Reviertierpfleger Michael Tieg am 15.04.2020 im Zoologischen Garten Berlin. (Quelle: rbb|24/Caroline Winkler)
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#Wiegehtesuns? | Der Tierpfleger - "Wir sind jetzt präsenter für die Tiere"

Zusammen mit seinen Kollegen versorgt Michael Tieg Zebras, Antilopen und Alpakas. Zwar ist wegen der Coronakrise der Zoo für das Publikum geschlossen. Aber hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter - wenn auch in anderem Takt. Gesprächsprotokoll eines Tierpflegers.

Corona betrifft uns alle in Berlin und Brandenburg – mehr als viele andere Ereignisse zuvor. In kürzester Zeit hat das Virus unser Leben auf den Kopf gestellt. Was beschäftigt uns am meisten? In welcher Situation stecken wir gerade?  

In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen aus der Region, wie ihr Alltag gerade aussieht.

Michael Tieg, arbeitet seit 37 Jahren im Zoologischen Garten in Berlin-Tiergarten. Er lebt in Karlshorst. So geht es Michael:

Normalerweise wäre bei einem so herrlichen Wetter der Zoo natürlich proppenvoll mit Besuchern. Jetzt ist die Ruhe sehr auffällig. Die Tiere wirken auf mich entspannter. Gleichzeitig sind sie aufmerksamer, wenn dann doch mal in irgendeiner Form Bewegung im Zoo ist. Wenn der Zoo offen ist, beobachten ja nicht nur die Besucher die Tiere, sondern die Tiere beobachten eben auch die Besucher. Daher sind wir Tierpfleger jetzt präsenter für die Tiere. Sie verfolgen uns mit den Augen.

Jedes Revier im Zoo hat seine Leute in Teams aufgeteilt, die sich wöchentlich abwechseln, damit sie sich nicht begegnen. In unserem Revier versorgen wir Zebras, Antilopen und Alpakas. Alle Flächen – in der Futterküche, im Stall oder im Pausenraum –, die von uns täglich benutzt werden desinfizieren wir regelmäßig: etwa Tische, Waschbecken oder Behälter. Wir sind immer zu dritt, aber jeder verantwortet einen eigenen Bereich: Ein Revier hat mehrere Häuser mit Stallungen, und die werden jetzt von den Kollegen jeweils einzeln betreut. Nur wo es unbedingt nötig ist, arbeiten wir zusammen. Auch wo es gefährlich werden könnte, muss immer ein zweiter Kollege mit in der Nähe sein. Das ist auch der Fall, wenn wir in Anwesenheit der Tiere ein Gehege betreten.

Da kein Publikumsverkehr ist, müssen wir nicht mehr so darauf achten, wirklich alle Bereiche geschlossen zu halten, in die Besucher nicht hindürfen.

Für mich ist am merkwürdigsten, dass ich nicht mit allen Kollegen, mit denen ich sonst während des Tages zu tun habe, Kontakt habe. Ich sehe nur die beiden, mit denen ich in der Woche zusammenarbeite. Wir begrenzen uns auf das Nötigste, damit die Versorgung der Tiere gewährleistet ist.

Ich arbeite auch sonst häufig alleine, das ist nicht so das Problem. Andere Kollegen haben da eher Schwierigkeiten. Die müssen immer jemanden haben, mit denen sie sich während der Arbeit unterhalten können. Aber spätestens in der Pause sitzen wir dann beisammen und können uns austauschen.

Auf mich wirkt sich die Ruhe und das entspannte Zusammenarbeiten mit den Kollegen sehr positiv aus. Es wäre schön, wenn wir das in die Nach-Corona-Zeit mit hinübernehmen könnten, diesen entspannten Umgang. Es sind eben alle nicht so unter Stress, und dadurch ist auch das Miteinander viel einfacher.

Gesprächsprotokoll: Caroline Winkler

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7 Kommentare

  1. 6.

    Liebe Paula W. Zuersteinmal ist geplant nur kleine Gruppen in öffentlichen Bereichen den Zoo Besuch zu gestatten. Da dürfte sich der Lärmpegel in Grenzen halten. LG.

  2. 5.

    Ich hoffe, die ersten Besucher verhalten sich ruhig,auch die Kinder und verschrecken die Tiere nicht gleich, die zuletzt soviel Ruhe hatten. Fehlende Aufmerksamkeit heißt ja nicht, dass ihnen der Lärm fehlte.
    Die Wiedereröffnung unter den aktuellen Bedingungen wird sicher eine große Herausforderung für den Zoo und den Tierparkpark. Die Abstandsregelungen,auch auf Sitzbänken, müssen sich auch dort eingehalten werden und die Unvernpnftigen der Stadt machen vor Zoo &Co. sicher nicht halt. Die Gaststätten werden sicher geschlossen bleiben und ob man sich trotzdem mit Abstand dort an Tische setzen kann, mit dem mitgebrachten Picknick, ist fraglich. Viele Eltern werden auch zu leiden haben,denn der bei den kleinen Menschen sehr begehrte Spielplatz muss vermutlich geschlossen bleiben. Ich wünsche dem Zoo/Tierpark ,seinen Tieren,den Pflegern und sonstigen Mitarbeitern,den Besuchern und dem Sicherheitsdienst eine möglichst entspannte Wiedereröffnung.

  3. 4.

    Lieber Lothar, ich würde mich sehr freuen wenn es bei uns mit einem Besuch im Tierpark oder Zoo bald wieder klappen würde. Die Häuser selber sollten zum Schutz weiter geschlossen bleiben, aber die Außenanlagen, gerade auch im Tierpark, sind ja schön weitläufig.
    Zu Kaffee und Kuchen würde sich doch ganz bestimmt der liebe Markus2 dazu gesellen:-)
    Auch an Dich ganz liebe Grüße.

  4. 3.

    Liebe Heike. Zoobesuche in Brandenburg werden jetzt gelockert. Nur eine Frage der Zeit wann wir auch in Berlin wieder Einlass finden. Freue mich schon sehr darauf. Ein Treffen mit Thermoskanne voll gutem Kaffee ( von mir gespendet) und Käsekuchen von Dir wäre super toll. Mal schauen wer noch alles im Zoo Appetit auf Deine Backkünste hat;-) Ganz liebe Grüße.

  5. 2.

    Lieber Lothar, die gleichen Gedanken hatte ich auch....auch ich zähle mich zu der Horde. Ich habe Sehnsucht nach einen Besuch im Zoo oder Tierpark.Liebe Grüße Heike

  6. 1.

    Auch die Tierpfleger leisten gerade jetzt hervorragende Arbeit. Gerne wäre ich jetzt ein Mäuschen, um Euch beim Arbeiten zuzuschauen;-) Und keine Bange, die Horde Mensch mit samt ihren Nachwuchs wird auch recht bald wieder eintrudeln. Bis denne.

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