Silent-Demo zum Tode von George Floyd Black Lives Matters
Bild: Eventpress Porikys

Der Absacker - Das Richtige tun, ohne das Wichtige zu lassen

Demonstrationen gehören zur Demokratie. In einer Pandemie aber werden sie zu potentiellen Infektionsherden. Sollten wir also darauf verzichten, für unsere Ideale auf die Straße zu gehen, um andere zu schützen? Schwierige Fragen, die den Absacker bewegen. Von Sebastian Schöbel

Als "Speckgürtler" in Oberhavel habe ich mich neulich ziemlich über folgende Meldung gefreut: Mein Landkreis ist laut einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft [iwkoeln.de] eine der dynamischsten Regionen in ganz Deutschland.

Aber wie bei fast allen guten Nachrichten gibt es ein großes "Aber..." dabei. Denn sogleich meldeten sich diverse Unternehmen aus eben dieser dynamischen Region zu Wort und sprachen eines ihrer größten Probleme an: sehr langsamen Internet.

1. Was vom Tag bleibt

Genauso läuft es derzeit bei den zum Teil überwältigenden Protesten gegen Rassismus unter dem Slogan #Blacklivesmatter: Erst gab es Lob, nun folgt die Kritik, und zwar die berechtigte.

Denn auch eine Demo gegen Diskriminierung und Gewalt muss im Rahmen der geltenden Corona-Eindämmungsregeln stattfinden. Doch der "Silent Protest" am Samstag sah anders aus: 15.000 Menschen drängten sich dicht an dicht und oft ohne Mundschutz auf dem Alexanderplatz. Der Senat meldete sich heute mit mahnenden Worten: Gesundheitssenatorin Kalayci und Innensenator Geisel wagten den Spagat erinnerten daran, dass wir noch immer in einer Pandemie leben. "Die Grundrechte auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind elementar. Trotzdem müssen sich die Menschen - zum Schutz für sich selbst und für andere - bewusst sein, dass auch immer das Abstandsgebot einzuhalten ist", so Geisel.

Derweil erleben einige Wirtschaftszweige, wie langfristig sich die Coronakrise auswirken könnte. Vermieter von Büroflächen zum Beispiel: Die müssen sich darauf einstellen, dass Verbindungen über VPN-Tunnel zwischen Küchentisch und Arbeitsplatz ihre Geschäftsmodelle grundlegend verändern müssen. Mein Kollege Markus Streim hat sich in der Branche mal umgehört.

2. Abschalten

Abschalten kann man auch durch Einschalten: Bei einer guten Reportage zum Beispiel.

Eine besonders gute haben die beiden rbb-Autorinnen Agata Horbacz und Katharina Zabrzynski abgeliefert. In "Ohne Polen läuft hier nix! 24 Stunden Putzen, Singen, Lehren" beleuchten sie einen Aspekt, den meiner Meinung nach zu viele Deutsche im Alltag vergessen: Unsere Abhängigkeit von Arbeitsmigranten. Das Thema mag für manche Leute unbequem und belastend sein, aber die Frage, wer auf unseren Gemüsefeldern steht oder unsere Klos putzt, sollte sich jeder mal stellen.

Für den Film haben die beiden Autorinnen jetzt auch den Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis bekommen.

Sie finden den Film auch hier in der ARD Mediathek.

3. Und, wie geht's?

Mein Kollege Johannes Mohren hat im gestrigen Absacker über seinen Zwiespalt nach dem großen #BlackLivesMatter-Protest in Berlin geschrieben. "Weil er Sachen gegeneinander aufwiegt, die eigentlich nicht gegeneinander aufzuwiegen sind." Dass 15.000 Menschen gegen Rassismus auf die Straßen gehen, ist gut. Dass sie es größtenteils ohne Schutzmaske und eng gedrängt tun, nicht.

Absacker-Leser triebt das Thema offenbar auch um, wie folgende Zuschriften zeigen.

Gabi X. schreibt uns, der Absacker beschreibt "ganz genau das, was ich bei diesen Bildern empfinde":

Der Protest ist so wichtig, aber wir stecken immer noch in der Pandemie. Auch mich begleiten große Sorgen, wenn ich den Umgang meiner Mitmenschen mit den Abstandsregeln und der Maskenpflicht beobachte. Ich sehe leider viel zu oft, dass sich immer mehr Menschen in Lokalen, Geschäften und im Alltag unbedacht verhalten. Ich wohne in Kreuzberg im Bergmannkiez und hier scheinen die Menschen zum großen Zeil das Thema „Corona“ verdrängt zu haben. Mir macht das Angst.

