.

Auch der Betreiber des Weihnachtsmarktes vor dem Charlottenburger Schloss, Tommy Erbe, hält an seinen Plänen fest, den Markt durchzuführen. Zahlreiche Kunsthändler des abgesagten Weihnachtsmarktes vom Gendarmenmarkt hätten sich schon bei ihm gemeldet, sagte Erbe am Donnerstag dem rbb.

Wollenschläger: "Wir wollen den Menschen Licht bieten"

Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Berlin-Brandenburg, Thilo-Harry Wollenschläger, betonte am Donnerstagabend im rbb-Fernsehen, er hoffe, dass letztlich so viele Weihnachtsmärkte in der Region durchgeführt werden könnten wie möglich. Für Sicherheit sorgten elektronische Zählgeräte an den Einlässen und Ausgängen der Märkte, es gebe umfangreiche Hygienemaßnahmen. "Wir wollen den Menschen ein wenig Licht in dieser dunklen Zeit bieten. Und man darf auch nicht vergessen, dass das Ansteckungsrisiko im Freien niedriger ist als in geschlossenen Räumen", so Wollenschläger.

In Berlin dürfen die Weihnachtsmärkte trotz der steigenden Covid-19-Infektionen öffnen. Das hat der Berliner Senat kürzlich beschlossen. Auf den Märkten wird eine Maskenpflicht gelten, wie sie der Senat am vergangenen Dienstag für den öffentlichen Raum beschlossen hat. Zudem darf nach 23 Uhr kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden.

Sendung: rbb-Spezial, 22.10.2020, 20:15 Uhr

Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Berlin-Brandenburg, Thilo-Harry Wollenschläger, betonte am Donnerstagabend im rbb-Fernsehen, er hoffe, dass letztlich so viele Weihnachtsmärkte in der Region durchgeführt werden könnten wie möglich. Für Sicherheit sorgten elektronische Zählgeräte an den Einlässen und Ausgängen der Märkte, es gebe umfangreiche Hygienemaßnahmen. "Wir wollen den Menschen ein wenig Licht in dieser dunklen Zeit bieten. Und man darf auch nicht vergessen, dass das Ansteckungsrisiko im Freien niedriger ist als in geschlossenen Räumen", so Wollenschläger.

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77 Kommentare

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  1. 77.

    Wann und wie ist diese Diskussion eigentlich von "Absage eines Weihnachtsmarktes" zu "allgemeiner Politikerschelte und Geheimdiensttätigkeiten" abgedriftet?

  2. 76.

    Genau darauf hab ich gewartet.

    Und nun setzen wir dazu die gestrige Meldung aus Brandenburg aktuell ins Verhältnis, wonach die Polizei zur Kontrolle der Coronamaßnahmen auch die Wohnungstür aufbrechen darf.

    Zum WhatsApp mitlesen brauchts ne schwere Straftat und nen richterlichen Beschluss.
    Zur gewaltsamen Wohnungsöffnung und -kontrolle reicht der Anruf eines besorgten Nachbarn.

    Was ist da jetzt der schwerere Eingriff in die Grundrechte???

  3. 75.

    Ok - ich verstehs ja. Die Luft wird dünner, die Haut auch und mit den Nerven einiger kann man locker einen schottischen Langbogen spannen, aber kommt doch wieder auf den Teppich.
    Thema war Weihnachtsmääääääääärkte - märkt ihr was?
    Und - nein - ein Weihnachtsengel ist nicht Vorbote der Apokalypse - obwohl im Gegenlicht ..... Mein' ja nur - das Thema würde dann echt für einen Thriller rund sein.
    Tschüß und frohes Fest.

  4. 74.

    Haha guter Vorschlag:0))
    Das wird ganz sicher nicht passieren, schließlich arbeiteten sie weiter hart, als viele zu Hause mussten, allerdings würde es die Akzeptanz im Fußvolk erhöhen...

  5. 73.

