Berlin: Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, informiert über das neuartige Coronavirus 2019-nCoV (Quelle: dpa/Pedersen)
Audio: Inforadio | 17.03.2020 | Martin Adam | Bild: dpa/Pedersen

Virus breitet sich weiter aus - Robert-Koch-Institut setzt Corona-Risikoeinschätzung auf "hoch"

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus. Entsprechend hat das Robert-Koch-Institut die Risikoeinschätzung am Dienstag auf "hoch" gesetzt. Europa sei zurzeit im Fokus der Pandemie.

Was Sie jetzt wissen müssen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft das Risiko für die Bevölkerung durch das neuartige Coronavirus nun als "hoch" ein. RKI-Präsident Lothar Wieler begründete die Änderung der Risikoeinschätzung am Dienstag in Berlin mit der großen Dynamik der Pandemie und dem starken Anstieg der Fallzahlen. Entsprechend sieht das Institut eine erheblich gestiegene Gefahr für die Deutschen.

Das Risiko für die Bevölkerung variiere von Region zu Region und könne regional auch "sehr hoch" sein, wie beispielsweise im Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Bislang war die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland durch Corona als insgesamt "mäßig" eingestuft worden.  

RKI: Zahl der schweren Erkrankungen steigt

Wieler wies außerdem darauf hin, dass die Erkrankungszahlen mit großer Wahrscheinlichkeit wesentlich höher seien, als die offiziellen Zahlen, die dem RKI übermittelt werden. Entsprechend müsse weiterhin alles getan werden, um die Ausbreitung einzudämmen und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Inzwischen gebe es vermehrt Alarmsignale selbst von gut ausgestatteten Kliniken. Die Zahl der schweren Erkrankungen steige, so der RKI-Präsident.

Die Kliniken müssten sich nun schnell auf eine wachsende Zahl von schwer Erkrankten vorbeireten. "Wir erwarten von allen Hospitälern, dass sie ihre Intensivkapazitäten mindestens verdoppeln", so Wieler. Eine von fünf Infektionen werde einen schweren Verlauf nehmen. "Wir wissen noch nicht, wie die Sterberate am Ende aussieht." Klar sei nur, dass Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet seien.

Experten erwarten mehrjährige Dauer der Pandemie

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Deutschland lag bis Montagabend laut RKI bei 6.012 Infizierten - das waren über 1.100 Fälle mehr als am Vortag. Weltweit sei die Zahl der Infizierten inzwischen größer als in China. In China seien es 81.000, im Rest der Welt 86.000, sagte er. "Zur Zeit ist Europa im Fokus der Pandemie."

Mit Blick in die Zukunft geht das Robert Koch-Institut von einer mehrjährigen Dauer der weltweiten Infektionen aus. "Wir gehen von einem Zeitraum von zwei Jahren aus", so Wieler. Man wisse, dass Pandemien in Wellen verliefen. Deren Geschwindigkeit kenne man aber nicht genau. Es werde Jahre dauern, bis der erwartete Infektionsanteil von 60 bis 70 Prozent erreicht sei. Stark hänge die Dauer auch davon ab, wann ein Impfstoff eingesetzt werden könne. Dies könne ab nächstes Jahr der Fall sei.

Die verhängten Einschränkungen der Staaten im Kampf gegen das Virus könnten demnach notfalls zwei Jahre in Kraft bleiben müssen. "Im extremen Fall bestünde diese Möglichkeit", sagte Wieler auf die Frage, ob die Beschränkungen länger in Kraft bleiben müssten. Die Lage müsse immer wieder neu bewertet werden.

Archivfoto vom 11.03.2020, Berlin: Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister, äußert sich auf einer Pressekonferenz zu den Folgen des Coronavirus (Quelle: dpa / Jörg Carstensen).Micchael Müller (SPD)

Berliner Regierender schließt weitere Maßnahmen nicht aus

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erklärte am Morgen im rbb zu den weiteren drastischen Maßnahmen in der Hauptstadt, man müsse nun sehen, wie die Ausbreitung sich in den nächsten Tagen und Wochen entwickelt. Es sei das wichtigste Ziel, die Infektionswelle abzuflachen, so dass die Medizin damit Schritt halten kann. "Wenn wir das mit diesen Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, erreichen: Gut. Wenn nicht, muss es gegebenfalls auch weitere Schritte geben."