Auche Heidemarie F. bedankte sich für den nachdenklichen Absacker und teilte eine sehr persönliche Betrachtung mit uns:

Mein Mann liegt seit vier Wochen im Krankenhaus. Sehr krank. Mit einer schriftlichen Besuchserlaubnis darf ich ihn jeden Tag für eine Stunde besuchen. Es wird am Eingang streng kontrolliert. Gerne würde ich ihn mit meiner Tochter gemeinsam besuchen, geht aber nicht. Nur jeweils eine Person ist erlaubt.

Trotzdem wünsche ich mir, dass die Demos nachhaltig etwas bewirken.

Was beschäftigt Sie in diesen Tagen der Corona-Lockerungen: Haben wir die Krise überstanden? Oder sollten die Lockerungen wieder zurückgenommen werden? Schreiben Sie uns: absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld...

Gegen Unrecht auf die Straße gehen und dafür mehr Corona-Infektionen riskieren?

Oder zu Hause bleiben und sich mit Untätigkeit Sicherheit erkaufen?

Wenn ich über solche großen Themen nachdenke, ende ich am Ende immer bei Rainald Grebe. Weil er irgendwie immer den richtigen Song zu jedem gesellschaftlichen Problem hat. Songs wie "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" (siehe unten).

Einen guten Start in die neue Woche wünscht

Sebastian Schöbel

Alle Absacker

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  • Neben den üblichen Dingen, kommen während der Coronapandemie noch viele weitere Dinge in den Koffer (Quelle: imago images/Sven Hagolani).
    imago images/Sven Hagolani

    Der Absacker 

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    Der Absacker 

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    Der Absacker 

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    imago images/Gueffroy

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  • Saunasteine und Holzbottich vor einer Sauna(Bild: imago/Eibner)
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  • Mohnblumen an einem Feldrand in Brandenburg (Bild: imago images/Petra Schneider-Schmelzer)
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    Der Absacker 

    Eine brandenburgische Romanze in Mohnrot

    Vier Tage war Johannes Mohren komplett raus aus der Nachrichtenwelt und muss nun lesen, dass seine geliebten Pop-up-Radwege - wissenschaftlich erwiesen - Menschen entzweien. Da helfen nur Flucht in die Romanze mit Brandenburg - und skurrile Internet-Hypes.

  • Menschen an der Spree / Quelle: imago images / Jochen Eckel
    imago images / Jochen Eckel

    Absacker 

    Vom Privileg des normalen Lebens

    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und wenn ihm die Gewohnheiten genommen werden, wird er sauer. Das Gefühl von Normalität ist allerdings keine Selbstverständlichkeit nach Corona. Laura Kingston über das Privileg, ein "Normalo" zu sein.

  • "Wir sind weiter online für sie da!" (Quelle: dpa/Kalaene)
    dpa/Kalaene

    Der Absacker 

    Wer ist schuld: Corona oder das Internet?

    In der Viruszeit gehen nun geliebte Geschäfte und Zeitschriften von uns. Dabei könnte das Virus vielleicht auch Gutes bewirken. Wenn wir auf sehr billiges Fleisch verzichten, zum Beispiel. Oder öfter nach Brandenburg radeln. Ein sehr langer Absacker von Tim Schwiesau

  • Badeschlappen und Handtücher liegen im Sommerbad Humboldthain am Beckenrand. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
    dpa/Christoph Soeder

    Der Absacker 

    Ach Sommerloch, wo bist du?

    Langsam geht es Richtung Ferienzeit in Berlin und Brandenburg. Man würde sich wünschen, dass das verrückte Jahr 2020 eine kleine Pause einlegt. Doch bislang sieht es nicht danach aus. Von Haluka Maier-Borst

  • Maske in der Bahn (Quelle: imago-images)
    imago-images

    Der Absacker 

    Keine Macht der Maskenmüdigkeit!

    Berlin ist der Mund-Nasen-Bedeckung offenbar überdrüssig. Deswegen diskutiert die Politik jetzt über eine Kontrolle im ÖPNV. Laura Kingston über den Ärger um ein kleines Stück Stoff, das sie bei ihrer jüngsten Bahnfahrt schmerzlich vermisst hat.

