Analyse | Bundestagswahl - Die Berliner Hochburgen sind bunt gemischt

Mo 27.09.21 | 18:46 Uhr | Von Dominik Ritter-Wurnig und Micha Bärsch
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Berlin (Quelle: datawrapper/rbb)
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Das Zentrum grün, die Ränder rot und schwarz: Auch in Berlin hat die SPD die meisten Zweitstimmen geholt. Die Sozialdemokraten liegen aber unter dem bundesweiten Ergebnis, ebenso wie CDU, FDP und AfD - nur bei den Grünen ist es anders. Von Dominik Ritter-Wurnig und Micha Bärsch

Mit 23,5 Prozent der Zweitstimmen ist die SPD auch in Berlin stärkste Kraft - sie schnitt im Vergleich zu den bundesweiten 25,7 Prozent in Berlin aber etwas schlechter ab. Auch die CDU steht in Berlin mit 15,9 Prozent der Zweitstimmen schlechter da als im Bund, wo sie 24,1 Prozent erreichte. Für die Grünen hingegen mausert sich Berlin zur Hochburg: Sie gewannen im Vergleich zu 2017 satte 9,8 Prozent hinzu und landeten in Berlin bei 22,4 Prozent.

Untenstehende Karte zeigt, welche Partei in welchem Wahlkreis bei der Abgeordnetenhauswahl die meisten Zweitstimmen bekommen hat. Farblich zeigt sich folgendes Muster: Das Zentrum ist grün, die Ränder sind rot und schwarz.

In welchen Wahlkreisen lagen die Hochburgen der einzelnen Parteien? Die SPD hat am stärksten im Wahlkreis Neukölln 4 mit 30,7 Prozent der Zweitstimmen abgeschnitten. In Friedrichshain-Kreuzberg 6 erlangten die Sozialdemokraten hingegen nur 15,8 Prozent. Auch in Spandau ist die SPD stark: In drei von fünf Wahlkreisen erreichten sie dort mehr als 28 Prozent der Stimmen.

Die CDU ist auch 2021 vor allem im Westen der Stadt stark: Ihr bestes Berliner Ergebnis erreichte sie im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg 7: Hier kam sie auf 29,5 Prozent der Stimmen. Im Zentrum reichte es hingegen vielerorts nicht einmal zu einem zweistelligen Ergebnis. In Friedrichshain-Kreuzberg 2 kam sie auf nur 4,4 Prozent.

Die Linke hat auch in Berlin viel an Zustimmung verloren und konnte nur noch 11,4 Prozent der gültigen Zweitstimmen auf sich verbuchen - ein Minus von 7,3 Prozent im Vergleich zu Bundestagswahl 2017. Nach wie vor holt sie die meisten Stimmen im Osten der Stadt: So konnte sie im Wahlkreis Lichtenberg 4 20,6 Prozent der Stimmen gewinnen, in Reinickendorf 6 kamen hingegen nur 3,0 Prozent zusammen. Der stärkste Wahlkreis ist allerdings Neukölln 2 mit 21,6 Prozent der Zweitstimmen.

Was für die CDU der Westen ist, ist für die Grünen das Zentrum: Sie haben ihre Hochburg in Pankow 6 - hier kamen sie auf satte 44,3 Prozent der Zweitstimmen - das beste Zweitstimmenergebnis aller Parteien in Berlin. In Marzahn-Hellersdorf 1 entfielen nur 6,3 Prozent der gültigen Wählerstimmen auf die Grünen.

Die AfD liegt in Berlin mit 8,4 Prozent unter dem Bundestrend von 10,3 Prozent. Ihre Hochburgen hat sie am östlichen Stadtrand: Ihr bestes Ergebnis erreichte die AfD in Marzahn-Hellersdorf 1 mit 22,1 Prozent der Stimmen. In Friedrichshain-Kreuzberg 2 kamen nur 2,2 Prozent zusammen.

Die FDP hat ihr Berliner Ergebnis im Vergleich zu 2017 minimal verbessert: Mit 9,1 Prozent gewann sie in Berlin 0,1 Prozent dazu. Sie liegt aber unter dem Ergebnis im Bund von 11,5 Prozent. Ihr bestes Wahlergebnis hat sie mit 16,8 Prozent in Charlottenburg-Wilmersdorf 5 erreicht. In Neukölln 2 kamen nur 3,4 Prozent zusammen.

Von den 2.468.919 Berliner Wahlberechtigten gaben 1.855.406 ihre Stimme ab - dies ergibt eine Wahlbeteiligung von 75,2 Prozent. 30.464 Wahlberechtigte (1,6 Prozent) machten ihre Zweitstimme ungültig.

Vor allem in Reinickendorf 6 waren die Wahllokale voll: Hier gaben 86,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. In Marzahn-Hellersdorf 1 hingegen gingen nur 59,4 Prozent zur Wahl.

Sendung: Abendschau, 27.09.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Dominik Ritter-Wurnig und Micha Bärsch

2 Kommentare

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  1. 2.

    Bei der Gesamtgrafik stellt sich eigentlich nur die Frage, wo die Ringbahn verläuft. Klar ist man für die Verkehrswende, wenn das Umfeld schön bequem und gepampert ist. Aber so'ne Rotte Wildschweine an der Haltestelle im "nirgendwo" hat auch was. Was bin ich froh, das ich nur noch ganz selten über "den großen Fluss" muss.

  2. 1.

    Gute Grafik: Dort, wo es einen engen Takt an ÖPNV UND mehrere Verkehrsmittel wie E-Scooter, Leihwagen, E-Bikes, E-Roller, Busse, U-Bahnen, S-Bahnen und Trams gibt, wurde grün und damit für die Verkehrswende gestimmt. Der Tarifbereich B des VBB fühlt sich nicht ausreichend berücksichtigt. Hier fahren Busse bis Endbahnhof U-Bahn und S-Bahn. Wenn davon ein Verkehrsmittel Verspätung hat und die Anschlüsse nicht mehr stimmen, brauche ich 1,5 Stunden zur Arbeit mit dem ÖPNV pro Strecke. Gebt mir eine Ladesäule im öffentlichen Straßenraum und ich kaufe ein E-Auto, mit dem ich dann nur die halbe Zeit zur Arbeit benötige. Die Hoffnung, dass der 10 Minuten-Takt ausreicht, um sämtliche Pendler von Oranienburg bis Gesundbrunnen vom Auto umsteigen zu lassen, ist nicht nachvollziehbar. Oder erlaubt endlich das Recht auf mobiles Arbeiten für mindestens 50% der Arbeitszeit! Dann belegen viele Stadtrandbewohner weder den spärlichen ÖPNV, noch den Straßenraum. Das ist am energieeffizientesten.

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