Der Mauerpark in Berlin (Quelle: dpa/Sergi Reboredo)
Bild: dpa/Sergi Reboredo

Der Absacker - Kleine Stücke Normalität

Man darf wieder auf einer Decke im Park sitzen und ohne Ausweis aus dem Haus. Das ist noch meilenweit entfernt von der Normalität. Aber es ermöglicht einem vielleicht kurze Momente zum Aufatmen. Von Haluka Maier-Borst

Manchmal sind es kleine Dinge, die in solchen Zeiten den Tag besser machen. Heute morgen fiel das Licht in mein Zimmer, auf eine kleine spiegelnde Oberfläche - und prompt hatte ich einen kleinen Sternenhimmel in meinem Zimmer. Ein bisschen Magie am Morgen. Außerdem konnte ich zum ersten Mal seit Wochen mit einem guten Freund laufen gehen. Für ein paar Minuten konnte ich vergessen, was uns sonst alle beschäftigt. Und vielleicht ging es Ihnen ja auch so, nachdem es ja zum Beispiel wieder erlaubt ist, auf einer Decke im Park rumzuliegen.

1. Was vom Tag bleibt

Natürlich ist Corona weiterhin da. Und wie wir gestern beschrieben haben, wird es wohl uns auch weit über den 19. April beschäftigen. Das erschwert für alle die Lage. Für die, die im Moment keinen Job haben. Für die, die im Moment Extraschichten in den systemrelevanten Berufen schieben müssen. Aber auch zum Beispiel jene, die ganz banal eine Wohnung suchen, wie es mein Kollege Efthymis Angeloudis beschreibt.

Wie man sich in solchen Zeiten gegenseitig helfen kann, erleben Sie alle sicher Tag für Tag. Sei es, dass man für Ältere die Einkäufe übernimmt oder an Supermärkten Dankeschön-Botschaften für die Belegschaft hinterlässt. Trotzdem haben wir hier nochmal eine Liste bereitgestellt mit vielen Infos und Links, wie Sie anderen helfen können.

2. Abschalten

Anfangs habe ich darüber geschrieben, wie schön es war rauszukommen und laufen zu gehen. Hier soll es um ein anderes Rauskommen gehen. "Escape Rooms" heißen die Challenges, bei denen man als Gruppe aus einem Raum entkommen muss, indem man Rätsel löst. Dieses Erlebnis ist natürlich derzeit nicht möglich. Aber vielleicht probieren Sie mal die Online-Version dessen hier bei einem Anbieter aus Bochum aus [locked-adventures.de].

Ansonsten gibt es aber auch die Möglichkeit, sich weiter durch das Kulturprogramm zu wühlen. Nachdem es gestern um New York und Sydney ging, würde ich Ihnen nun gerne das Kulturprogramm der NDR-Kollegen [ndr.de] ans Herz legen.

3. Und, wie geht's?

Seit ich diese Kolumne schreibe, durfte ich schon viele besondere Dinge erleben. Am Existenzminimum Lebende, die erzählen, wie es in diesen Zeiten ohne Internet ist. Lehrerinnen, die versuchen, Schüler digital zu unterrichten. Ja sogar Menschen aus Bayern haben sich bei uns gemeldet. Doch die vielleicht ungewöhnlichste Begegnung ist ein Mailverkehr mit Frau Bußmann. Angefangen hat das in einer der ersten Nachrichten so:

Liebe Frau Meier-Borst,

da antwortet mir also ein "Medienmensch"😸. Und schon haben wir sozialen Kontakt. Als Schulsozialarbeiterin habe ich täglich viele Kontakte an einer Schule mit 940 Schülern. Aber zum "Glück" bin ich seit dem 09.03.2030 krank. Nichts Ernstes, aber schmerzhaft.

Dass ich nicht eine Frau sondern ein Herr bin, hat Frau Bußmann dann in den weiteren Mails beachtet. Irgendwie haben wir jetzt so etwas wie eine Brieffreundschaft. Und so weiß ich inzwischen, was Frau Bußmann liest:

Letzte Nacht ein ganzes Buch gelesen aus der Reihe der Anna Kronberg Krimis. (...) Heute nun der letzte der vier Bände. Ab morgen dann den Roman von Alexander Osang. Schaffe es jetzt schon, die Bücher zu lesen, die ich mir für den Eintritt in die Rente gekauft hatte.

Aber eben auch Nachrichten darüber, wie sehr sie sich Sorgen um ihre Eltern macht, denen es körperlich nicht so gut geht. Jedenfalls kriege ich jetzt unerwartet ständig Updates aus Cottbus. Ich hoffe, Frau Bußmann, Sie lesen das und verzeihen mir, dass ich Ihnen jetzt erst den Platz hier einräume. Wenn auch Sie mir schreiben wollen, wie es Ihnen zurzeit geht, schreiben Sie an: haluka.maier-borst@rbb-online.de. Gerne mit Fotos, Videos und dergleichen.

4. Ein weites Feld...

Heute kam ich unverhofft in den Genuss einer Zeitreise in mein Leben von vor zehn Jahren. Ich habe nämlich mit den Jungs - oder inzwischen erwachsenen Männern - gesprochen, mit denen ich gemeinsam meinen Zivildienst in Japan geleistet habe. Und ich bin froh, dass wir das mit diesem digitalen Wiedersehen hingekriegt haben.

