Analyse | Wählerwanderung bei Berlin-Wahl - SPD überzeugt Nichtwähler, kräftige Wanderung zwischen Grünen und Linken

Wählerwanderung in Berlin grafisch dargestellt
Bild: rbb|24

Die Wählerstromanalyse zur Berlin-Wahl zeigt, dass die SPD viele Nichtwähler überzeugen konnte. Für ein Kuriosum sorgt eine starke Wählerwanderung zwischen Grünen und Linken. Von Dominik Ritter-Wurnig und Philipp Rother

Die SPD hat die Abgeordnetenhauswahl in Berlin gewonnen. Die Partei mit Spitzenkandidatin Franziska Giffey erreichte am Sonntag nach Auszählung aller Stimmbezirke 21,4 Prozent - ein Minus von 0,1 Prozentpunkten im Vergleich zur Berlin-Wahl im Jahr 2016.
 
Ein Blick auf dei Zahlen zeigt: Die Sozialdemokraten gewannen am stärksten von den Nichtwählern und durch Zuzug. Erst danach folgten Zugewinne von CDU, Linken und Grünen. Das geht aus der Analyse zur Wählerwanderung von Infratest dimap hervor. Umgekehrt verlor die SPD am stärksten Stimmen an die Grünen und durch Wegzug aus Berlin. Eine beträchtliche Anzahl der SPD-Wähler und Wählerinnen von 2016 ist mittlerweile verstorben.
 
An zweiter Stelle hinter der SPD landeten die Grünen, die mit 18,9 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Berlin-Wahl erzielten. Die CDU erreichte laut Angaben der Landeswahlleitung 18,1 Prozent, die Linke kam auf 14,0 Prozent, die AfD erreichte 8,0 Prozent, die FDP 7,1 Prozent. Für die Bildung eines neuen Senats werden weiterhin drei Parteien gebraucht.

Klicken Sie auf die Parteiennamen links oder rechts, um die jeweilige Wählerwanderung angezeigt zu bekommen.

Starker Wähleraustausch zwischen Grünen und Linken

Die Wahlbeteiligung ist von 66,9 Prozent (2016) auf 75,7 Prozent bei der diesjährigen Abgeordnetenhauswahl gestiegen. Mit 55.000 zusätzlichen Stimmen konnte die SPD am stärksten davon profitieren, gefolgt von der CDU und den Grünen.

Die Grünen schafften es, besonders im Teich der Linken zu fischen: 88.000 ehemalige Linken-Wähler wanderten zu den Grünen. Umgekehrt gewann die Linke ebenfalls am stärksten (79.000) von den Grünen. Kurios: Die größte Gruppe unter den Wählern der Grünen und der Linken haben bei der letzten Wahl noch die jeweils andere Partei gewählt.

Unter Berliner Erstwählern sind die Grünen die stärkste Partei

Unter den zugezogenen Neo-Berlinern waren die Grünen die stärkste Partei - gefolgt von SPD und CDU. Die Grünen gewannen zudem von der SPD. Auch die Erstwähler und -wählerinnen - also Berlinerinnen und Berliner, die nach der Abgeordnetenhauswahl 2016 18 Jahre alt wurden - votierten am stärksten für die Grünen, gefolgt von SPD, Linke und FDP.

CDU überzeugt viele ehemalige Nicht-Wähler

Gegen den Bundestrend konnte die CDU bei der Berlin-Wahl ihr Ergebnis leicht steigern. Sie konnte ein Plus von 0,5 Prozent verzeichnen. Die Union konnte vor allem viele ehemalige Nicht-Wähler überzeugen und aus dem Lager der AfD und der SPD dazugewinnen. Insgesamt verlor die CDU aber einige Tausend Wählerinnen und Wähler an die Sozialdemokraten.

Die Linke konnte vor allem von den Grünen, den Zugezogenen und den ehemaligen Nicht-Wählern dazugewinnen. Am meisten verlor die Linke an die Grünen und die SPD.

Die AfD verlor die meisten Wähler an die CDU: 29.000 Menschen, die sich 2016 noch für die AfD entschieden, wählten nun die CDU. Ein beträchtlicher Anteil der ehemaligen AfD-Wähler ist aber auch weggezogen oder verstorben. Nennenswert dazugewinnen, konnte die AfD eigentlich nur durch ehemalige Nicht-Wähler.

Sendung: Abendschau, 27.09.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Dominik Ritter-Wurnig und Philipp Rother

22 Kommentare

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  1. 22.

    Nicht jeder Unsinn im Internet ist auch richtig. Fakten finden Sie auf der Seite:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsbankrott#Geschichte

  2. 20.

    Den Fehler machen eben viele von den Grünen. So ist es erstaunlich, dass Sie die anderen unten genannten Gründe nicht als wichtig erachten. Zudem ist die steigende Staatsverschuldung beim wirtschaftlichen Niedergang der BRD sicher problematischer als das Klima. Aber den Grünen-Wählern ist ja auch nicht klar wie der ganze Umbau zu finanzieren ist. Es ist schon erstaunlich in welcher Filterblase einige heute leben. So ist das Glyphosat-Verbot der Grünen schlecht für das Klima. Der Hype um das E-Auto bei den Grünen ist ebenso für das Klima nicht wirklich nützlich.

