Archivbild: Kinder beim Fußballspiel auf einem Bolzplatz in Berlin-Mitte. (Quelle: dpa/Karl-Heinz Spremberg)
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Fünf Wochen schulfrei - Dienstag kommt Emil, Mittwoch kommen Julian und Jonathan

Fünf Wochen schulfrei. Was der Traum aller Schüler ist, kann sich zum Angstgegner für Eltern entwickeln. Insbesondere, wenn sie ein energiegeladenes Kind haben und selbst arbeiten müssen. Deshalb bekommt Ben wider besseres Wissen Besuch. Von Sabine Krüger

Was Sie jetzt wissen müssen

Am Dienstagmorgen um acht Uhr kommt Emil zu uns. Am Mittwoch stoßen außerdem noch Julian und Jonathan dazu. Denn die Schule ist dicht, und wir Eltern haben uns abgesprochen, unsere – vornehmlich Einzelkinder – gemeinsam zu betreuen. Damit sie und wir nicht verrückt werden.

Ben braucht Bewegung - am besten mit Gleichaltrigen

Mein Sohn Ben* ist neun Jahre alt und hat keine Geschwister. Das war nicht so geplant, aber immer in Ordnung. Jetzt fällt es uns erstmals vor die Füße. Denn wenn jetzt keine Schule mehr stattfindet, was natürlich sinnvoll ist, um das Coronavirus nicht weiter zu verbreiten, beginnt für Ben eine Zeit der sozialen Isolation. Und die wird ihm besonders schwerfallen, denn Ben ist außergewöhnlich energetisch. Nein, er hat keine ADHS-Diagnose und ist auch kein Zappelphilipp. Aber wenn er sich nicht mindestens zwei bis drei Stunden am Tag möglichst spielerisch bewegen kann, ist er unausstehlich.

Die Bewegung holt er sich normalerweise selbst - am liebsten mit Gleichaltrigen. Er hat glücklicherweise einige Freunde, die genauso sportbegeistert sind wie er. Doch Fußballtraining und -spiele sind, genau wie der Tischtennis-Kurs, schon seit letzter Woche ausgesetzt.

Am Wochenende haben die Eltern ja Zeit

Das Wochenende hat mein Kind auf seinem relativ neuen Fahrrad verbracht. Ein kicherndes "Los, ihr lahmen Enten", war wohl das, was mein Mann und ich am meisten von ihm gehört haben bei unseren Ausfahrten. Sobald er – uns vorausfahrend – an einer Wiese vorbeikam, auf der Fußball gespielt wurde, hat er das Rad an den nächsten Baum gelehnt und hat enthusiastisch gefragt, ob er mitspielen darf. Ich mag das am Fußball normalerweise. Es bringt Menschen so unkompliziert zusammen. Doch kontraproduktiv in Sachen Corona-Schutz ist genau das ja dieser Tage durchaus.

Meinem Sohn fiel es schwer, das einzusehen. "Die anderen spielen doch auch alle." Stimmt, überall tummelten sich Berliner, die gemeinsam Sport trieben. Am Ende haben mein Mann und ich dann nicht nur viel mehr Fahrradkilometer geschrubbt als geplant, sondern auch noch Torwart und Gegner für das Kind gestellt. Dann kam noch Richard, ein Kindergartenfreund von Ben, zufällig vorbei und hat ohne groß zu fragen einfach mitgespielt. Das war eigentlich ziemlich schön.

Zuhause waren wir später alle ausgepowert, hungrig und zufrieden. Und auch unser Sohn hat sich dann mit einem Buch aufs Sofa gesetzt und eine ganze Weile gelesen.

Nun beginnt die Zeit ohne Schule

Aber nun beginnt die erste Woche ohne Schule. Ohne Hort. Ohne Nachmittagsangebote. Was das Lernpensum betrifft, mache ich mir keine großen Sorgen. Das Kind hat sehr engagierte Lehrer und ich fand Home-Schooling als Idee immer schon spannend. Nur muss ich neben Home-Schooling auch Home-Office hinkriegen. Mein Chef und meine Kollegen bauen auf mich. Ich arbeite schon seit mehr als einer Woche im Home-Office. Mein Mann ist auch zuhause. Er ist selbständig in einem Medienberuf und froh, wenn überhaupt noch Aufträge eintröpfeln, die er dann unverzüglich bearbeitet, um zu signalisieren, dass er präsent ist.

Ab Dienstagmorgen ist unser Sohn dann ebenfalls hier. Und wir reden von mindestens fünf Wochen. Spätestens um 6 Uhr ist Ben morgens wach. Eine Weile kann er dann noch lesen oder Hörspiele hören. Aber dann hätte er gern Gesellschaft und auch Betreuung. Er ist vom Typ her kein Kind, das stundenlang malt oder bastelt oder vor sich hinträumt. Und man kann ihn auch nicht dorthin erziehen. Das haben wir inzwischen akzeptiert und unser Alltag sieht entsprechend aus. Normalerweise.