    Na dann sind wir uns ja einig, das Virus macht halt das was ein Virus so macht, das ist ihm auch nicht vorzuwerfen.
    Die Frage ist, warum sind Politiker nicht in der Lage, Teile der Bevölkerung zu überzeugen, über Monate, vielleicht Jahre in Alarmzustand zu bleiben. Es mag auch daran liegen, dass sie es nicht vorleben, sich selbst nicht immer an ihre eigenen Vorgaben halten. Und sie werden es auch nicht sein, die ihre Entscheidungen nach Überwindung der Pandemie ausbaden müssen. Ich behalte gern Unrecht, sehe allerdings ein Millionenheer an Arbeitslosen, und dafür kann das Virus wiederum auch nix...

  6. 71.

    "WhatsApp mitlesen für Geheimdienste ist ok ..."

    Wenn Sie so etwas hier schon aufführen, dann sollten Sie auch ins Detail gehen. Anlassloses Mitlesen gibt es nämlich nicht. Es bedarf zuvor einer richterlichen Genehmigung, es muss eine "schwere Straftat“ nach Paragraf 100a der Strafprozessordnung vorliegen und es muss nachgewiesen werden, dass ohne die Quellen-TKÜ die Aufklärung eines bestimmten Sachverhaltes nicht möglich wäre. Das heißt, es gibt einige Hürden für diese Maßnahme. Willkür ist damit ausgeschlossen. Ein gewaltiger Unterschied. Also weniger Polemik, mehr Sachlichkeit, wenn ich bitten darf!

  7. 70.

    Und speziell die Politiker, die neben der Verkündung von ständig neuen Beschränkungen etwas von Nationaler Aufgabe predigen und Solidarität einfordern, gerade die sollten beim Stichwort Solidarität mal mit gutem Beispiel vorangehen und für die Zeit der Beschränkungen mal 90% ihrer Einkünfte (natürlich incl. Nebeneinkünften von Aufsichtsratsposten etc.)an diejenigen spenden, die seit März ihren Job nur äußerst eingeschränkt oder überhaupt nicht ausüben dürfen.

  8. 69.

    Nicht das Virus hat das letzte Wort, ob man in engen und schlecht belüfteten Räumen sowie ohne Maske unbedingt Geburtstags-, Hochzeits- oder sonstige Partys feiern muss. Das Virus ist auch nicht dafür verantwortlich, dass gegen die Maskenpflicht und Abstandsregeln verstoßen wird oder Kontakte einfach nicht angegeben werden, wenn das Gesundheitsamt sie herausfinden muss, um die Infektionskette zu unterbrechen. Für die Impertinenz, den Politikern die Schuld in die Schuhe zu schieben, obwohl einige Bürger keinerlei Vorsicht walten lassen und so tun, als gäbe es die Seuche gar nicht, kann das Virus auch nichts.

  9. 68.

    Sie meinen sicher ein nicht kommerzielles Weihnachtsfest. Dafür bin ich dann auch. Oder für eines, bei dem der schnelle Kommerz und die Sockenverkäufer, die Armbanduhrenverkäufer und die Verkäufer von Schinken nicht direkt nebeneinander stehen.

    Dann kann auch am 24. Dezember abends die Weihnachtszeit anbrechen.

  10. 67.

    Als wenn ich das gefordert hätte. Einfach mal richtig lesen und auch verstehen.

    Und darüber hinaus bedenken, dass es in Japan, Südkorea oder Taiwan nach dieser Behauptung angeblich keine Demokratie gibt.

    WhatsApp mitlesen für Geheimdienste ist ok, aber Kontaktverfolgung per effektiv funktionierender App für Gesundheitsämter nicht. Schon klar...

  11. 66.

    Man sollte mal die Kirche im Dorf lassen, nicht das Virus ruft einen Lockdown aus. Nicht das Virus ist verantwortlich, dass in der „Sommerpause“ keine Vorbereitungen auf den Herbst/ Winter getroffen wurden. Das Virus kann auch nichts für die in meinen Augen zum Teil kopflosen Entscheidungen in Bezug auf den MNS oder Reisebeschränkungen innerhalb D.
    Dafür ist die Politik verantwortlich. Schön dass jetzt erstmal versucht wird der Bevölkerung den schwarzen Peter zuzuschieben.
    Ich bleib auf der Couch und hole mir noch Popcorn ;0)

  12. 64.