  3. 19.

    Danke für ihren Kommentar, und ihr Wort in Gottes Ohr, dass die gesellschaftliche Mitte sich zu wehren wissen wird. Wir werden es spätestens 2025 erleben.

  4. 18.

    Oh, ich dachte immer, die Lebensqualität finge beim Zustand unserer Umwelt an...

  5. 17.

    Es war doch vorauszusehen, dass von den Berliner Erstwählern die Grünen einen Zulauf haben werden. Die Gruppe erkennt die Tragweite der aktuellen Probleme im Alltag nicht vollends, wohnen wahrscheinlich auch noch zu Hause. Fest steht, dass es so wie in den letzten Jahren in Berlin nicht weitergehen kann: Zuwenig Wohnraum, marode Schulen, ein chaotisches Verkehrskonzept mit Baustellen ohne Ende etc. Bevor der Fokus nur auf der Umweltpolitik liegt, sollten die aktuellen Probleme in Berlin für die berufstätige Bevölkerung mal in Angriff genommen werden. Die Verbesserung der Lebensqualität fängt dort an. Ausbau des ÖPVN, bezahlbare Mieten, Reform der Verwaltung/Bürgerämter, Gesundheitssystem etc. Step by Step...

  6. 16.

    Warum diese altersbeleidigende Unterstellung?
    Warum sollen sich Menschen, die sich seit Jahrzehnten Gedanken um die Zukunft - ihre UND die ihrer Kinder und Kindeskinder - gemacht haben, plötzlich ihre Meinung und Einstellung ändern und suizidale Tendenzen zeigen?

    Ist das "jugendliche" Überheblichkeit oder der Glaube, alles besser zu wissen?

  7. 15.

    Die Angaben sind ja FREIWILLIG, wenn sie nicht antworten wollen, legen sie halt auf ...

  8. 14.

    Sehr gute Grafik!
    Hätte nicht gedacht, dass so ein Chaos auf dem Wählermarkt herrscht.
    Würde sich jetzt mal eine unideologische Partei in der Mitte gründen, würden die wohl 30% in Berlin abräumen.
    Die Wähler wissen ja gar nicht mehr wohin???

  9. 12.

    Lieber RBB, die SPD hat bei der Berlinwahl nicht 0.6 Prozentpunkte hinzugewonnen, sondern 0.1 Prozentpunkte verloren. Das solltet ihr im ersten Satz korrigieren ;-)

  10. 11.

    Die Grafik ist der Hammer !!!

  11. 10.

    Die Aussage zu den Erstwähler macht Hoffnung. Wer noch 70 - 80 Jahre vor sich hat, dem ist die Zukunft unseres Lebensraumes wohl irgendwie wichtig.

  12. 8.

    Die Wählerwandergrafik:
    Ist das Kunst, oder kann das weg.

  13. 7.

    In sogenannten „Exit Polls“ sind – zumindest auf bundesebene – Wähler:innen direkt nach dem Wählen vor den Wahllokalen anonym befragt worden. Das ist alles kein Hexenwerk.

  14. 6.

    Man kennt dann also meinen Namen, meine Telefonnummer und wen ich wann gewählt habe. Wow, wie geheim!

  15. 5.

    Glaube sofort, dass viele SPD-Anhänger in den letzten Jahren nicht wählen waren.
    Nehme mich da nicht aus.
    Denke, dass bei vielen Jungen das Thema Klima jetzt eben in ist und daher Grün gewählt wurde. Vor einigen Jahren gab es z.B. FFF ja noch gar nicht. Da sind inzwischen eine Reihe Klimakids zu Erstwählern herangewachsen.
    In "meiner" Generation war ein gewisses Anarcho-Tum noch angesagter, weswegen links bzw. die Linke gewählt wurde. Immer so'n bisschen mit der "F**k the system"-Punk-Attitüde.
    Die jungen Leute von heute sind anders, die Generatio Corona-Jugend vernünftiger (notgedrungen), die Wilden von damals zur Ruhe gekommen.
    Darüber hinaus hat die Linke außer Sahra Wagenknecht keine fähigen Menschen mehr in ihren Reihen. Diese hat meiner Meinung nach gut analysiert, wer die typischen Grünen-Wähler sind. Akademiker, die innerhalb des S-Bahn-Rings leben in den Wohnungen, die für andere heute unbezahlbar sind. Und sich gewisse Luxusdebatten-/-probleme leiten können.

  16. 4.

    Hallo Christina,

    Statistiker und Mathematiker können das vielleicht besser erklären. Die Fehlerquote liegt bei den besten solcher Erhebungen auch immer noch bei 10-20%. Wer genau von wo nach wo gewandert ist, kann allerdings keine Methode jemals heraus finden

    Zur Grundlage dieser Erhebungen google einfach mal "Statistische Methodik zur Wählerwanderungsanalyse der Stadt München" wo es sehr gut erklärt wird, oder "Wählerstromanalyse" für einen kurzen Wikipedia Artikel.


  17. 3.

    Wählerwanderungsanalysen kommen von den Nachwahlbefragungen. Da wird man z.B. nach der Wahl angerufen und gefragt: "Wen haben Sie diesmal gewählt?" und "Wen haben Sie 2017" gewählt. Dann vergleicht man die beiden Werte. Ganz einfach.

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