Symbolbild: Covid-19-Test am Flughafen (Quelle: dpa/Christian Charisius)
Bild: dpa/Christian Charisius

Fallzahlen, Nachverfolgung und Tests - Wie Berlin und Brandenburg die aktuelle Corona-Lage meistern

Die Corona-Neuinfektionen steigen bundesweit. Doch Vergleiche mit anderen Städten und Bundesländern zeigen: Berlin und Brandenburg scheinen - für den Moment - die Lage im Griff zu haben. Sie sind besser darin geworden, Fälle aufzuspüren. Von Haluka Maier-Borst

Die Corona-Fallzahlen steigen deutschlandweit seit einiger Zeit wieder, inzwischen sind es rund 1.500 Neuinfektionen pro Tag. Die zweite Welle zeichne sich deutlich ab, sagen bereits vereinzelte Experten. Doch für den Moment sieht es so aus, als würden Berlin und Brandenburg die Lage beherrschen - und sich sogar eher gegen den Bundestrend stellen.

Nach dem rapiden Anstieg der Neuinfektionen in Berlin vergangene Woche, ist die Zahl der Neuinfektionen der letzten sieben Tage wieder deutlich zurückgegangen. Damit ist man zwar immer noch auf einem höheren Niveau als noch vor einigen Wochen. Es deutet aber darauf hin, dass dass die Reiserückkehrer zum Ferienende vergangene Woche nicht für all zu viele neue Cluster und eine massive Ausbreitung der Infektionen sorgen.

Ähnlich sieht es auch in Brandenburg aus. Zwar steigen hier die Zahlen nach wie vor leicht, aber eben auf einem niedrigen Niveau.

Außerdem ist für beide Bundesländer die Quote der positiven Tests leicht gesunken und deutlich unter einem Prozent. Das deutet darauf hin, dass Berlin und Brandenburg wohl besser darin geworden sind, Fälle aufzuspüren. Erklären lässt sich das wie folgt:

Generell versucht man bei den Tests nach absteigender Wahrscheinlichkeit einer Infektion vorzugehen. Das heißt, man testet zunächst die Leute, die Covid-19 sehr wahrscheinlich haben. Für diese Tests ist die Quote für positive Befunde hoch. Testet man dann auch die, die etwa nur einzelne Symptome haben, die auf Corona deuten, ist die positive Testquote schon niedriger. Und für die Kontaktpersonen von diesen Leuten oder Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollte die Wahrscheinlichkeit eines positiven Tests noch geringer sein. Daraus folgt: Je niedriger die Positivquote, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es unentdeckte Fälle gibt.

Für Berlin hat rbb|24 zudem nochmals erfragt, bei wie vielen der positiven Tests sich der Infektionsort rückverfolgen lässt. Dabei hat sich auch gezeigt, dass es bei der Recherche zu einem Artikel vergangener Woche ein Missverständnis gab.

Der Senat weist "Fälle mit bekannter Infektionsquelle" und "Fälle mit Auslandsexposition" aus. Fälschlicherweise ging rbb|24 davon aus, dass das zwei separate Formen der Erfassung sind. Also dass zum Beispiel ein Fall eine bekannte Infektionsquelle haben und aus dem Ausland kommen kann. Tatsächlich ist es aber so, dass ein Fall mit bekannter Infektionsquelle, mit Auslandsexposition oder mit unbekannter Infektionsquelle klassifiziert werden kann.

Der Berliner Senat ist damit strenger in seiner Definition als es andere Städte sind, die rbb|24 zum Vergleich herangezogen hat. Entsprechend werden auch Fälle mit Auslandsexposition als Fälle mit bekannter Infektionsquelle verbucht. Nimmt man diese Anpassung hin, schlägt sich Berlin in einem Vergleich solide. Nur Wien steht klar besser da.

