Ein Hinweisschild auf dem Linienbus M29 der BVG weist die Fahrgäste daraufhin, die hinteren Türen zum Einsteigen zu nutzen (Quelle: DPA/Kay Nietfeld)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.03.2020 | Nachrichten | Bild: DPA/Kay Nietfeld

Corona-Krise - Berliner Nahverkehr soll weiter möglichst uneingeschränkt fahren

Schulen werden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt - doch der öffentliche Nahverkehr in Berlin soll möglichst ohne Einschränkungen weiterlaufen. So will es der Senat. Allerdings werden sich die Einschränkungen im Alltag auch auf den ÖPNV auswirken, erwartet Michael Müller.

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Auch angesichts der Corona-Krise soll der öffentliche Nahverkehr in Berlin so lange wie möglich vollständig in Betrieb bleiben. Das habe der Senat am Freitag beschlossen, teilte die Verkehrsverwaltung mit.

Grund sei, dass wichtige Infrastruktur wie Krankenhäuser, Sicherheitsbehörden und Versorgungsbetriebe für alle Menschen möglichst gut erreichbar bleiben sollen, hieß es. Zudem würde ein eingeschränktes Angebot bedeuten, dass mehr Fahrgäste pro Fahrzeug zu erwarten seien, was wiederum eine erhöhte Ansteckungsgefahr nach sich ziehen könnte.

Bei deutlich weniger Fahrgästen könnte das Angebot angepasst werden

Allerdings schließt der Senat nicht aus, dass es künftig im ÖPNV zu Einschränkungen kommen könnte. Wenn Veranstaltungen, Versammlungen, Messen und Kongresse verboten sowie der Schulbetrieb eingeschränkt werde, führe dies automatisch zu einer geringeren Nachfrage, sagte Regierungschef Michael Müller (SPD) am Freitag nach einer Sondersitzung des Senats. Sollte das Fahrgastaufkommen signifikant sinken, könnte das Angebot angepasst werden - auch zum Schutz des Personals, hieß es von der Verkehrsverwaltung.

Sie wies zudem darauf hin, dass es zu Einschränkungen im Angebot kommen könnte, wenn etwa Mitarbeiter vermehrt krank oder in Quarantäne kommen würden. Daher hätten Senatsverwaltung, BVG und S-Bahn besondere Schutzmaßnahmen für das Betriebspersonal beschlossen.

So dürfen in Bussen die Fahrgäste nicht mehr vorn beim Fahrer einsteigen, die Fahrerkabine ist durch ein Flatterband vom Passagierraum getrennt. Ein Ticketkauf beim Fahrer im Bus ist nicht mehr möglich. Die S-Bahn soll beim Halt im Bahnhof die Zugtüren möglichst automatisch öffnen. Zudem würden die Reinigungsintervalle bei allen Fahrzeugen erhöht, so die Verkehrsverwaltung.

Shutdown für Schulen, Clubs und Kneipen

Der Senat hatte am Freitag drastische Maßnahmen verkündet, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus möglichst einzudämmen. So werden ab Montag die Schulen und Kitas in Berlin schrittweise geschlossen. Lediglich eine Notversorgung soll aufrecht erhalten werden.

Außerdem sollen die Clubs, Bars und Kneipen ab Mitte kommender Woche schließen. Bei der Gastronomie wolle man aber den Bereich aufrechterhalten, der mit einem Essensangebot der Versorgung diene, sagte Müller. Die rechtlichen Grundlagen für diesen Schritt sollten demnach am Dienstag beschlossen werden. Ob die Schließungen dann unmittelbar oder erst am Mittwoch gelten werden, war zunächst nicht klar.

Die nun aktuellen Maßnahmen sollen zunächst bis zum 20. April gelten. Dann soll bewertet werden, so Müller, ob sie Wirkung zeigen und die Angebote in der Stadt wieder hochgefahren werden können.

Sendung: Inforadio, 13.03.2020, 11 Uhr

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68 Kommentare

  1. 68.

    "Man muß aber erst einmal zur Schiene kommen."