In einer Pressekonferenz um 13 Uhr will sich der Senat äußern, wie Berlin die am Montag von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen umsetzen will - und wann.

In Brandenburg tagt das Kabinett ebenfalls zu Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Voraussichtlich um 14.15 Uhr ist eine Pressekonferenz mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Finanzministerin Katrin Lange (SPD) geben.

rbb|24 streamt die Pressekonferenz in Berlin - im Web und auf Facebook.

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

  • Ich fürchte, infiziert zu sein. Was tun?

  • Was passiert mit möglichen Infizierten?

  • Was passiert mit Kontaktpersonen?

  • Welche Kapazitäten haben die Kliniken?

  • Welche Reisebeschränkungen gibt es?

  • Wie viele bestätigte Fälle gibt es?

  • Ist das Virus meldepflichtig?

  • Was ist das Coronavirus?

  • Woher kommt das Virus?

  • Wie kann ich mich anstecken?

  • Wie ansteckend ist das Virus?

  • Wer ist besonders gefährdet?

  • Wie funktioniert der Test?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie kann ich mich schützen?

  • Welche Behandlung gibt es für Infizierte?

  • Gibt es Immunität gegen das Virus?

  • Wie hoch ist die Sterberate?

26 Kommentare

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  1. 26.

    Mir fiel auf, daß Ärzte und Pfleger ( Innen ) die mit Schutzanzügen aus den Krankenzimmern kommen, nicht desinfiziert werden!!?? Die Personen müssen vor dem Ausziehen der Schutzanzüge mit Seifenlauge abgeduscht werden.
    Ähnlich wie bei mit Atomstrahlen verseuchte Schutzanzüge. Handschuhe, Masken usw. müssen vor der Entsorgung abgesprüht werden!! Sonst verteilen sich Millionen von Viren noch während des Ausziehens!!
    Sind denn alle zu bequem dazu??

  2. 25.

    Wenn Sie nun mindestens 14 Tage zu Hause bleiben (wobei sie mindestens 1 Woche symptomfrei sein müssen - könnten demnach auch 3 Wochen werden) ist doch gut, was soll Test dann noch bringen? Wenn Sie vorher aus dem Haus wollen, dann auf eigene Rechnung testen. Eigeninitiative ist gefragt, nicht immer alles auf den Staat abwälzen.

  3. 24.

    Ich bin 65 Jahre alt meine Frau 60 Jahre alt. Wir leben mit unserer Tochter und Ihrem Mann in einem Haus. Die Tochter hat ein Kind von 1Jahr und 8 Monaten. Nun soll man ja den Kontakt mit den Enkelkindern meiden. Die Tochter ist mit Ihrem Kind auch den ganzen Tag zu Hause, genauso wie wir. Sollten wir dann trotzdem keinen Kontakt zum Enkel haben?
    Mfg Norbert & Birgit Wenzel

  4. 23.

    Ich finde die Richtlinien für den Corona-Test sehr fragwürdig. Ich habe viel Menschenkontakt (auch zu fremden), egal ob beruflich oder privat. Ich habe die Symptome (dollen Husten, Fieber, Halsschmerzen und Heiserkeit) aber es werden die Kosten für einen Test nicht übernommen, weil ich weder im Risikogebiet noch Kontakt zu einer bereits positiv getesteten Person hatte. Ich kann natürlich auch 200 Euro aus eigener Tasche für den Test bezahlen. Dadurch gehen doch etliche infizierte Personen durch die Finger. Ich bleibe zwar seit Montag Zuhause, aber davor war ich natürlich trotzdem unterwegs. Und dann wundern sich die Menschen, warum die Zahlen steigen.

  5. 21.

    Man hätte gerade vom RKI schon viel früher diese Einschätzung erwarten können, ja müssen!

    Wer, wenn nicht die "Deutschen Chefvirologen/Epidemiologen" vom RKI kann denn hochrechen, was mittelfristig auf uns zukommt. Zwischen vor einer Woche und heute hat sich nichts nennenswert geändert: Die Fallzahlen verdoppeln sich weiter alle 3-4 Tage.

