Haluka Maier-Borst
Bild: rbb|24/Mitya

Der Absacker - Darf es noch ein Schuss Skepsis sein?

Dass Bürgerinnen und Bürger kritisch sind, auch uns gegenüber, ist unglaublich wichtig. Dass aber manche einem sogar Grundkenntnisse in Mathematik absprechen, ist dann doch vielleicht etwas viel des Guten, findet Haluka Maier-Borst.

"Nun sag, wie hast du's mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon." Das ist die ursprüngliche Gretchenfrage aus dem Faust. Heute habe ich das Gefühl, dass die entscheidendere Frage eher ist "Wie hältst du es mit der Skepsis?" Und das ist gar nicht despektierlich gemeint. Sondern Zweifel auszusprechen ist berechtigt und wichtig.

1. Was vom Tag bleibt

Ein Beispiel dafür ist die Causa Tesla. Der Wasserverband hat den Plänen schon zugestimmt, insgesamt gehen die Arbeiten in Grünheide in atemberaubenden Tempo voran. Aber örtliche Bürgerinnen und Bürger haben Einwände gegenüber der E-Auto-Fabrik. Und weil Ulrich Stock, der Abteilungsleiter Technischer Umweltschutz im Landesumweltamt, schon vor der heutigen Versammlung die Einwände als nicht subtanziell genug bewertete, gibt es nun Stunk. Überhaupt haben anscheinend manche das Gefühl, dass das Projekt zu groß ist, um noch scheitern zu dürfen.

Was an diesen Vorwürfen dran ist, können Sie hier nachlesen. Und zu allen Dingen rund um Tesla in Grünheide haben wir jetzt sogar neu einen Podcast, der das ganze Phänomen versucht zu beleuchten.

2. Abschalten.

Wo wir es gerade vom Zweifeln hatten, damit beschäftigt sich auch der heutige Abschalten-Tipp. Denn sogenannte "Deep Fakes", clever manipulierte Videos werden uns bald öfter beschäftigen. Das amerikanische Massachusetts Institute of Technology (MIT) bietet dazu ein spielerisches Quiz an, dass Sie hier finden können [mit.com].

3. Und, wie geht's?

Es ging, wie zu erwarten, hoch her unter dem Artikel darüber, dass die Brandenburger AfD gegen die Maskenpflicht im Landtag klagt. Umso beruhigender fand ich den Kommentar vom User "Sinatra", der bemüht war ausgeglichen zu sein:

Ich habe keine abschließende Meinung für die wirklich notwendigen Schritte zur Bekämpfung der Pandemie. Die Brandenburger Landesregierung selbst hat als Grundlage für die Eindämmungsverordnung die Schwelle von 50 Neuerkrankungen pro Tag propagiert. Dieser Wert wurde bisher nie erreicht. Am Tage der Verkündung der freiheitsbeschränkenden Maßnahmen lag er bei 8 und liegt aktuell weit darunter.

Auch ich befürchte, dass der Wert nicht so niedrig bleiben muss und halte den AfD-Kurs insbesondere für die AfD selbst für riskant. Aber primitiv runtermachen würde ich sie deswegen nicht. Auch die Methoden der Eindämmungsverordnung haben ihren Preis, der gegen das Risiko aufgerechnet werden muss.

Was denken Sie von der Positionierung der AfD contra Maskenpflicht im Landtag? Schreiben Sie uns an: absacker@rbb-online.de

4. Ein weites Feld...

Oben ging es um Zweifel an anderen. Hier unten geht es um Selbstzweifel, konkret die meinigen. Nennen wir es den NRW-Komplex, denn dort bin ich groß geworden. Mal ist es das angeblich halb geschenkte Abi. Mal ist es die Tatsache, dass man Uni-Klausuren, ganz ohne mitzuschreiben, bestehen kann. Nicht umsonst hat der aktuelle Ministerpräsident Armin Laschet es vollbracht, 35 Studierende zu benoten, obwohl nur 21 bei ihm die Klausur mitschrieben [tagesspiegel.de].

Nun hat das Ganze aber eine neue Stufe erreicht. Denn bezüglich der Corona-Berichterstattung von rbb|24, an der ich mitwirke, meinte ein User in einer E-Mail, dass man für gewisse Schlüsse gar nicht Virologe oder Epidemiologe sein müsse. Denn: "Da reichen Grundkenntnisse in Mathematik, um das Risiko einschätzen zu können."