Auffällig ist für Berlin zudem, wie groß der Anteil an positiven Fällen aus dem Ausland ist, wenn man sie gesondert ausweist. Hier deutet sich an, dass die Stadt viele eingeschleppte Fälle hat. Um diese zu erkennen, scheint also das sofortige Testen an Flughäfen, Busterminals und auch am Hauptbahnhof besonders sinnvoll und wichtig. Anders wäre es, wenn die Lage mehr wie in Wien aussehe, wo deutlich weniger eingeschleppte Fälle registriert werden.

Allerdings muss man die aktuellen Zahlen mit Vorsicht interpretieren. Zum einen ist die Zahl der nicht verfolgbaren Fälle leicht gestiegen im Vergleich zur Vorwoche. Zum anderen kommt es eben nicht nur darauf an, ob man Fälle zurückverfolgen kann – sondern auch wie schnell. Denn nur dann lässt sich eine Ausbreitung eindämmen.

Wien beispielsweise setzt auf ein sogenanntes Kaskaden-Testing: Wird eine Person positiv getestet, werden sehr schnell Kontaktpersonen isoliert und getestet und anschließend bei etwaigen Positiv-Tests auch wiederum die Kontaktperson der Kontaktperson isoliert und getestet. Prinzipiell gelten ähnliche Testregimes auch in Deutschland. Allerdings legen einzelne Berichte nahe, dass deutlich mehr Zeit vergeht, bis die Kontaktpersonen isoliert und getestet werden.

Berlin und Brandenburg scheinen die Lage für den Moment im Griff zu haben. Dass aber zum Beispiel Berliner Labore davor warnen, dass sie die Flut an Tests von Rückreisenden nicht mehr abarbeiten können, könnte zu einem Problem werden. Insbesondere, wenn sonst die Verfügbarkeit der Test für die Krankenhäuser gefährdet wären.

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21 Kommentare

  1. 21.

    Stimmt nicht ganz .... He. Lauterbach hat nun das gleiche gesagt und hinzugefügt, das ist nicht nur ein Problem in Berlin sondern in ganz Deutschland..... naja He. Söder wird dies für Bayern bestimmt dementieren.

  2. 20.

    Rbb
    Stimmt es,dass Prof.Drosten der Politik empfohlen hat,die kostenlosen Tests an Flughäfen einzustellen?
    Bin gerade baff.

  3. 19.

    Ich finde auch dass der RBB langsam damit wirklich nüchterner und fokussierter umgeht und nicht nur reine Angst und Panikmache betreibt.
    Danke dafür, es sollte auch mal ein Lob möglich sein.
    Insgesamt bleibt aber für mich der Eindruck umso mehr getestet wird umso mehr Fälle treten auf, von daher sollte man sich davon verabschieden, dass wir jemals wieder auf 0 kommen.
    Lieber lernen damit umzugehen, wie mit allen und teilweise viel schlimmeren Krankheiten.
    Die ganz normale Hygiene Etikette, die teilweise auch eben ohne Maske möglich ist.

  4. 18.

    @rbb:
    Haben Sie eig. Informationen, wie viele Menschen sich in Sportstudios anstecken?
    Diese wurden ja im März/April von vielen als total gefährlich bezeichnet.
    Ich dachte nach der Wiedereröffnung, dass unsere Hütte jeden Tag wieder schließt. Oder dass man in Quarantäne muss, weil irgendjemand Corona hatte, der hier trainiert.

  5. 17.

    Gebe ich Ihnen recht.
    Herr HMB informiert jedoch ziemlich ausgewogen.
    Leider ein Lichtblick.
    Ich erinnere mich noch an den Januar/Februar.
    Da hatte ich viel größere Angst.
    Damals Verharmlosung: Kann uns nicht passieren, China sperrt Leute ein / nur in Diktatur möglich.
    Aufrufe zur Gelassenheit.
    Viren kennen keine Grenzen usw.
    Wer sich dann vielseitig informiert und gemerkt hatte, dass man nicht in totale Panik verfallen muss, bekam dann ab März von Politik und Medien den Stempel "Corona-Leugner".
    Auch in vielen Talkshows wird ja nicht über Corona diskutiert - sondern was mit den Leugnern los ist.