    Nach einer Woche des Zuwartens und damit einer Vervierfachung der Fälle sind damit alle Optionen auf weitere Intensivbetten oder zurückgeholte pensionierte Ärzte/Pflegerinnen aufgebraucht und untergegangen im Vergleich zu einer früheren (1 Woche (!) hätte gereicht) Entscheidung zu effektiven Maßnahmen.

  6. 20.

    ... das ist wohl war! So ähnlich habe ich es bereits vorige Woche geschrieben und man hat mich ausgelacht. Ich finde es nur schäbig, dass die Profis vom RKI erst vorgestern Gefahrstufe "hoch" ausgerufen haben. Vorgestern war es bereits jedem klar, dazu brauche ich kein RKI!!! Ich vermisse da den Weitblick der sogenannten Experten auch im Hinblick auf die Erfahrungswerte von Italien die tagtäglich in den Medien zu sehen waren. Aber wehe Sie kritisieren das RKI, da steigen viele Kommentatoren hier auf die Barrikaden.

  7. 18.

    Doch, das wären sie schon wenn man sie beachten würde ...
    Quelle: https://perspective-daily.de/article/1181/2hWA1mB8

  8. 17.

    Sorry, die Zahlenspielerei des RKI ist leider nur eine Risikoeinschätzung ohne direkte Folgen. Reine Statistiken sind nicht zielführend.

  9. 16.

    Moment, es geht hier nicht um die Qualifikation von Hr. Wieler, sondern um die Tatsache, dass mit den Erfahrungswerten aus Italien (lassen wir mal Korea außen vor), die Gefahr zu spät erkannt wurde und die Risikoeinschätzung zu spät auf hoch gesetzt wurde
    In Anbetracht der Situation in NRW hätte dies bereits vor einer Woche erfolgen sollen! Das ist Fakt.

  10. 15.

    Weitere Informationen zur Risikoeinschätzung des RKI finden Sie hier: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung_Grundlage.html

  11. 14.

    Was beinhaltet die Risikoeinschätzung HOCH im einzelnen?
    Welche weiteren Stufen gibt es überhaupt?
    Haben die Aussagen Folgen?

  12. 13.

    Soeben erfuhr ich, dass in Kneipen Berlins als Trotz und Dummheit es zur Pflicht gemacht wurde sich intensiv die Hand zu schütteln etc. Schon die seltsame Glasspülerei führt ja dazu, dass Viren auch garantiert das nächste Opfer finden. Gaststätten spülen bis 18:00 Uhr aber auch nicht virenfrei. Was wird noch alles nötig werden ?

  13. 12.

    "Die verhängten Einschränkungen der Staaten im Kampf gegen das Virus könnten demnach notfalls zwei Jahre in Kraft bleiben müssen." Kann man sich also jetzt langsam darauf einstellen, dass man erst in 2022 wieder seinen Wohnort (oder wenn demnächst die Ausgangssperre kommt, seine Wohnung) wieder verlassen darf und bis du diesem Zeitpunkt außer Arbeiten, Fersehen und Schlafen nichts anderes mehr möglich ist?

  14. 11.

    Mit einem Unterschied: Herr Wieler ist ein qualifizierter Fachmann, dessen Urteilsvermögen hierzu jeden Tag auf Neue gefordert wird im Gegensatz zu Konsumenten, wie evtl. auch Ihnen, oder haben Sie seinen Ausbildungs-und Wissensstand?
    Falls ja, warum sind Sie dann nicht medial präsent? Falls Nein: geben Sie gerne Ihre Meinung ab, aber stellen Sie andere nicht in ein schlechtes Licht, so Sie keine Qualifikation dafür haben.
    Bleibt gesund.

  15. 10.

    Symptome sind teilweise schon nach 6 Tagen zu erkennen. D.h. nach einer Woche könnte man schon etwas erkennen. Wenn die aktuellen Maßnahmen wie in Bayern nicht helfen, dann ist es wieso zu Spät. Jetzt kann nur noch abwarten.