  • Der FC Union hat im Stadion ein eigenes Hygieneteam. Später schien das Team dann Feierabend zu haben.
    dpa/Kay Nietfeld

    Der Absacker 

    Der Ball ist rund und eine Infektion dauert 14 Tage

    Während Fußballfans des 1. FC Union den Klassenerhalt ihrer Mannschaft in der Bundesliga feiern, ist Lisa Schwesig so gar nicht danach. Denn all die Euphorie hat ihr die Stimmung verhagelt.

  • Eine Frau gähnt und schaut auf ihr Smartphone (Bild: imago-images/Antonia Guillem)
    imago-images/Antonia Guillem

    Der Absacker 

    Mit der absolut langweiligsten App durch die Krise

    Als das letzte Mal eine App für so viel Gesprächsstoff sorgte, musste man mit dem Handy knatschbunte Monster im Alltag fangen. Nun können sich vor allem diejenigen freuen, bei denen auf dem Handy eins passiert: nichts. Von Haluka Maier-Borst

  • Eine Person geht in den Eingang eines Plattenbaus in Lichtenberg (Bild: imago images/Florian Gaertner)
    imago images/Florian Gaertner

    Der Absacker 

    Gewaltig ungleich

    Alle Menschen werden vom Coronavirus bedroht. Doch die Auswirkungen der Pandemie auf das Leben der Menschen sind härter umso ärmer man ist, sagt Efthymis Angeloudis. Das wahre Ausmaß des Schadens für benachteiligte Gruppen ist noch nicht zu erahnen.

  • Sonne und Starkregen (Quelle: dpa/Poetsch)
    dpa/Poetsch

    Absacker 

    Die reinigende Kraft des Gewitters

    Am Samstag kam einiges vom Himmel; die Temperaturen kühlten vorübergehend ein wenig ab. Auch für das Gemüt kann so ein Gewitter einen reinigenden Effekt haben - zumindest hat das Laura Kingston so erlebt.

  • Ein Gebäude am Flughafen BER. (Bild: imago/Reiner Zensen)
    imago/Reiner Zensen

    Der Absacker 

    Und was kostet Ihr Flughafen so?

    Nach anfänglichem Sonnenschein hat das Wetter sich dann doch entschieden, jegliche Wochenendpläne zu durchnässen. Was also im Trockenen zu Hause tun? Vielleicht ist es Zeit, ein kleines Rechenrätsel zu lösen, denkt sich Haluka Maier-Borst 

  • Olympiastadion in Rom (Quelle: imago-images/Jacobs)
    imago-images/Jacobs

    Der Absacker 

    Eigentlich, ich mag dich nicht!

    In Brandenburg gibt es ab Montag weitgehende Corona-Lockerungen. Ein weiterer Schritt in die Normalität, der Johannes Mohren freut. Dennoch hadert er. Mit seinem fehlenden fußballerischen Abendprogramm aus Italien - und einem neuerdings verhassten Wort.

  • Teilnehmer einer Kundgebung protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
    dpa/Britta Pedersen

    Der Absacker 

    Die Gegenwart hat uns eingeholt

    Vor Corona war die Menschheit zum ersten Mal in ihrer Angst vereint. Doch das Virus machte uns nicht plötzlich alle gleich. Die Probleme, die es vorher gab, haben sich nicht in Luft aufgelöst. Nur wie wir sie angehen, muss sich ändern, findet Efthymis Angeloudis.

  • Symbolbild: Ein Taijitu, Yin-Yang-Symbol, aus Sträuchern geformt, traditionelle chinesische Kultur. (Quelle: dpa/Lawrence Lu)
    dpa/Lawrence Lu

    Der Absacker 

    Heiliger Yinyang!

    Ein beliebtes Tätowierermotiv könnte zum Logo des Corona-Jahres werden: Das chinesische Konzept von Yin und Yang beschreibt die aktuelle Krise nämlich ganz gut. Überall wo Licht ist, ist auch Schatten, alles Gute hat auch sein Schlechtes. Es philosophiert für Sie Sebastian Schöbel.

  • Symbolbild: Orang-Utan brüllt im Nationalpark Tanjung Puting auf der Insel Borneo.
    dpa/Marko König

    Der Absacker 

    HERGOTT, SEIN SIE GEFÄLIGST SACHLCH UND DIFFRENZIRT!1!