    Hier erweist sich - neben vielen anderen Aspekten - noch einmal die Torheit des ehemaligen Westteils von Berlin, die Straßenbahn abgeschafft zu haben. Fahrkartenautomaten im Fahrzeug kann es eben nur vorwiegend in Bahnen geben, kaum aber in Bussen und das liegt am Laufverhalten der Fahrzeuge. Wo die Tram einen vglw. ruhigen Fahrverlauf hat, ist die Busfahrt vglw. eine Slalomfahrt.

  2. 67.

    Sorry, aber wie daneben ist das denn, zu planen, dass weniger Züge rollen sollen??? Nach dem was ich so erlebt habe, sind die Bahnen nicht wirklich sehr viel leerer als sonst. Jetzt wird ausgedünnt, damit die Leute sich erst recht wieder aneinander kuscheln können... Sollten tatsächlich weniger Menschen die Öffis benutzen, wäre es gerade ratsam, alle Züge rollen zu lassen, damit die Leute sich besser verteilen können... Aber Hauptsache alle Veranstaltungen werden abgesagt... Am Ende werden wir noch in der U Bahn oder S Bahn krank. Denn wir MÜSSEN trotz allem zur Arbeit und zu Terminen!

  3. 66.

    Ja, es ist Sch...! Und ja, es wird noch schlimmer werden!
    Wenn Sie sich genauer mit den Fakten befassen würden, wüssten Sie das und bräuchten Sie nicht mit so unsäglichen Vergleichen antworten. Populismus hilft niemandem weiter.

    Besser mal der Wahrheit ins Auge sehen, dass das erst der Anfang ist und sich dann 'ne Rübe machen, wie man individuell seine konkrete Situation löst. Da hilft kein meckern im Netz und das Denken wird einem auch niemand abnehmen.

    Einfacher wird es nicht und besser schon gar nicht.

  4. 64.

    Die Idee ist vom Grundsatz her in Ordnung. Aber Fahrkarten müssen nun mal verkauft, bzw. es muss von wem auch immer kontrolliert werden, ob Benutzungsentgelt bezahlt wurde. Und ob der Busfahrer durch diese Maßnahme adäquat gegen eine Ansteckung geschützt ist, sollte noch geprüft werden. Die Gefahr kann auch von hinten durch schniefende, hustende und rotzende Fahrgäste nach vorne kommen. Was ist eigentlich mit dem Personal, was bei der BVG oder bei Agenturen in sogenannten Service Centern tätig ist und dort für den ÖPNV oder der Bahn Tickets verkaufen. Wird auch an deren Gesundheit gedacht.

  5. 63.

    Das ist gerade der Punkt. Die Fahrgäste sind denen doch schnuppe, haben meist eh ein Jahresticket im Voraus bezahlt.
    Aber am Arbeitsrecht/Arbeitsschutz inkl. Gewerkschaften kommen sie nicht vorbei. Sie MÜSSEN die Fahrer schützen.

    Ich ärgere mich auch maßlos. Quäle mich extra sehr früh raus, um halbwegs leere Busse zu haben, was auf meine Linie auch klappt. Wenn jetzt die Schüler raus sind aus dem ÖPNV, wird es auch nachmittags erträglich. Wenn das jetzt ausgedünnt wird, oder ganz eingestellt, darf ich mich statt 10+5 kurze Fahrten 45min in die Virenröhren stopfen.

    Das ist NICHT ungefährlicher für die Fahrgäste. Wenn es um die ginge, würde man eine Maskenpflicht und häufiger desinfizieren (Tücher in den Bussen, dass man nichts anfassen muss und nebenbei gleich desinfiziert) durchsetzen - aber das würde ja AUFWAND bedeuten.

    Nein, um die Fahrgäste geht‘s nicht wirklich.

  6. 62.

    Richtig. Und darüber müssen Sie jetzt Gedanken machen. Denn: das ist erst der Anfang...

  7. 61.