  6. 16.

    Der anerkannte Virologe Hendrik Streeck hat am 19.August im Dom zu Münster eine fulminante Rede zu Corona gehalten.War leider nur im Internet zu verfolgen.Professioneller Erkenntnisgewinnung!!!!
    Viele haben mittlerweile den Eindruck, die Medien informieren und berichten nur noch anhand vorgegebener Leitlinien und nicht mit der Tiefenschärfe eines diskursiven Journalismus.

  7. 15.

    Was Sie möchten, ist doch der Regelfall in den Medien. Also ignorieren Sie doch einfach diesen Artikel. Der ein oder andere möchte eben auch genauere Informationen. Ist doch schön, wenn er die in öffentlich-rechtlichen Medien findet, das stärkt das Vertrauen in deren Seriosität und Glaubwürdigkeit.

  8. 14.

    Damit bestätigen Sie aber nun klar die Kritiker, die schon immer gesagt haben, dass die Zahlen nicht verlässlich sind, sondern "reine Spekulation " .
    Als Kompromiss würde ich erstmal vorschlagen, sprachlich genau zu agieren und bei den Fallzahlen von dem zu sprechen, was sie sind, nämlich positive Tests, ggf bereinigt um Mehrfachtestungen einzelner Personen. Ob die infiziert oder erkrankt oder falsch positiv oder oder oder sind, bleibt offen.

  9. 13.

    Das war eine Replik auf die Anmerkung, dass auch der Rückstau in den Laboren berücksichtigt werden soll. Falsch positive Tests sind aber etwas ganz normales, das ist nichts Coronaspezifisches. Die Falsch-Positiven-Test-Rate wurde im übrigen in einem Labor-Ringversuch im April ermittelt und lag da mit über einem Prozent über der derzeitigen Gesamtpositivrate. Ein zweiter Ringversuch wurde bis Ende Juli durchgeführt, die Ergebnisse aber wohl noch nicht veröffentlicht. Ich erwarte eine geringere Rate, die aber angesichts der derzeit niedrigen Prävalenz dennoch Rolle spielen wird. Wie bisher auch.

  10. 12.

    Absolut niemand sagt, dass der Test zu 100% richtig ist.
    Es gibt also immer falsch negative und natürlich auch falsch positive.
    Nur wie hoch die jeweilige Quote ist....darüber streitet man munter.

  11. 11.

    Die Zahlen steigen weltweit stark an!
    Mehr braucht es da eigentlich nicht zu wissen und/oder sollte kommuniziert werden.
    Mehr braucht es da auch nicht zu verstehen.
    Was soll uns dieser Beitrag nun vermitteln?
    Berlin ist das Superland, oder was? Nur noch lachhaft!
    Genau dies führt zur gespaltenen Gesellschaft, welches ja scheinbar von einigen Kreisen so erwünscht ist.
    Finnland hat Deutschland zum Risikogebiet erklärt.
    Negieren und verwischen wir doch weiter. Immer schön mit dem Finger auf die anderen.
    Bekämpfen wir uns doch weiter gegenseitig als Risikogebiet!
    So wird das nichts mit Corona und guten Zahlen, die es gar nicht gibt! Nicht in Deutschland und auch nicht in Berlin!
    Wer dieses Trauerspiel anspricht, der wird beleidigt und kritisiert! Zahlreiche Wissenschaftler beklagen sich massiv über derartige Zustände in der Gesellschaft und die Kommunikation der Medien.

  12. 10.

