Zahlreiche Fahrgäste steigen am Berliner U-Bahnhof Neukölln in eine U-Bahn ein oder kommen aus den Türen heraus. Quelle: Christoph Soeder/dpa
Audio: 05.11.2020 | Raphael Knob | Bild: dpa/Christoph Soeder

Berliner Amtsarzt - "Wir gehen von einer viermal höheren Zahl Infizierter aus"

Die Testlabore in Berlin sind komplett ausgelastet. Nicht alle, die sich auf Corona testen lassen wollen, bekommen die Gelegenheit dazu. Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid glaubt, dass es inzwischen deutlich mehr Infektionen gibt, als bekannt ist.

Der Berliner Amtsarzt Patrick Larscheid hält die Corona-Ansteckungszahlen in der Hauptstadt für unterschätzt. "Wir gehen von einer viermal höheren Zahl Infizierter aus, als wir tatsächlich sehen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. In Berlin lag die Zahl der Positivtests Ende Oktober bei 7,6 Prozent und damit über dem Höchstwert vom Frühjahr mit 7,4 Prozent.

Larscheid, Amtsarzt im Bezirk Reinickendorf, sagte, im Frühjahr seien viel breiter Menschen ohne Symptome getestet worden. "Das können wir uns jetzt überhaupt nicht mehr leisten." Inzwischen würden von Berlins Gesundheitsämtern nur noch Menschen mit Symptomen getestet, da sei die "Positivrate naturgemäß etwas höher".

Die Interpretation der Amtsärzte sei aber auch, dass es eine höhere Dunkelziffer gebe. "Auf jeden Getesteten, den wir sehen, kommen mehr Positive, als wir sehen." Wer sich jetzt in einer Menschenmenge bewege, habe deshalb ein höheres Infektionsrisiko als noch im Frühjahr.

Testkapazitäten in Berlin am Limit

Die Laborkapazitäten sind nach Larscheids Angaben erschöpft und können - anders als im Frühjahr - auch nicht weiter hochgefahren werden. Allein in Berlin gab es pro Woche zuletzt mehr als 66.000 Tests. Bei manchen Laboren dauere es inzwischen drei bis vier Tage, bis ein Testergebnis vorliege, sagte Larscheid.

Neben den Gesundheitsämtern schicken auch Arztpraxen, Teststellen und kommerzielle Anbieter Proben ein. "Wie viele Tests von wem kommen, kann niemand genau sagen", berichtete Larscheid. "Wir sind Konkurrenten um die Laborkapazität."

Bislang wenige Infektionen in Alteneinrichtungen

Die Gesundheitsämter seien gezwungen, ihre Kapazitäten einzugrenzen. Sie könnten Ressourcen jetzt nicht mehr für Menschen mit einer Erkältung nutzen, sagte Larscheid. "Die kriegen von uns gar keinen Termin." Voraussetzung seien nun schwere respiratorische Erkrankungen - dazu zählten zum Beispiel eine Bronchitis, Lungenentzündungen und Atemnot.

Wer ein positives Testergebnis hat, bekommt in Reinickendorf inzwischen eine SMS, sofern es nicht um Risikogruppen geht. "Wir finden das nicht supercool, aber wir brauchen unsere Fachleute für die schweren Fällen", sagte Larscheid. Alle anderen müssten für Einzelheiten warten und sich erst einmal selbst in Quarantäne begeben, sowie ihre Kontakte informieren.

In den Alten- und Pflegeeinrichtungen der Hauptstadt gebe es noch ein relativ geringes Ausbruchsgeschehen, sagte Larscheid. "Aber es ist nur eine Frage der Zeit, da machen wir uns keine Illusionen."

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49 Kommentare

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  1. 49.

    Wann habe ich denn behauptet, dass man kein Personal einstellen soll und die Bevölkerung weg gesperrt gehört? Habe ich einen Kommentar von mir verpasst?

  2. 48.

    Na dann vielleicht mal die ganze Studie lesen und nicht nur rauspicken was einem gefällt zudem ist die Studie schon wieder einen Monat alt und die ausgewerteten Daten sind noch älter und das ist ne Menge Zeit bei einem Virus welches noch nicht einmal 1 Jahr alt ist und für alle neu war.....