Wissentlich unterminieren wir die Corona-Maßnahmen

Doch was tun in Corona-Zeiten, wenn nichts mehr geht? Unser Kind wird uns ohne Kindergesellschaft in der Pfanne verrückt. Zu viel Mediennutzung tut ihm auch nicht gut - und wir müssen arbeiten. Also kommt am Dienstagmorgen Emil, ein Schulfreund, zu uns. Ähnliches Kaliber, alleinerziehende Mutter. Zusammen werden sich die beiden gut beschäftigen können. Sie können ja Fahrradfahren, Fußballspielen in unserem Hof oder eine Höhle bauen im Zimmer. Am Mittwoch, da habe ich frei, kommen dann auch noch Julian und Jonathan dazu. Ich werde mit den Jungs in unseren Garten nach Brandenburg fahren. Dort können sie auf dem Trampolin springen und durch den Wald rennen.

Am Donnerstag geht Ben dann zu Emil, am Freitag hat Julians Mutter für die Bande Zeit. Die Nachmittage, wenn die Freunde wieder weg sind, und ich fertig bin mit meinem Arbeitspensum, haben wir für den Schulstoff vorgesehen. Damit ist die erste von fünf Wochen schulfrei zumindest theoretisch durchgeplant. Immer vorausgesetzt, keine Corona-Quarantäne wirft alles über den Haufen. Und dieser Fall ist ja gar nicht so unwahrscheinlich.

Denn natürlich ist uns Eltern allen klar, dass wir, indem wir die Kinder zusammen betreuen, die Maßnahmen, um Covid-19 an einer Ausbreitung zu verhindern, ein Stück weit unterminieren.

Kinder brauchen doch soziale Kontakte

Doch ganz ehrlich: Wir Erwachsenen können das hinkriegen. Keine Freunde mehr zu treffen, nicht ins Kino zu gehen und auch nicht ins Fitness-Studio. Die Oma rufen wir täglich an, statt einmal in der Woche hinzufahren. Aber wenigstens Kinder, insbesondere kleinere, brauchen doch soziale Kontakte. 

* Ben heißt im wahren Leben nicht Ben. Der Name wurde geändert, damit der Sohn der Autorin später selbst entscheiden kann, welche Informationen über ihn das Internet preisgibt. 

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

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  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

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Beitrag von Sabine Krüger

10 Kommentare

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  1. 10.

    Mal ganz ehrlich, der Sohn scheint ein echter Kotzbrocken zu sein, vor allem wenn er seine Eltern noch dazu mit "lahme Enten" tituliert und auch sonst ziemlich unausstehlich zu sein scheint. Das hat nichts mit Corona zu tun sondern einfach eine falsche Erziehung....
    Ich empfehle mal die Bücher von Michael Winterhoff zum Thema Beziehungsstörungen. Hier wächst eine absolut frustrationsintolerante und rücksichtslose Generation heran....

  2. 9.

    Klar verstehen wir das als Elter. Noch dazu weil wir eine gesunde und eine Schwerbehinderte Tochter haben. Jedoch muss ich sagen als Mutter Mensch und Pflegekraft das ich es sehr verantwortungslos finde sich nicht an die Regeln zu halten. Tut mir leid..aber selbst bei einem anstrengenden Kind muss es möglich sein mit Gutem Beispiel voran zu gehen. Ich versuche selbst als Pflegerin in teilzeit Leben zu schützen während es andere mit sämtlichen Ausreden zu nichte machen.

  3. 8.

    Die Kindergärten und Schulen hatten am Montag noch offen, damit sie das auch organisieren können, denn schließlich gibt es Notbetreuung. Eltern mussten sich dafür anmelden. Die anderen Eltern mussten das mit ihrem Arbeitgeber organisieren, ggf. Betreuung klarmachen. Die Entscheidung wurde an einem Freitag getroffen. Irgendwie muss das ja auch gestemmt werden. Einfach mal mitdenken...

  4. 7.

    Denken sie doch mal nach was für ein blöden Schwachsinn sie geschrieben haben. Im übrigen an die anderen: Kinder brauchen andere Kinder. Am besten Gleichaltrige, mit Mama und oder Papa zu spielen ist etwas ganz anderes als dies mit Kindern zu tun. Im übrigen gebe ich der Autorin recht. Gerade wenn man nur ein Kind hat wird es für das Kind schwierig und für die Eltern auch, da das eine Kind dann total auf die Erwachsenen fixiert ist.

  5. 6.

    Kinder, insbesondere kleine Kinder, brauchen soziale Kontakte? Demnach ist die Familie ein unsozialer Kontakt? Ganz besonders für kleinere Kinder sind die Bezugspersonen innerhalb der Familie wichtiger als Fremde - das wird uns nur eingeredet, dass Fremde wichtiger sind als die eigene Familie. Wäre der Schulzwang nicht, würden Liebe und Bindung zur Familie nicht so massiv gestört und unterbunden werden.

  6. 5.