    Eine Falsch-Positiv-Quote angeben, die niemand irgendwie beziffern kann, von der niemand weiß, ob es sie überhaupt und in irgendwie relevantem Ausmaß gibt und das nur weil man sie nicht völlig ausschließlichen kann?
    Bisher ist kein falsch-positiver Befund bekannt.
    Von den 2605 in Berlin (Quelle: Tagesspiegel, "Teststellen sind nach Schulbeginn überlastet", 18.8.2020) freiwillig, verdachtsunabhängig und symptomlos getesteten Lehrern waren 5 positiv (0,2%) ... Alle Falsch? Die Hälfte? Einer? Ein Halber? Genau, reine Spekulation.

  13. 9.

    Ich halte das hier für eine angenehme Ausnahme, dass die Zahlen mit ihren Unsicherheiten dargestellt werden und finde sonst andere Artikel mit eher abschließenden Urteilen sehr nervig. Ich mag es nämlich überhaupt nicht, wenn Journalisten meinen, dass die Leute nicht in der Lage sind, Schlüsse aus dem Datenmaterial zu ziehen. Und sehe auch überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass sie das intellektuell besser hinbekommen sollten als ihre Leser.

  14. 8.

    Wann werdet ihr mal endlich eurem Auklärungs- und Meinungsfreiheitsanspruch gerecht? Angst und Panikmache ist nur der Gehilfe für Verunsicherung und sozialer Isolation! Ein schöner Bericht über PCR Tests, die nicht validiert sind, die laut WHO auf Corona Viren im menschlichen Körper allgemein ansprechen, oder ganz einfach: positiv getestete sind nicht gleich Infizierte, das RKI Dashboard vergleichen und die Ungereimtheiten darin aufdecken, nein, ist wahrscheinlich zu viel von euch verlangt! Es darf wohl nicht sein, was nicht sein darf, aus welchem Grund auch immer! Artikel 5 Grundgesetz und alle ist im Fluss!!

  15. 7.

    Dann aber auch die falsch Positiven abziehen. Ist beides quantitativ nicht genau zu fassen, sollte qualitativ aber immer mit erwähnt werden.

  16. 6.

    Vielleicht verstehe ich die Zahlen nicht richtig....aber die positiv Quote von 0;5% 18.08.
    Das sind schon die positive Ergebnisse, also die neuinfektionen.... aber die Anzahl der Tests ist nicht die komplette Zahl der durchgeführten Tests, da diese Zahl freiwillig gemeldet wird ?
    Also ist die positiv Quote von 0,5% nicht richtig, sondern sie ist niedriger ....um wieviel weiß man aber nicht ?!

  17. 5.

    Irgentwie zweifelt man an den Zahlen, hoffentlich stimmt das alles so, heut früh war ewig kein update möglich beim RKI. Danke an Haluka für die Arbeit damit auch der Bürger das versteht. Leute, die Maske ist doch das wenigste was Wir tun können damit nicht nochmal solch ein verbot kommt. Denkt auch an eure Kinder die es im moment schwer haben im der Schule.

  18. 4.

    Zunächst danke Herr HMB!
    Wie immer sehr übersichtlich und faktenbasiert.
    Die Anti-Corona-Demo, deren Teilnehmer laut S. Esken "Covidioten" waren, haben wohl die Gesundheit von niemandem gefährdet.
    Hierfür müsste sie sich eig. entschuldigen.

  19. 3.

    Sind solche Artikel wirklich hilfreich?
    Zuviele Spekulationen ,Annahmen und Behauptungen ohne Evidenz.Und auch Fehler (positiv getestet bedeutet nicht infiziert oder erkrankt).
    Fazit:"Nichts Genaues weiss man (der Autor) nicht."

  20. 2.

    Leute es sind Infektionen, keine Erkrankungen. Nur der Nachweis das das Virus da ist. Die einzig relevante Zahl ist die Zahl der betreuten Intensivfälle in den Krankenhäusern, und die geht seit Monaten konsequent nach unten (ich glaube ca. 150 Fälle deutschlandweit bisher, also völlig unkritisch). Das war der ursprüngliche Grund der Maßnahmen. Auch ist viel mehr getestet worden, deshalb mehr gefunden, der Quotient ist in etwa gleich geblieben.

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