    Leserinnen und Leser sollen Journalisten kritisieren, verbessern und widersprechen. Natürlich. Unbedingt. Aber muss es mit so viel Großbuchstaben, Fehlern und verbalen Sturmgeschützen sein? Ein Hoffen auf sprachliches Abrüsten von Haluka Maier-Borst

  • Eine Frau in New York mit einer modischen Maske (Quelle: imago images/Sonia Moskowitz).
    imago images/Sonia Moskowitz

    Der Absacker 

    Zeig' mir deine Maske und ich sag' dir, wer du bist

    Tschüss, Modehauptstadt! Die Messen der Fashion Week ziehen weiter und hinterlassen nicht nur ein wirtschaftliches Loch im Geldbeutel Berlins. Aber der modebewusste Hauptstädter weiß sich auch auf andere Art zu entfalten, wie Lisa Schwesig beobachtet.

  • Demonstranten auf dem Alexanderplatz aus Solidarität für George Floyd und gegen Rassismus (Quelle: dpa/Emmanuele Contini)
    dpa/Emmanuele Contini

    Der Absacker 

    Im schmerzhaften Zwiespalt

    Es sind Bilder, die wir seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr kannten. 15.000 Menschen, die an einem Ort demonstrieren. Gemeinsam gegen Rassismus. Es ist ein starkes Signal, das unseren Autor Johannes Mohren glücklich macht. Aber es gibt einen Wermutstropfen.

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Beitrag von Sebastian Schöbel

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4 Kommentare

  1. 4.

    Absacker auch nicht verstanden, aber macht nix.
    Ich ich ich will nicht eingesperrt werden und länger Angst haben, deshalb setze ich auf den Verstand der Demonstranten, sich und andere zu schützen, Mundschutz aufzusetzen und Abstand zu halten, bis der Virus im Griff ist, also Impfstoff da ist, ist denn das sooo schwer zu verstehen und einzuhalten.

  2. 3.

    Ich nehme an, Sie haben die Entstehung der Rubrik "Absacker" verpasst und um was es hierbei eigentlich geht.
    Ich zitier mal aus dem allerersten vom 18.3.
    https://www.rbb24.de/panorama/thema/2020/coronavirus/absacker/quarantaene-medizinische-versorgung-kuehlschrank-tag1.html

    "Hier wird manchmal nix stehen. Und manchmal viel. Mal wird es ernst, mal ablenkend lustig sein. Und vielleicht wer weiß, fangen wir unter dieser Rubrik an, kleine Wettbewerbe auszutragen. Wer den schöneren Purzelbaum macht, Redakteurin oder Leserin? Wer als Zugezogener am besten brandenburgert oder berlinert? Jedenfalls wollen wir hier ausbrechen, aus all dem, was richtig ist aber uns gerade einengt. Zusammen mit ihnen. Und sei es nur auf ein paar Pixel im Internet."

    Vielleicht lesen Sie die Worte von Herrn Schöbel dann noch mal mit anderen Augen. Denn er hat nichts "festgelegt", Er teilt hier seine Gedanken am Ende des Tages mit uns.
    Danke dafür , ich mag diese Rubrik :)

  3. 2.

    Jammern, heulen, meckern und Angst verbreiten, richtig wir sind beim Absacker.
    Jetzt dazu auch noch wichtige Demonstrationen wie die gegen Rassismus mit diesem Dogma zu stigmatisieren, ist schon mehr als schwach.
    Ich hoffe dass ich es vielleicht noch mal in diesem Leben erleben werde, hier auch mal einen positiven Kommentar zu lesen, der auch mal positiv gestimmte Menschen zitiert, die nicht länger Angst haben und eingesperrt sein wollen.

  4. 1.

    Ich bin gegen jede Form von Rassismus, aber wenn sie unter 4. festlegen, was Unrecht ist, und gegen was also in Zeiten einer Pandemie demonstrierte werden darf, dann ist genau diese "Logik" eine Form der Zensur, und, wenn sie dies als Journalist tun, eine Form der Manipulation. Weil sie damit anderen Formen des Protestes, ob jetzt für sie oder auch für mich nachvollziehbar oder logisch, trotzdem aber die Meinungsfreiheit einschränken.
    Und ich hätte gehofft, dass jemand, der für einen öffentlich-rechtlichen Sender schreiben darf, dies weiß.

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