    Also, Kontakte reduzieren ist trotzdem besser als weitermachen wie bisher ... und wie geschrieben: Es muss auch umsetzbar sein. Eine starke Reduktion der Sozialkontakte scheint mir da bei Kindern auch durchaus sinnvoll, aber eine kleine, festgelegte Gruppe - statt wechselnder und vielzähliger Kontakte - das scheint mir derzeit schon angemessen. Zumindest sind die Kinderkontakte da beschränkt und genau nachvollziehbar. Jedenfalls besser, als die Kinder bei Oma und Opa zu parken.
    Sie scheinen eher für eine sofortige und rigorose Quarantäne zu sein. Ich hoffe sehr, dass das nicht nötig sein wird und eine starke Einschränkung der Kontakte und insgesamt ein verantwortungsbewußter Umgang miteinander zu der erforderlichen Verlangsamung der Ansteckung führt. Falls doch eine allgemeine Quarantäne nötig wird, soll sich natürlich auch jeder und jede daran halten, keine Frage.
    Herzliche Grüße & bleiben sie gesund!

  7. 4.

    Zitat von Kerstin: "...nächsten Wochen mit einem engen Freundeskreis von sagen wir Mal 4-5 anderen Kindern trifft und dann genau die wechselseitig von den jeweiligen Eltern betreut werden ist doch schon viel gewonnen." - Ja: jedes Kind steckt jedes andere Kind und deren Eltern an! Wunderbar. Bitte mal nach Österreich, Spanien, Italien schauen - es wird nur Sinn machen, wenn die Infektionsketten dauerhaft unterbrochen werden. Und deshalb wird Deutschland ja auch Schritt-für-Schritt heruntergefahren - wir werden bestimmt noch die vollständige Quarantäne erhalten, wie die anderen, stark betroffenen Länder auch. Bitte nochmals nachdenken, WARUM das Ganze überhaupt veranstaltet wird. In Österreich patroulliert die Polizei in Parks - Gruppen von Leuten werden gebeten, nach Hause zu gehen. Spaziergänge nur mit unmittelbaren Familienmitgliedern etc. - wie lange werden wir noch brauchen, um uns des ganzen Ausmaßes der Angelegenheit bewußt zu werden?

  8. 3.

    Hey, das ist doch völlig o.k. und auch kein Unterminieren der Maßnahmen. Wenn sich "Ben" in den nächsten Wochen mit einem engen Freundeskreis von sagen wir Mal 4-5 anderen Kindern trifft und dann genau die wechselseitig von den jeweiligen Eltern betreut werden ist doch schon viel gewonnen. In der Schule hätte es mit Sicherheit viel mehr Sozialkontakte gegebenen als so - das Verbreitungsrisiko ist also ganz erheblich eingeschränkt worden. Und durchalten lässt sich das Ganze auch viel besser! Also, ganz gut um die Kurve flach zu halten. Alles Gute & bleibt gesund!

  9. 2.

    Dann wird es wohl höchste Zeit, dass Kinder lernen, was eine Krisensituation ist. Ganz nach dem Motto: Was sie nicht umbringt, macht sie nur härter.

    Die kommen auch ohne Freunde für eine ganze Weile aus, wenn ich mir so ansehe, wie oft und lange die am Smartphone/Internet hängen. Da haben sie doch jetzt die beste Gelegenheit, moderne Kommunikationsmittel exzessiv zu nutzen - ohne sich wirklich zu begegnen und munter Viren zu verteilen. Die sind doch eh alle auf Fake-Friends-Plattformen wie Facebook unterwegs und erfreuen sich an Likes von Krethi und Plethi, die sie niemals kennen lernen werden.

    Mal ganz zu schweigen von den Menschen, die wirklich niemanden - also auch keine Eltern - haben und vollkommen alleine sind in unserer "ach so sozialen" und von Liebe durchtränkten Gesellschaft, wobei sich dieses erschreckende Phänomen durch alle Altersklassen zieht. Die Kids werden folglich auf die sie früher oder später ereilende bittere Realität vorbereitet.

  10. 1.

    Tja, so haben es die Italiener anfangs auch gemacht - heute könnten sie sich deswegen ein Monogram in den Bauch beißen - besser verteilen als über symptomlose Kids geht es doch gar nicht.... und die Kinder sind auch nicht unser Problem. Wir machen das alles, damit unser Gesundheitssystem nicht in die Knie geht und wir die wirtschaftlichen Folgen minimieren können. Klar, auch um Leute ü50 zu schützen. Wir sind ja nicht so.

    Dass Montag (und in Brandenburg auch Dienstag...) noch die Schule offen ist, ist genau so ein Blödsinn. Der Blödsinn macht also vor sog. gebildeten Erwachsenen ohne Mathematikstudium (Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik...) nicht halt. Die Mathelehrerin fehlt seit über einer Woche ;-)

    Immerhin hat man jetzt zugegeben, dass die Inkubationszeit ca. 6-10 und nicht 14-20 Tage ist. Wer also ne gute Woche Isolation überstanden hat, ist durch. Schwacher Trost, ich weiss...

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