  3. 47.

    Und ohne Verkehrsunfälle und Krankenhausinfektionen gäbs noch mehr freie Plätze....

    Also lieber die Bevölkerung wegsperren als mehr Peraonal einzustellen? Schon klar.

  4. 46.

    Sieht es wegen der härteren Regeln in Bayern dort besser aus?

    Nö.

  5. 45.

    Diese Aussage der WHO ist schon ein paar Wochen alt.

    Mittlerweile dürften es schon deutlich mehr als die 10% sein.

  6. 44.

    "Vielleicht mal früher aufstehen, eher losgehen, Zeit gewinnen. Wenn’s geht den nächsten Bus oder Bahn nehmen." Bitte? Das kann auch nur jemand schreiben der noch nie einer geregelten Arbeit nachgegangen ist. Die meisten Arbeitnehmer stehen eh schon zu gottlosen Zeiten auf, aber warum nicht einfach noch eine Stunde früher? Ist doch nicht so schlimm! Das Kind kann vielleicht auch noch eine Stunde vor der geschlossenen Kita warten, geht schon. Und der Arbeitgeber sieht es sicher gern wenn einfach "die nächste Bahn" genommen wird, kommt man halt zu spät zur Arbeit, was solls!
    Zynisch und weltfremd ist das!! Ich fasse es ja nicht...

  7. 43.

    Das eine ganze Klasse in Quarantäne geht wird doch in Berlin kaum noch durchgeführt. Mir sind zumindest einige Fälle bekannt, wo gerade mal der direkte Sitznachbar des Kindes, darüber informiert wurde, dass das Nebenkind Corona positiv war. Von Quarantäne ganz zu schweigen.

  8. 42.

    Sehr richtig! Oder auch die Frage: Warum wird die gesamte Klasse in Quarantäne geschickt und als Kontaktpersonen 1. Grades eingestuft, die unterrichtenden Lehrer dieser Klasse aber nicht? Diese gelten als Kontaktpersonen (nur) 2. Grades? Und man halte sich fest: die Kinder sind deshalb Kontakte 1. Grades, weil sie mehr als 60 min zusammen im Klassenraum waren. Nun bei geltenden Stundenbändern von 60-75 min Unterricht, sind auch die Lehrer mehr als 60 min in dem gleichen Klassenraum. Dennoch: Die sind nur Kontakte 2. Grades. Die Lehrer waren sicher zwischendurch während des Unterrichts mal draußen. Alles wirklich nachvollziehbare Entscheidungen des GA Reinickendorf, dem Hr. Larscheid zugehörig ist. Hauptsache der Unterricht geht weiter u. unsere Kinder sind täglich jeweils mit 1000 anderen Kindern unter fragwürdigen Hygienebed.in einer Einrichtung. Aber wir sollen ja Kontakte minimieren. Das sind nur einige Bsp. nicht nachvollziehbarer Entscheidungen der Gesundheitsämter und des Senats.

  9. 41.

    Wann ist der Berufsverkehr? bereits um 06.00 Uhr und geht bis ca. 10.00 Uhr, nachmittags von 14.30 Uhr bis ca. 19.00 Uhr. Vielleicht mal früher aufstehen, eher losgehen, Zeit gewinnen. Wenn’s geht den nächsten Bus oder Bahn nehmen. ÖPNV unterschiedlich voll, mitunter auch ziemlich leer. Versuchen Abstand zu halten und mit NMSCH, dann geht das schon.
    "Der Busfahrer sieht doch wer ohne Maske einsteigt." Es gibt eine Durchsage für Fahrgäste im Bus, Maskenpflicht etc. Ich kenne persönlich keinen, die sich im ÖPNV angesteckt haben. Im privaten Pkw, mit mehreren Insassen Arbeitskollegen, Freunde kein Abstand aber mit NMSCH.



  10. 40.

    Das sollte den Verantwortlichen wohl eher zu denken geben, als sich darauf auszuruhen.
    Und ich möchte mal behaupten, dass es z.Bsp. im Berchtesgadener Land keinen ÖPNV vergleichbar mit Berlin gibt.
    Aber egal ob Schule, Kita, ÖPNV, Restaurants, Kneipen, Theater, Sportstätten, Arbeitsstätten, Feiern ... niemand nimmt die Schuld auf sich ... also stecken wir uns vermutlich an der frischen Luft auf 5 Meter Abstand an!?

