#Wiegehtesuns | OP-Verschiebung in Berlin - "Ich war so froh, dass ich operiert werde - und jetzt muss ich mich weiter quälen"

So 19.12.21 | 08:55 Uhr | Von Phillip Manske
Monika Noack aus Kolkwitz (Foto: rbb/Manske)
Bild: rbb/Manske

Monika Noack ist eine von vielen, denen der Operationstermin kurz vor knapp abgesagt wurde. Als ehemalige Krankenschwester hat sie dafür einerseits Verständnis, andererseits fällt es ihr schwer, die Schmerzen und die Ungewissheit auszuhalten. Ein Gesprächsprotokoll.

Das Coronavirus stellt unser Leben auf den Kopf. In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen, wie ihr Alltag gerade aussieht – persönlich, manchmal widersprüchlich und kontrovers. rbb|24 will damit Einblicke in verschiedene Gedankenwelten geben und Sichtweisen dokumentieren, ohne diese zu bewerten oder einzuordnen. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Monika Noack aus Klettwitz bei Senftenberg leidet seit Monaten unter starken Schmerzen. Die 74-Jährige müsste dringend an der Wirbelsäule operiert werden. Doch die geplante OP wurde vom Krankenhaus kurzfristig abgesagt. Wegen Corona.

Mir geht's nicht so gut. Ich habe starke Rückenschmerzen und die strahlen aus bis ins Bein. Da sind wahrscheinlich die Nervenbahnen betroffen. Das sind die Schmerzen, die besonders stark sind. Dadurch kann ich sehr schlecht laufen und bin sehr beeinträchtigt in meinem täglichen Leben.

Viel geht nicht mehr. Ein paar Kleinigkeiten, ein bisschen kochen, aber so schwere Sachen – das geht überhaupt nicht. Meine Tochter kommt manchmal, oder mein Enkel, der versorgt mich dann. Und fürs große Saubermachen habe ich mir jemanden genommen, der das macht. Denn mit Wischen und so, das geht nicht.

Ich habe eine Wirbelsäulenerkrankung, bei der die Spinalkanäle zu sind und das muss operiert werden. Eine Stabilisierung muss eingebaut werden, das nennt sich Fixateur und dadurch soll das alles wieder gut werden.

Ich wäre in Lauchhammer im Klinikum Niederlausitz operiert worden. Am 18. November hatte ich meinen Termin. Doch drei Tage vorher wurde der abgesagt. Mist, habe ich gedacht. Ich war so froh, dass ich bald operiert werde – und jetzt muss ich mich noch weiter quälen.

Meine Sorge ist, dass es noch sehr lange dauern wird, bis ich operiert werden kann. Und meine Sorge ist, dass ich noch mehr Schmerztabletten nehmen muss gegen meine Schmerzen, also dass die Dosis weiter erhöht werden muss. Auf Dauer will ich das nicht. Wenn ich operiert werde, dann weiß ich: Es geht vorwärts.

Bei so einer Wirbelsäulenerkrankung können Lähmungserscheinen auftreten und dann ist es ja schon höchste Eisenbahn, etwas zu machen. Das möchte ich nicht, um Gottes Willen. Ich will kein Notfall werden, sondern von meinem Chirurgen operiert werden.

Es belastet mich natürlich. Das ist ganz klar. Meine Hoffnung lag auf der OP. Ich hatte vor vier Jahren eine Depression, da wurde ich stationär behandelt und auf Medikamente eingestellt. Ich bin jetzt mit meiner psychischen Verfassung zufrieden. Aber natürlich bin ich an besonders schlimmen Tagen nicht gut drauf.

Für die Terminabsage habe ich schon Verständnis. Denn ich weiß ja, dass die Lage in den Krankenhäusern im Moment sehr schwierig ist. Eine meiner Töchter arbeitet auf einer Corona-Station im Klinikum Niederlausitz in Senftenberg. Und ich war früher Krankenschwester und weiß, wie schwierig es in solchen Situationen sein kann in einer Klinik.

Ich wünsche mir, dass die ganze Corona-Lage besser wird. Und ich wünsche mir, dass viele Ungeimpfte sich impfen lassen, damit wir wieder zum Normalbetrieb zurückkehren können. "Wir" - damit meine ich: die medizinischen Einrichtungen. Jeder, der eine bevorstehende Operation hat, der wartet darauf, dass ihm geholfen wird.

Gesprächsprotokoll: Phillip Manske

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