    @Alfred Neumann: Danke für den Hinweis ... mein Problem ist leider, dass ich nur in meiner Unterkunft online bin und dies nur mit Laptop (viele Apps funktionieren nur für Smartphones und co.) - so informiere ich mich bisher nur per gmaps, die hier in Berlin zum Glück recht aktuell gehalten werden. Akut kann ich mich aber morgens nicht über den Heimweg informieren, sondern muss diesen bereits abends vor Abfahrt mit recherchieren.

    Sonntags ist es morgens ohnehin schon ein Weg mit doppeltem Zeitaufwand als der Hinweg, da bei drei Mal Umsteigen mit Verkehrsmitteln, die nur im 20-Min-Takt fahren und gegenseitig keinen Anschluss bieten, gleich mal eine ganze Stunde länger!

  8. 60.

    Zuverlässiger dürften die Fahrplan-Apps von BVG, S-Bahn und VBB sein. Die greifen auf die gleichen Daten zu, haben nur ein jeweils etwas angepasste Oberfläche.

  9. 59.

    … und die BVG Busfahren müssen dann ersatzweise - wie in Tokio - als U- / S-Bahn-Stopfer arbeiten?
    Endstation der Bahn ist dann gleich: Krankenhaus / Corona-Teststelle

  10. 58.

    Wenn man den ÖPNV auf ein Minimum reduziert, dann sollte man im Gegenzug, aber die Parkraumbewirtschaftung in der Innenstadt aussetzen. Denn als medizinisches Personal aus einem Außenbezirk muss dann mit meinem eigenen PKW ins Zentrum fahren und dort Parken, aber ohne einen Zettel, sonst macht das alles keinen Sinn.

  11. 57.

    oh weia! Ich arbeite allnächtlich irgendwo anders in Berlin - und zwar in der Pflege!
    .... Bitte liebe rbb-Redaktion, informieren Sie hier, ab wann und wo man sich über fahrende Bahnen informieren kann. Meine Einsätze erhalte ich häufig nur einige Stunden vor Abfahrt und im Übrigen weder die Anfahrten noch die Anfahrtszeiten vergütet. Die Kliniken und Senioreneinrichtungen sowie auch -WG's sind häufig nur durch Umsteigen in Busse erreichbar ...

  12. 56.

    Ist doch völliger Blödsinn! Dann drängeln sich noch mehr Leute in den wenigen Bussen.
    Es sollten eigentlich noch mehr Busse fahren, damit die Leute nicht so gedrängt stehen müssen.
    Das fördert doch noch die Verbreitung der Viren.
    Da sollte der Senat lieber daran arbeiten, dass die Menschen besser zuhause bleiben und weiter ein Entgeld bekommen.

  13. 55.

    Wenn es um die Gesundheit der Fahrer geht, dann kann man ja in den Bussen den vorderen Bereich mit Folie abkleben.

  14. 52.

    Ich wohne in Hohenschönhausen und arbeite in Westend das sind gute 30 km 2x am Tag macht in der Woche dann 300km an wen soll ich dann meine Fitnessgebühr überweisen und kann ich die mit der BVG Jahreskarte verrechnen? Ist das Fahrrad dann als Mehraufwand steuerlich absetzbar und spinnt ihr jetzt eigentlich alle?

  15. 51.

    Ändert aber nichts dran das die Leute trotzdem zur Arbeiten müssen auch wenn weniger Busse fahren die bekommen nicht alle frei und können Zuhause bleiben.

  16. 50.

    Wenn man sich den Arm amputiert weil man am Finger eine Schnittwunde hat, ist das vielleicht etwas übertrieben. Auch bei einer Epidemie müssen die Menschen essen, arbeiten und zum Arzt. Wenn Menschen verhungern weil Supermärkte nicht öffnen weil die Mitarbeiter nicht zur Arbeit gelangen, ist das ein bisschen schlimmer als eine Krankheit, auch eine gefährliche.

  17. 49.

    Es leben nicht alle in der A- Zone. Züge fahren andere Strecken als Busse. Wie war das mit Abstand halten? Dann unmöglich. Die Pendler aus Brdbg. werden dann noch mehr am Stadtrand parken zuzüglich. zum Stau...

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