Ähnlich war auch der Kommentar des Users mit Namen "Klaus Hoffmann": "Die Angst an diesem Virus zu sterben ist grösser, als mal mit den Sinnesorganen und der eigenen Lebenserfahrung unser Umfeld zu beobachten um eigene Rückschlüsse zu ziehen!"

Aber ist es wirklich so simpel? Habe ich wirklich nur in Mathe nicht aufgepasst? Reichen gar die eigenen Sinne für den Durchblick, den ich nicht habe? Ich meine nein.

Wie oben gesagt, Zweifel sind wichtig, ein kritischer Blick ist das, was Debatten gehaltvoller und im Zweifel auch journalistische Arbeit besser macht. Aber ich würde mir manchmal wünschen, dass die Liebe für Wissenschaft und Recherche genauso groß wäre, wie die zur pointierten Meinung. Und auch die Liebe zum Selbstzweifel sollte gepflegt werden.

Es entschuldigt sich für den etwas moralinsauren Abgang:

Haluka Maier-Borst

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Beitrag von Haluka Maier-Borst

4 Kommentare

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  1. 4.

    Doch, die Grundkenntnisse reichen durchaus. Wenn man sich nämlich die Mühe macht, die ständig vom RKI gebetsmühlenartig vorgetragenen absoluten Zahlen ins Verhältnis zu setzen. Dann erkennt man z.B. sehr schnell, dass bei der angeblichen Pandemie hierzulande eine Überlebenschance von 99,98 Prozent besteht. Und rechnet man die Anzahl der positiv Getesteten nicht nur stur nach oben, sondern berücksichtigt dabei, dass sich die Zahl der Tests in den vergangenen Wochen verdreifacht hat , wird schnell deutlich, dass es keinen Anstieg gegeben hat. Aber dazu muss man ja seinen Kopf anstrengen. Nein, lieber glaubt man den Politikern, die eine "zweite Welle" herbei fabulieren, die haben ja auch früher nicht gelogen. Oder?

  2. 3.

    Ein Beispiel für Mathe im Alltag, Sinn und Zweck, und ob Mathe reicht, oder (Bauch)gefühl doch besser ist: Ich habe mehrere Jahre/Saisons mit meiner rein männlichen Kollegenschaft Fußballwette gespielt. Man musste eine Tipp abgegben, am WE wurde gespielt, ein Kollege wertete die "Treffer" der Tipper aus. Ich hatte NULL Ahnung vom Fußball, den Spielern, pipapo. Die anderen waren Cracks. Schauten jedes Spiel, sofern übertragen, lasen Kicker, etc.
    Aber ich hatte eine solide Datenbasis: ich habe eine Statistik geführt, ob der jeweilige Club auswärts besser spielt oder Heimspiel, wie oft unentschieden, usw.
    Ich habe also nur nach Statistik getippt. Und? Genau - ich war ohne Bauchgefühl und Kenntnisse genau so gut oder schlecht wie andere! Ich habe gegrinst, wenn ich gewonnen hatte, und meine Datenbasis angezweifelt, wenn die Bauch-Tipper besser waren.
    Zweifel sind die Streubreite der Datenbasis ;-)

    Ich mag die HMB-Auswertungen. Wohl wissend, dass auch mal andere "gewinnen" könnten.

  3. 2.

    "Da reichen Grundkenntnisse in Mathematik, um das Risiko einschätzen zu können." Selbst wenn das so wäre (was nicht der Fall ist), so haben jedenfalls die Corona-Leugner diese Grundkenntnisse gerade nicht (und auch sonst keine Kenntnisse).

  4. 1.

    Bei 88 Mitgliedern des Landtags und davon einem positiv getesteten allen eine Maskenpflicht aufzudrücken ... nunja ich Haltes es für übertrieben ..... aber das spielt keine rolle.
    Beschämender ist, dass eine Partei, dafür das sie einen völlig legitimen Rechtsweg beschreitet, angegriffen wird. Und auch da ist es egal ob ich die Partei als das übelste was es gibt sehe.
    Diesen bestehenden Rechtsweg haben dann wohl mal andere eingeführt.

    Ich habe den Eindruck, es bleibt einem nichts anderes übrig als seinem eigenen Empfinden der Lage zu vertrauen. Man könnte ja noch damit halbwegs klar kommen wenn das was heute gut ist morgen schlecht ist aber es ist ja schon so, dass was heute von dem einen als gut betitelt wird von anderen als schlecht eingestuft wird.

    Tja und was bleibt.... Humor ist wenn man trotzdem lacht.

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