#Wiegehtesuns? | Der Tierpfleger - "Wir sind jetzt präsenter für die Tiere"

Sa 18.04.20 | 12:13 Uhr
Reviertierpfleger Michael Tieg am 15.04.2020 im Zoologischen Garten Berlin. (Quelle: rbb|24/Caroline Winkler)
Video: rbb|24 | 17.04.20 | Caroline Winkler | Bild: rbb|24/Caroline Winkler

Zusammen mit seinen Kollegen versorgt Michael Tieg Zebras, Antilopen und Alpakas. Zwar ist wegen der Coronakrise der Zoo für das Publikum geschlossen. Aber hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter - wenn auch in anderem Takt. Gesprächsprotokoll eines Tierpflegers.

Das Coronavirus stellt unser Leben auf den Kopf. In der Serie #Wiegehtesuns? erzählen Menschen, wie ihr Alltag gerade aussieht – persönlich, manchmal widersprüchlich und kontrovers. rbb|24 will damit Einblicke in verschiedene Gedankenwelten geben und Sichtweisen dokumentieren, ohne diese zu bewerten oder einzuordnen. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Michael Tieg, arbeitet seit 37 Jahren im Zoologischen Garten in Berlin-Tiergarten. Er lebt in Karlshorst. So geht es Michael:

Normalerweise wäre bei einem so herrlichen Wetter der Zoo natürlich proppenvoll mit Besuchern. Jetzt ist die Ruhe sehr auffällig. Die Tiere wirken auf mich entspannter. Gleichzeitig sind sie aufmerksamer, wenn dann doch mal in irgendeiner Form Bewegung im Zoo ist. Wenn der Zoo offen ist, beobachten ja nicht nur die Besucher die Tiere, sondern die Tiere beobachten eben auch die Besucher. Daher sind wir Tierpfleger jetzt präsenter für die Tiere. Sie verfolgen uns mit den Augen.

Jedes Revier im Zoo hat seine Leute in Teams aufgeteilt, die sich wöchentlich abwechseln, damit sie sich nicht begegnen. In unserem Revier versorgen wir Zebras, Antilopen und Alpakas. Alle Flächen – in der Futterküche, im Stall oder im Pausenraum –, die von uns täglich benutzt werden desinfizieren wir regelmäßig: etwa Tische, Waschbecken oder Behälter. Wir sind immer zu dritt, aber jeder verantwortet einen eigenen Bereich: Ein Revier hat mehrere Häuser mit Stallungen, und die werden jetzt von den Kollegen jeweils einzeln betreut. Nur wo es unbedingt nötig ist, arbeiten wir zusammen. Auch wo es gefährlich werden könnte, muss immer ein zweiter Kollege mit in der Nähe sein. Das ist auch der Fall, wenn wir in Anwesenheit der Tiere ein Gehege betreten.

Da kein Publikumsverkehr ist, müssen wir nicht mehr so darauf achten, wirklich alle Bereiche geschlossen zu halten, in die Besucher nicht hindürfen.

Für mich ist am merkwürdigsten, dass ich nicht mit allen Kollegen, mit denen ich sonst während des Tages zu tun habe, Kontakt habe. Ich sehe nur die beiden, mit denen ich in der Woche zusammenarbeite. Wir begrenzen uns auf das Nötigste, damit die Versorgung der Tiere gewährleistet ist.

Ich arbeite auch sonst häufig alleine, das ist nicht so das Problem. Andere Kollegen haben da eher Schwierigkeiten. Die müssen immer jemanden haben, mit denen sie sich während der Arbeit unterhalten können. Aber spätestens in der Pause sitzen wir dann beisammen und können uns austauschen.

Auf mich wirkt sich die Ruhe und das entspannte Zusammenarbeiten mit den Kollegen sehr positiv aus. Es wäre schön, wenn wir das in die Nach-Corona-Zeit mit hinübernehmen könnten, diesen entspannten Umgang. Es sind eben alle nicht so unter Stress, und dadurch ist auch das Miteinander viel einfacher.

Gesprächsprotokoll: Caroline Winkler

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