    "Und denkt daran: Weihnachten ist das Fest der Liebe! Zeigt diese euren Mitbürgern, und habt Verständnis für beide Seiten!"

    Ich zitiere mal "Gordon Gekko" aus dem Film "Wall Street", der da sagte:
    "Er ist auf die größte Lüge der Welt reingefallen: die Liebe. Die wurde doch nur erfunden, damit die Menschen nicht die Hoffnung verlieren und sich aus dem Fenster stürzen."

  13. 63.

    Ach so ein Konzept ist recht einfach.... erst einmal fliegt alles aus der Verordnung was sinnfrei ist.
    Wenn ich im Restaurant mit 6 Leuten ohne Maske ohne Abstand am Tisch sitzen kann, dann kann ich das auch zu Hause.
    Den Rest der dann übrig bleibt, schauen sich Fachleute an ... im Hinblick auf Verhältnismäßigkeit... und ob es Sinn macht.
    Singen in der Kirche ok aber im Stadion nicht .... umgekehrt würde es wenigstens ein wenig Sinn machen.
    Wenn dann die Verordnung nur noch ein paar Punkte umfasst, haben die Leute vielleicht auch wieder eine Motivation das mitzumachen.

  14. 62.

    Aber aber, wieso wird denn hier so giftig gestritten? Ich als Weihnachtsengel finde es natürlich um jeden abgesagten Weihnachtsmarkt schade, aber die Entscheidungen werden sicher mit Bedacht getroffen. So ist es nunmal.
    Die Leute die so wütend werden auf die anderen, welche gern einen Weihnachtsmarkt besuchen wollen, verstehe ich allerdings überhaupt nicht. Glaubt ihr etwa euer Schimpfen führt zum Erfolg? Eher das Gegenteil tritt ein! Ausfallend und frech werden hat noch nie etwas bewirkt.
    Und denkt daran: Weihnachten ist das Fest der Liebe! Zeigt diese euren Mitbürgern, und habt Verständnis für beide Seiten!

  15. 61.

    Ich lese Ihren formidablen Kommentar leider erst jetzt. Fürwahr, die reinste Wohlstandsverwahrlosung unter den jungen Menschen. Notfalls richten es Mama und Papa! ;-)

  16. 60.

    Wie niveaulos Sie sind! Wo hat die Dame denn geschrieben, dass sie andere anstecken will?? Nehmen Sie ihre Pillen! Und bleiben SIe solange der Kommentarfunktion fern, man muss sich ja schämen für Sie, Karl!

    Ich bin mir noch unsicher ob ich es auf einen Weihnachtsmarkt wagen werde dieses Jahr. Wenn dann nur unter der Woche, mit weniger Menschen natürlich, weil Achtsamkeit muss sein. Aber schade wäre es schon, so eine schöne Adventstradition. Vielleicht machen die Menschen diese Weihnacht mehr Lagerfeuer im heimischen Garten, und trinken dort den Glühwein, das wäre sicher auch schön.

  17. 59.

    Ihre Vorstellung eines Überwachungsstaats im Sinne der Filme "1984" und "Equilibrium" werden aller Voraussicht nach nicht umgesetzt. Die Demokratie wird nicht abgeschafft.

  18. 58.

    Ich halte selbst ohne Maske im Freien das Risiko für wesentlich geringer als in der vollen UBahn mit Maske.

    Nichtdestotrotz wird die Absage des Weihnachtsmarktes wirtschaftliche Gründe haben. Das Risiko, dass man hohe Verluste macht, ist sicher zu groß.
    Und seitens der Politik braucht man auf Hilfe (wie Wegfall der Standgebühren) nicht hoffen, vgl. "Machen Sie Urlaub in Deutschland..."

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