  16. 9.

    Das nennt man man "höchste" Stufe.
    Ist ganz einfach.
    Bleibt gesund....

  17. 8.

    Man kann auch so fragen: Wie sehen Maximalmaßnahmen aus und was werden die kosten ? Wir lesen jetzt von Privatpartys weil öffentliche verboten sind. Was können wir aus den Fehlern anderer Länder lernen und wie wird das schnellstens umgesetzt ?

  18. 7.

    Das kann ich dir gerne sagen:

    1) Verbot die Wohnung zu verlassen, außer für medizinische Zwecke, um Lebensmittel zu kaufen und zur Arbeit zu gehen
    2) alles andere bleibt geschlossen
    3) Betriebe die nicht die Möglichkeit haben 2 Meter Abstand zu gewähren (von einem Arbeiter zum anderen ... Fließband oder drgl.) müssen schließen
    4) Handwerker dürfen nur Notdienste verrichten
    5) Baustellen werden geschlossen
    6) Lebensmittelläden dürfen nur von einer max. Anzahl an Leuten besucht werden. Kassen mit Gesichtsmaske und Handschuhen und Bezahlen im Abstand von 2 Metern
    7) öffentliche Verkehrsmittel nur an Stoßzeiten mit verringertem Menscheneinlass
    8) Betriebsmensen bleiben geschlossen

    Das wird kommen, in NRW ganz sicher, in Berlin bleibt zu hoffen, dass die derzeitigen Maßnahmen greifen und die Leute die Vorschriften ernst nehmen. Aber Achtung: alle Rest. und Geschäfte müssen komplett geschlossen werden, sonst kommt die Quarantäne auch hier.

  19. 6.

    Interessant ist doch, dass Südkorea, Taiwan und Singapur nicht mit einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Bürger reagieren, was als wenig hilfreich angesehen wird, sondern vor allem mit einer Vorbereitung des Gesundheitssystems: massenhafte Tests, ausreichend Isolierstationen für schwere Verläufe und zügige Isolation zu Hause für Infizierte mit leichten Verläufen (was für die allermeisten Fälle gilt). Also weniger martialische Maßnahmen als hier sondern vielmehr gezielte Maßnahmen gegen das Virus. Es kann auch niemand ernsthaft behaupten, dass man sich an der frischen Luft mit dem Virus ansteckt und damit eine Ausgangssperre notwendig wäre.

  20. 5.

    Was ist die nächste Eskalationsstufe nach hoch.

  21. 4.

    Was die Politiker wieder erzählen. Die Maßnahmen, die jetzt getroffen wurden, zeigen frühestens in vier bis fünf Tagen ihre Wirkung. So lange abzuwarten um zu entscheiden ob weitere Maßnahmen nötig sind können wir uns doch gar nicht leisten. Die zeigen dann ja wiederrum erst in vier bis fünf Tagen Wirkung. Hier muss man doch auf Modellrechnungen der Epidemiologen zurückgreifen können. Aber die hätten wahrscheinlich deutlich früher weitreichenderen Maßnahmen gefordert. Wie das zum Beispiel in Taiwan passiert ist.

  22. 3.

    "Wenn wir das mit diesen Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, erreichen: Gut. Wenn nicht, muss es gegebenfalls auch weitere Schritte geben." Die Inkubationszeit beträgt zwei Wochen. Wie lange soll gewartet werden, um die jetzt ergriffenen Maßnahmen zu beurteilen?

  23. 2.

    Das erkennt Hr. Wieler erst jetzt??? Was diese Leute den ganzen Tag machen ist mir ein Rätsel? Ich hätte ihm schon vor einer Woche sagen können - und habe das hier auch immer wieder geschrieben - wo es hinführt!! Echt zum Weinen!!!

  24. 1.

    Wo und wie werden eigentlich all die Folgen dokumentiert, die bislang bei all den sicherlich vernünftigen Schließungs-, Verbots- und Ausfallmaßnahmen auftreten, aber nicht bzw. noch nicht ausreichend prognostiziert wurden bzw. werden konnten? Damit man Notfall- und Katastrophenpläne in Zukunft präzisieren kann?

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