  11. 39.

    Stimmt tatsächlich, einige Menschen merken wirklich nichts mehr. Aber ... abwarten. In zwei bis drei Wochen sind wir alle schlauer und dann wird "abgerechnet". Leider auf dem Rücken vieler vieler Unschuldiger. Und ja, ich bleibe so gut es geht ZU HAUSE , das ist gar nicht so schwer.

  12. 38.

    Volle Zustimmung! Damit nimmt man den Leuten, die nach einem "harten Lockdown" schreien, auch schön den Wind aus den Segeln, indem man sie daran erinnert, dass sie sich doch gern freiwillig monatelang zuhause verbarrikadieren dürfen - aber das wollen sie natürlich nicht, sollen ja schließlich alle Bürger gleichermaßen geknechtet werden.
    Dass ein "harter Lockdown" eine Katastrophe für Wirtschaft und Gesellschaft wäre, ist denen leider auch nur schwer beizubringen. Vor allem die sozialen Auswirkungen (ich sage nur Kinder aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien) wären verheerend - aber das übersieht manch Hardliner halt gern, da es gegen DEN EINEN Feind zu bekämpfen gilt: Corona.

  13. 37.

    Sicher Bernd, ich winke Ihnen dann von meiner Pritsche auf dem Fußballfeld zu... Warum einige Menschen sich so daran ergötzen Panik zu verbreiten - ich werde es nie verstehen. Nun erkläre ich Ihnen mal warum trotz "Lockdown" immer noch Menschen unterwegs sind: Das liegt daran, dass es keinen Lockdown gibt! Wer kommen Sie denn darauf? Es ist nichtmal ein "Lockdown light". Die Geschäfte sind offen, die Menschen fahren zur Arbeit, die Kinder in die Schule - was denn auch sonst?

  14. 36.

    Komisch, dass die Zahlen in Bayern trotzdem nicht besser sind, obwohl sich dort alle so brav an die noch strengeren Regeln halten...

  15. 35.

    @ Die Gundula
    Genau das schreibt inzwischen auch die WHO auf der Basis einer Metastudie von John Ioanidis, einer der weltweit renommiertesten Wissenschaftler.Das wird hier ignoriert,weil man nur auf Drosten und Lauterbach hören möchte.Aus welchen Gründen auch immer.

  16. 34.

    Eine Maske schützt einen nicht selbst, sondern das Gegenüber. Was nützt es also, wenn meine Kinder eine Maske tragen und die anderen Kinder dies nicht tun? FFP Masken für jeden Tag und drei Kinder würde eine monatliche Belastung von über 400 Euro darstellen. Und selbst das würde dann auch wenig nutzen, da Unterrichtsfächer wie Sport weiterhin stattfinden und auch das Mittagessen ohne Abstand eingenommen wird.

    Leider lassen die aktuellen Regeln es von daher gar nicht zu, dass man seine Kinder und sich selbst schützen kann.

  17. 33.

    So neu ist das nicht. Es gibt da von der WHO-Seite auch eine Studie https://www.who.int/bulletin/online_first/BLT.20.265892.pdf

  18. 32.

    Ihre Argumentation ist nachvollziehbar, ändert aber nichts an der Grundaussage: wenn niemand an Corona erkrankt oder nur noch wenige, gäbe es genug freie Plätze/Personal

  19. 31.

    Selbstschutz über die bestehenden Reglen hinaus ist doch nicht verboten. Ihr Kind kann auch außerhalb der vorgeschriebenen Situationen eine Maske tragen, es ist nicht verboten mehr zu tun.
    Bitte genauer erläutern, Was Sie damit meinen.

  20. 30.

    "Wir gehen von einer viermal höheren Zahl Infizierter aus". Gut das bedeutet doch das vier tatsächlich 4x mehr Infizierte haben um auf die jetzige Anzahl von Erkrankten zu kommen, insofern noch ein Beweis dass Virus bei weitem nicht so gefährlich ist wie angenommen.

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