Wir haben darüber geredet, was aus uns wurde und welche absurden Sachen uns unterwegs passiert sind. Seien es Mitbewohner mit Shotgun unter dem Bett in den USA oder Trinkspiele mit koreanischen Studierenden. Seien es Start-up-Erfahrungen in Berlin oder walisische Frauen, die selbst bei Minusgraden in bauchfreien Tops feiern gehen. Und wir haben auch darüber gesprochen, wie uns die Erlebnisse dieses Zivildienstes bis heute begleiten. Es waren zwei gute Stunden.

Ich werde versuchen in den nächsten Wochen mehr dieser digitalen Wiedersehen hinzukriegen. Und vielleicht haben Sie ja auch Lust darauf.

Bis morgen, bleiben Sie drinnen und Prost, sagt

Haluka Maier-Borst

Alle Absacker

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    Vor 75 Jahren kapitulierte Berlin. Bis heute erzählen Jüdinnen und Juden über die Zeit im Untergrund während des Zweiten Weltkrieges - ein großes Glück für uns alle. Derweil macht besonders ein Vorfall am 1. Mai fassungslos. Von Johannes Mohren

  • Abfall liegt am 12.03.2017 an einem Haus auf dem Gehweg im Berliner Stadteil Kreuzberg. (Quelle: dpa/Steinberg)
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  • Archivbild: Vermummter Demonstrationsteilnehmer bei der 1. Mai Demonstration in Berlin (Quelle: dpa/Christian Mang)
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  • Symbolbild: Eine Frau mit zwei Kindern (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
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  • Zahlreiche Kirschblüten leuchten rosa an der Bornholmer Straße in der Sonne, während Menschen dort flanieren. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
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    Ein zarter Hauch von Freiheit

    Endlich wieder Freiheit. Danach sehnen sich wohl die meisten Menschen zur Zeit. Ein kleines bisschen davon war schon am letzten Wochenende zu spüren. Doch werden wir zu gierig, könnte das düstere Folgen für uns alle haben. Von Laura Kingston 

  • Symbolbild: Ein Löffel mit Sesamöl (Bild: dpa/Ralph Kerpa)
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    Der Absacker 

    Mehrere Anekdoten sind noch kein Beweis

    Ist es wirklich so schlimm? Könnte dieses Mittel nicht helfen? Mit Maske passiert doch sicher nichts? Man möchte so gerne der Unsicherheit des Virus etwas entgegensetzen. Aber die einfachen Wahrheiten können nur scheitern. Von Haluka Maier-Borst 

  • Blaulicht auf einem Streifenwagen (Bild: imago images/Michael Eichhammer)
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    Die Polizei hat gut zu tun

    Nachdem es bislang verhältnismäßig ruhig zuging, spitzt sich für die Polizei an einigen Punkten die Lage zu. Denn die Krise geht an die Substanz aller Bürgerinnnen und Bürger. Nur bei manchen äußert sich das extrem. Von Haluka Maier-Borst

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7 Kommentare

  1. 7.

    Bleiben Sie bitte sachlich und beim Thema. Natürlich mag es in Altenheimen funktionieren. Das war aber nicht meine Frage. Wie sollte es bei der Parkbank und beispielsweise in den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückverfolgbar sein?

  2. 6.

    Na sie sind aber naiv !
    Natürlich kann man zum Beispiel in Altersheimen den Auslöser einer Ansteckung zurückverfolgen.

  3. 5.

    Klären Sie mich bitte auf, Freundlich, wie das gehen sollte! Ein Test etwa, der nicht nur anzeigt, dass man positiv ist, sondern auch gleich Folgendes anzeigt: "Sie haben sich am 01.04.2020 um 14:23 Uhr auf der Parkbank, Mauseöhrchenweg 2, 12345 Berlin, angesteckt."? Königsdisziplin wäre dann noch, wenn gleich die Liste mit erscheint, wen ich in der Zwischenzeit wo angesteckt habe.

  4. 4.

    Statt dieser Kolumne würde ich begrüßen wenn der RBB mal Fakten bringt.
    Wie viel Bürger haben sich auf Arbeit angesteckt ?
    Wie viel Bürger in Verkehrsmitteln ?
    Wie viel Bürger haben sich auf einer Parkbank angesteckt ?
    Wie viel Bürger in einer Kaufhalle?
    Nur niemand wird dies Öffentlich machen ?

  5. 3.

    Ich lese die Kolumnen von Herrn Maier-Borst sehr gerne!
    Vielen Dank auch für den Link zum online Escape Room. Ich liebe die echten Escape Rooms sehr, da werde ich mich doch gleich mal an der Online-Version versuchen.

  6. 2.

    Hallo rbb24, dass ist die schlechteste Kolumne die ich je gelesen habe. Bitte nehmt diese Kolumne aus dem Netz oder ist das ein verspäteter Aprilscherz.

  7. 1.

    Ich würde auch gerne mal kurz aufatmen, aber leider bin ich system-relevant tätig.

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